Josef Kalser veröffentlicht Buch über Waldarbeit und Sägewerke in Osttirol
Das zum Großteil verlorene Wissen über die Arbeit der Holzknechte und die forstlichen Beziehungen zu den italienischen Nachbarn will der Leisacher u.a. dokumentieren.
Das handwerkliche Geschick der einstigen Holzknechte, das Holztreiben, Seilbahnen, Pferdefuhrwerke, Sägewerke, die uralten Handelswege und forstlichen Beziehungen zu den Nachbarn im Belluno und in Venedig – das alles will Josef Kalser mit seinem neuesten Buch in Erinnerung rufen. Der Leisacher, Jahrgang 1958, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte seiner Heimat. 2012 entdeckte er das keltisch-römische Stammesheiligtum auf dem Klosterfrauenbichl in Lienz – das Stammesheiligtum der Laianken. Es handelt sich dabei um jenen Stamm, von dem sich der Name „Lienz” ableitet. Mit „Die vergessene Burg von Leisach“, „Die Leisacher Kofelalm” und „Leisach – Menschen in Bild und Zeit” hat Kalser bisher drei Bücher veröffentlicht.

„Heute lässt sich kaum noch erahnen, wie einst mit Menschenhand, Pferdestärke und Wasserkraft große Mengen an Holz bewegt wurden. Die Holzwirtschaft und die damit zusammenhängenden Gewerbe waren am wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung unseres Bezirkes maßgeblich beteiligt. Ich möchte mit dem Buch aber auch aufzeigen, wie intensiv die Beziehungen aus forstlicher Sicht in früherer Zeit mit unseren Nachbarn im Belluno und in Venedig waren“, erklärte der Leisacher bei der Vorstellung seines Buches.
Ein großes Kapitel widmet Kalser auch den Sägewerken im Bezirk Lienz. „Ob die Sägedynastie Wanner oder die Holzhändler- und Sägewerkerfamilie Dapra – zeitweise bewegten sich allein in der Stadt Lienz die ,Gatter‘ von zehn Sägewerken gleichzeitig. 1890 gab es im Bezirk 44 Sägewerke, die alle mit Venezianergatter betrieben wurden. Im Jahr 1950 waren es in Osttirol noch 92 Sägewerke und 2010 nur mehr sieben bis acht Betriebe, die im gewerblichen Vollerwerb geschnitten haben. Und nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Haus-, Hof- und Wandersägen, die es früher gab“, blickt der Autor zurück.
Josef Kalser wuchs auf dem Bauernhof seiner Eltern, vlg. Pfeifer, in Leisach auf. Nach Lehrzeit und „Wanderjahren“, die ihn nach Afrika sowie Nord- und Südamerika führten, war die Holz- und Forstarbeit sein Broterwerb. In dieser Zeit absolvierte er auch den Waldaufseher-Lehrgang in Rotholz. Der Leisacher lernte die Wald- und Holzarbeit noch in der Zeit vor der Modernisierung und Industrialisierung kennen und erlebte als Kind und Jugendlicher die letzten Ausläufer dieses alten Handwerks und die beschwerliche Arbeit der Holzknechte.
Josef Kalser war früher selbst als Holz- und Forstarbeiter tätig und betrieb danach bis in die heutige Zeit eine Schindelmacherwerkstatt in Leisach. Außerdem war er drei Jahrzehnte lang aktiver Jäger. So wirft er in seinem Buch auch einen kritischen Blick auf die Waldnutzung und die Jagd in der heutigen Zeit.
„Jeder Eingriff in den Wald zieht Veränderungen in seinem Ökosystem nach sich, die sich oft erst nach mehreren Generationen offenbaren. Es ist unbestritten, dass wir Menschen dem Wald und selbst dem Holz die Artenvielfalt rauben. Es braucht hier ein Umdenken. Mit Hilfe künstlicher Aufforstung wurden unsere Wälder zu monotonen Holzlieferanten gemacht. Es braucht wieder mehr Mischwälder. Der starke Verbiss zeugt von zu viel Wild. Ich bin der Meinung, dass die Wildstände – vor allem beim Schalenwild – um rund die Hälfte reduziert werden müssten. Die Wildfütterung sollte überhaupt eingestellt werden. Dem Wild muss mehr Ruhe gelassen werden. Ich bin außerdem für kurze, aber dafür umso intensivere Jagdzeiten“, betont der Leisacher abschließend.
Josef Kalser: „Wald, Waldarbeit & Sägewerke in Osttirol“
Universitätsverlag Wagner – ISBN 978-3-7030-6587-3
Preis: 42,90 Euro
Erhältlich im Buchhandel
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger
