Kräuterduft prägt in Tirol den Hohen Frauentag
Mariä Himmelfahrt am 15. August zählt zu den ältesten Marienfesten der Christenheit und ist in Tirol zugleich kirchliches Hochfest und Landesfeiertag. Die Segnung von Kräuterbuschen gehört zur Tradition am Hohen Frauentag.
Neben Gottesdiensten, Prozessionen und Kirchtagen prägt in Tirol vor allem ein Brauch den Festtag: das Binden und Segnen von Kräuterbuschen. In zahlreichen Pfarren der Diözese Innsbruck bringen Gläubige kunstvoll gebundene Sträuße mit heimischen Heilpflanzen zur Segnung in die Kirchen.
Die Kräutertradition reicht weit zurück und verbindet religiöse Symbolik mit dem über Generationen weitergegebenen Wissen um die Natur. Nach einer alten Überlieferung fanden die Apostel im Grab Mariens keine sterblichen Überreste vor, sondern Blumen und wohlriechende Kräuter. Daraus entwickelte sich die bis heute gelebte Praxis der Kräutersegnung.
Besonders charakteristisch ist die Zusammensetzung der Kräuterbuschen. „Besonders wichtig ist für mich, dass in der Mitte eine Königskerze ist. Meistens wird auch ein Beifuß dazu gebunden“, erklärt Michaela Thöni-Kohler, die als „Zammer Kräuterhex“ seit vielen Jahren altes Heilpflanzenwissen und Tiroler Volksheilkunde vermittelt. Die weiteren Pflanzen unterscheiden sich regional. Häufig finden sich etwa Salbei, Schafgarbe, Johanniskraut, Minze, Kamille oder Thymian in den Sträußen, auch Rosmarin, Arnika und Wermut sowie Spitzwegerich oder Basilikum kommen vor. Fast immer werden nach katholischer Tradition mindestens sieben Kräuter verwendet, da diese Zahl eine besondere symbolische Bedeutung hat.
Altes Wissen für den Alltag
Die gesegneten Kräuterbuschen waren traditionell weit mehr als bloßer Festschmuck. Sie wurden oft das ganze Jahr über im Haus aufbewahrt und galten als Zeichen von Schutz und Segen. Der Brauch verweist auch auf die enge Beziehung früherer Generationen zur Natur. Heilpflanzen spielten im Alltag vieler Familien eine wichtige Rolle. Das Wissen über ihre Verwendung wurde von Generation zu Generation weitergegeben und gehört bis heute zum kulturellen Erbe Tirols.
Landesfeier und Patrozinien
Mariä Himmelfahrt erinnert die Kirche an die Aufnahme der Gottesmutter Maria in die Herrlichkeit Gottes. Das Fest wird bereits seit dem frühen Christentum begangen und zählt zu den bedeutendsten Marienfesten des Kirchenjahres. In Tirol ist der 15. August darüber hinaus Landesfeiertag und erinnert an die Befreiung Tirols im Jahr 1809. Zahlreiche Pfarrkirchen der Diözese Innsbruck feiern am Hohen Frauentag zudem ihr Patrozinium. Festgottesdienste, Prozessionen und Pfarrfeste prägen vielerorts das Bild des Feiertags. Der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler begeht den Festtag auf besondere Weise: Er wird heuer gemeinsam mit dem Kärntner Bischof Josef Marketz die traditionelle Marienschiffsprozession auf dem Wörthersee begleiten und dabei die Predigt halten.
Text: Redaktion, Foto: Diözese Linz/Kienberger