Für zukünftige Krisen gewappnet sein: Was jeder Einzelne tun kann

Corona hat vor Augen geführt, wie brüchig die Sicherheit unseres Lebens ist. Der Krieg in der Ukraine trägt dazu bei, dass sich viele Sorgen um die Zukunft machen.

Umso wichtiger ist es, für unvorhersehbare Ereignisse gerüstet zu sein. Dazu zählt auch, die wichtigsten Alarmierungssignale zu kennen und zu wissen, wie ein „krisensicherer Haushalt“ aussehen sollte. Um auf Landesseite eine funktionierende Organisationsstruktur zu haben, die sich gezielt mit einer entsprechenden Krisenvorsorge beschäftigt, wurde in Tirol 2021 das „Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement“ installiert, als dessen Leiter Elmar Rizzoli – vielen aus der Medienberichterstattung rund um die Corona-Krise in Tirol bekannt – fungiert. Wir haben den Krisenmanager dazu befragt, welche Lehren man aus der aktuellen Pandemie für zukünftige Ereignisse ziehen sollte, wer in Tirol für den Katastrophenschutz verantwortlich ist und welche Instrumente der Alarmierung und Kommunikation im Krisenfall bereitstehen.

 

 

Herr Rizzoli, Sie sind seit 1.2.2021 Leiter des „Tiroler Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement“. Wie haben Sie die Corona-Pandemie bis dato wahrgenommen?
Zu Beginn der Pandemie Ende Februar 2020 war ich Leiter der Gemeindeeinsatzleitung der Landeshauptstadt Innsbruck. Im Rahmen dieser Tätigkeit und später als Leiter des Tiroler Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement galt und gilt mein Fokus der Krisenbewältigung. Eine Pandemie bringt zwar große Herausforderungen mit sich, doch muss im Rahmen eines Krisenmanagements mit solchen Situationen gerechnet werden. In Tirol sind wir diesbezüglich gut aufgestellt, wenn auch weder wir, noch ein anderes Land die Wucht dieser Pandemie ahnen konnten. Das Coronavirus war neu und nach wie vor gilt es, laufende Entwicklungen zu beobachten, vorausschauend zu handeln und dementsprechend im Sinne der Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung zu agieren.

Was kann, was sollte man aus der Pandemie für künftige Krisen unbedingt lernen?
Grundsätzlich hat diese Pandemie deutlich gemacht, dass das Krisenmanagement noch breiter aufgestellt werden und man immer über den Tellerrand des klassischen Katastrophenschutzes hinausblicken muss. Dementsprechend gilt es, sich laufend auf verschiedene Szenarien vorzubereiten, aus Vergangenem zu lernen und Übungen für neue Erkenntnisse zu nutzen. Derzeit sind wir noch mit der aktuellen Krise konfrontiert, doch müssen für die Zukunft auch andere Szenarien wie ein Black Out, Versorgungskrisen im Hinblick auf Strom, Gas oder Wasser sowie Cyber-Angriffe im Rahmen unserer Vorbereitungen berücksichtigt werden.

Wie verteilen sich im Krisen- bzw. Katastrophenfall grundsätzlich die Kompetenzen zwischen Land und Bezirken bzw. zwischen Bund und Ländern?
Der Katastrophenschutz liegt in Österreich grundsätzlich im Verantwortungsbereich der Länder. Konkret zeichnen bei örtlichen Ereignissen beispielsweise primär die Gemeinden, bei überörtlichen Ereignissen die Bezirke sowie bei bezirksübergreifenden Ereignissen das Land verantwortlich. Das Land Tirol hat bei allen Ereignissen stets auch eine koordinierende Funktion inne und ist bei Krisen- und Katastrophenereignissen immer im engen Austausch mit den örtlichen Behörden, Einsatzleitungen und Einsatzorganisationen.

Wie erfolgt die Kommunikation mit diesen im Krisenfall, z.B. bei einem Blackout?
Die Kommunikation fußt auf unterschiedlichen Systemen. So ist beispielsweise auch bei Stromausfällen die Kommunikation über den Behördenfunk (redundantes System) sichergestellt.

