Pilotprojekt Tessenberg: Kinderbetreuung im Osttiroler Oberland jetzt ganzjährig
Nach der erfolgreichen Betreuung in den Sommerferien wird die betriebs- und gemeindeübergreifende Kooperation ab September fortgesetzt.
Unter Ägide des Regionsmanagements Osttirol haben die beteiligten Firmen Euroclima Apparatebau GmbH, E.G.O. Austria Elektrogeräte Ges.m.b.H., HELLA Sonnen- und Wetterschutztechnik GmbH, Loacker Konfekt Ges.m.b.H. und Nordpan Rubner Holzbauelemente GmbH gemeinsam mit den Gemeinden Abfaltersbach, Heinfels, Strassen, Sillian und dem Osttiroler Kinderbetreuungs-Zentrum das Pilotprojekt in Tessenberg entwickelt. Auch in weiteren Regionen sind Kooperationen zur Kinderbetreuung geplant.
Die Sommerbetreuung in der Volksschule Tessenberg begeisterte sowohl Eltern als auch Kinder. Während der „Spiel-mit-mir-Wochen“ im Juli und August genossen 47 Kinder von 3 bis 14 Jahren ein abwechslungsreiches Programm. Sie besuchten einen Bauernhof, erkundeten den Wald und machten Ausflüge, z.B. auf die Burg Heinfels. „Aufgrund der zahlreichen Anmeldungen können wir den Hort in Tessenberg ganzjährig weiterführen“, sagt Sabine Bodner vom OK-Zentrum.
Die Nachmittagsbetreuung findet ab September von 11.30 Uhr bis 18.00 Uhr statt. Während der Ferien ist eine Ganztagesbetreuung von 7.00 Uhr bis 18.00 Uhr vorgesehen. Anmeldungen werden noch über das OK-Zentrum angenommen.
Die Kinder am Bauernhof …
Große Unterschiede beim Kinderbetreuungsangebot in Osttirol
Laut der im letzten Jahr durchgeführten Umfrage des RMO besteht die Hürde für kleinere Gemeinden oft in der zu geringen Kinderzahl, um eine Kinderbetreuung umzusetzen. Bereits Anfang 2022 fanden Gespräche in den drei Planungsverbänden über die Rahmenbedingungen zum Ausbau der Kinderbetreuung im Bezirk statt. „Ergebnis war, dass es den Zusammenschluss benachbarter Gemeinden und die Unterstützung von ansässigen Firmen braucht, um die Finanzierbarkeit der Kinderbetreuung zu gewährleisten“, sagt Bgm. Dietmar Ruggenthaler, Obmann des RMO und des Planungsverbandes 34 (Iselregion).
In der Folge entstand das beim RMO angesiedelte LEADER-Projekt „Gleichstellungskoordination Osttirol“, zuständig auch für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das war der Startschuss für das Pilotprojekt in Tessenberg.
Kooperation zwischen Gemeinden und Firmen von Anfang an
In mehreren Workshops wurde ein Angebot entwickelt, das die Interessen der Firmen, der Gemeinden und der Familien berücksichtigt. „Wichtig war die Zusammenarbeit aller Beteiligten von Anfang an. So wurden die MitarbeiterInnen vorab befragt, um eine möglichst individuelle Betreuung anbieten zu können“, berichtet Mirjam Reith, Gleichstellungskoordinatorin beim RMO.
… und beim Imker
Fahrtendienst mit dem „Kindertaxi“
Um die Kinder in die Betreuung zu bringen, stellt die Firma HELLA ein Firmenfahrzeug zur Verfügung. „Das ist eine nachhaltige Lösung, da keine Neuanschaffungen notwendig sind. Zudem müssen so die Eltern nicht während ihrer Arbeitszeit die Kinder von der Schule bzw. vom Kindergarten nach Tessenberg bringen,“ erklärt Geschäftsführer Andreas Kraler. Das „Kindertaxi“ holt die Kinder aus den umliegenden Gemeinden nach Kindergarten- und Schulschluss ab und bringt sie nach Tessenberg. Die Gemeinden Abfaltersbach, Heinfels, Strassen und Sillian teilen sich die Personalkosten für den Fahrtendienst.
Finanzierung und Kosten
Die Gemeinde Heinfels stellt die Räumlichkeiten in der Volksschule Tessenberg mietfrei zur Verfügung. Die jeweiligen Gemeinden übernehmen 1 Euro pro Betreuungsstunde für „ihre“ Kinder, die Eltern zahlen 2,50 Euro pro Stunde. Die beteiligten Firmen teilen sich gestaffelt nach Betriebsgröße den Fehlbetrag zwischen Einnahmen und Kosten des Projektes. „Für uns ist das Kinderbetreuungsangebot auch eine Maßnahme zur Mitarbeitergewinnung und –bindung, aber es profitieren davon Familien aus der gesamten Region,“ betont Andreas Kraler stellvertretend für die fünf Firmen. Unter den Unternehmensvertretern hat man sich auf individuelle Vereinbarungen zur zusätzlichen finanziellen Unterstützung der MitarbeiterInnen geeinigt.
Pilotprojekt Tessenberg macht Schule
Das RMO plant, auch in anderen Gemeinden Osttirols die Kinderbetreuung weiter auszubauen. „Wir haben im letzten Jahr viel gelernt und können diese Erfahrungen in anderen Planungsverbänden, angepasst an die lokalen Gegebenheiten, umsetzen. Erste Gemeinden haben bereits Interesse gezeigt“, berichtet Gleichstellungskoordinatorin Mirjam Reith.
Text: Redaktion, Foto: RMO/E. Bachmann