Im Kollektiv ehrenamtlich für die eigene Gemeinde tätig

2018 wurde in der Osttiroler Gemeinde Nikolsdorf unter Führung des örtlichen Kulturausschusses ein Chronikteam ins Leben gerufen, dem aktuell zehn Mitglieder angehören.

„Alles begann im Advent 2017 mit einer Ausstellung des Kulturausschusses zum Thema Chronik in Nikolsdorf“, erinnert sich Marianne Mair, seit Juli 2020 Leiterin des Nikolsdorfer Chronikteams, zurück. „Die Präsentation von interessanten Fotos, Gegenständen und Dokumenten, die damals organisiert wurde, diente auch dem Ziel, interessierte GemeindebürgerInnen für die Chronik-Mitarbeit zu gewinnen.“ Der Kulturausschuss hatte Erfolg, und so fanden sich im Februar 2018 sieben Nikolsdorferinnen und Nikolsdorfer bei der Chronik-Schulung in Amlach ein. In der Folge kristallisierte sich ein konkretes Team heraus, das als kommunale Einrichtung auch durch den Gemeinderat bestätigt wurde. Seitdem arbeiten Monika Bachlechner (Team-Leiterin bis Juli 2020), Barbara Seiwald, Karl Winkler, Christl Astner, Robert Fasching, Adalbert und Michael Eder, Hildegard Korber, Marianne Mair sowie Lukas Mair daran, „ … die Gegenwart festzuhalten, damit Nikolsdorf eine Zukunft hat.“ Gemeinsam führen sie die bis 2011 von Thaddäus Obbrugger bearbeitete Chronik fort, sichten Material, ordnen dieses und bemühen sich um die Digitalisierung aller Unterlagen mittels TIGa, dem Archivinformationssystem der Tiroler Gemeinden.

Um das neue Team der Bevölkerung vorzustellen, entstand die Idee, einen Kalender „Nikolsdorf in alten Ansichten“ herauszugeben. 2019 erstmals erschienen, zeigte dieser sehenswerte Fotos aus der Geschichte, mit Schwerpunkt auf den Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die zweite Auflage, fertiggestellt im November 2019, inkludierte zusätzlich zu den Bildern passende Texte sowie interessante Erzählungen zu Ereignissen bzw. zu Einrichtungen im Dorf. „So entstand“, wie Marianne Mair zusammenfasst, „ein Potpourri an Bildern und Geschichten, die zum Schmökern einladen.“ Als Beispiele dafür zählt sie etwa den Bericht über die Weihnachtsaktion des Fliegerhorstes Zeltweg für Lesachtaler und Nikolsdorfer Kinder im Hochwasserjahr 1966, Erinnerungen von Zeitzeugin Maria Mair an das Kosakendrama im Jahre 1945 oder einen Hintergrundbericht über die Agrargemeinschaft Steiner Alm auf.

 

Feldscheune in Lengberg im Jahr 1973

 

Aktuell sind die Nikolsdorfer ChronistInnen intensiv damit beschäftigt, den dritten Jahreskalender, welcher im Dezember 2020 erscheinen soll, auszuarbeiten. „Über neue Unterlagen – Interessantes, Kurioses, Fundstücke etc. aus privaten Haushalten – würden wir uns freuen“, hofft die Chronikteam-Leiterin auf Mithilfe aus der Bevölkerung und appelliert, bei Entrümpelungen von Dachböden oder Kellern genau darauf zu achten, was man wegwirft. Regelmäßig trifft sie sich mit den Chronikteam-Mitgliedern im Chronikraum im ehemaligen Proberaum der Musikkapelle Nikolsdorf, der in der örtlichen Volksschule untergebracht ist und zwei Mal wöchentlich (donnerstags von 16.00 bis 18.00 Uhr und freitags von 17.00 bis 20.00 Uhr) geöffnet hat.

„Natürlich erfordert unsere Arbeit viel Zeit“, betont Marianne, die eine gebürtige St. Jakoberin ist und seit 26 Jahren in Nikolsdorf lebt. „Mich persönlich interessiert das Dorf, in dem ich lebe, sehr. Ich möchte wissen, wie der Ort früher ausgesehen hat, welche Handwerker es gab oder wie Brauchtum und Traditionen gelebt wurden. Aus diesem Grund engagiere ich mich sehr gerne ehrenamtlich!“ Dies gilt, wie sie meint, auch für ihre Kolleginnen und Kollegen. „Im Kollektiv können wir unsere Aufgaben besser ausfüllen, als es der Einzelne im Stande wäre. Wir teilen uns die Arbeit so auf, dass jeder, entsprechend seinen Talenten und Vorlieben, das macht, was ihm besonders liegt. Adalbert und Christl beispielsweise sind unsere Spezialisten für das Lesen alter Schriften, Karl fotografiert, Monika und Barbara können gut schreiben, Hilde und Robert erledigen Computerarbeiten, und ich besuche gerne Menschen im Dorf, um mit ihnen zu reden und ihre Erzählungen bzw. Geschichten für die Nachwelt aufzuschreiben.“

Allen, die Fragen oder Unterlagen für die Nikolsdorfer Chronik haben, steht die Chronikteam-Leiterin Marianne Mair unter der Tel.: 0664/73895184 gerne zur Verfügung!

 

Einweihung der Volksschule Nikolsdorf im Jänner 1972 …

und ein Blick auf das Waldschwimmbad in den 70er-Jahren

 

Text: E. Hilgartner, Fotos: Chronik Nikolsdorf

11. Oktober 2020 um