Wie ist das Tiroler Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement strukturiert und was sind seine vorrangigen Aufgaben?
Seit seiner Gründung am 1. Februar 2021 verfügt das Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement über vier Abteilungen mit aktuell rund 220 Mitarbeiter*innen. Hier sind unter anderem die Bereiche der Landeswarnzentrale, der Leitstelle Tirol, der Landesgeologie und des Lawinenwarndienstes gebündelt. Gleichzeitig werden von hier aus auch die Aufgaben in den Bereichen Zivil- und Strahlenschutz sowie Sicherstellung des Behördenfunks wahrgenommen. In die Organisationsstruktur ist auch das Corona-Zentrum inkludiert. Grundsätzlich liegt ein wesentlicher Fokus der täglichen Arbeit auf einer umfassenden Prävention, um für Krisen- und Katastrophenereignisse bestmöglich gerüstet zu sein. Dazu zählt es auch, Krisen- und Katastrophenpläne zu erstellen bzw. zu überarbeiten und laufend auf ihre Aktualität hin zu überprüfen.

Wer fungiert im Ernstfall als Einsatzleiter und wem obliegt die Öffentlichkeitsarbeit?
Einsatzleiter sind kraft Gesetz grundsätzlich der Landeshauptmann bzw. die Bezirkshauptleute. Meine Funktion ist die Leitung des Einsatzstabes. Als Leiter des Zentrums für Krisen- und Katastrophenschutz ist es weiters meine Aufgabe, bei Krisen- und Katastrophen gesicherte Informationen weiterzugeben und diese auch gegenüber Medien und damit der Bevölkerung zu kommunizieren.

Was können Sie uns zu bestehenden Einsatzplänen möglicher zukünftiger Krisen wie die eines Black Outs, eines Erdbebens oder eines klimabedingten Extremereignisses sagen?
Für derartige Szenarien liegen Einsatzpläne vor, in welchen alle wesentlichen Aspekte weitestgehend geregelt sind. Wichtig für uns als Verantwortliche des Tiroler Zentrums für Krisen- und Katastrophenmanagement ist es, dass wir uns auch mit Themen, die in den letzten Jahren nicht auf der Tagesordnung standen oder uns derzeit nicht tagesaktuell beschäftigen, inhaltlich auseinandersetzen. So gab und gibt es in Tirol beispielsweise aufgrund seiner topografischen Gegebenheit immer wieder Felsstürze oder Lawinen, die uns vor Augen führen, dass wir die Macht der Natur nicht in der Hand haben. Da sind wir insgesamt gut vorbereitet und gerade in den genannten Ereignisbereichen sehr „routiniert“. Natürlich muss jedes Ereignis immer wieder neu bewertet und dementsprechend gehandelt werden. Wir richten unseren Blick jedenfalls verstärkt in die Zukunft. Als Beispiel dafür darf ich erwähnen, dass das Thema „Strommangellage“ im November 2021 Inhalt der auf Initiative Tirols österreichweit stattgefundenen Stabsübung „ENERGIE.21“ war.

 

 

Stichwort Alarmierung: Wenn man an die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal/Deutschland im Vorjahr denkt, ist heute klar, dass die rechtzeitige Alarmierung der Bevölkerung nicht funktioniert hat. Welche Möglichkeiten stehen dafür in Tirol bereit?
In Deutschland wurde zu Beginn dieses Jahrtausends die Infrastruktur der Zivilschutzalarmierung (mittels Sirenen) abgebaut. In Tirol gibt es dieses funktionierende und flächendeckende Sirenennetz nach wie vor und seine Funktionsfähigkeit wird jedes Jahr im Oktober per Probealarm hinreichend getestet. Im Laufe des Jahres 2022 soll des Weiteren in ganz Österreich das „Cell Broadcasting“ umgesetzt werden. Damit können Warntexte an alle in einem bestimmten Bereich eingeloggten Handys versendet werden. Zudem wird von Seiten des Landes im Falle eines Krisen- oder Katastrophenereignissen auch auf eine umfassende Kommunikation an die Medien sowie über Kanäle des Landes (Website, Social Media) gesetzt. Nicht zu vergessen ist, dass Ende 2019 die „Land Tirol App“ initiiert wurde, mit welcher Nutzer*innen Nachrichten des Landes im Rahmen eines Push-Services direkt auf ihr Handy erhalten.

Danke für das Gespräch!

 

 

 

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © AdobeStock/Victoria, Land Tirol

13. März 2022 um