Wasserrettung: In Bädern und Flüssen lauern viele Gefahren

Damit einem sicheren Badetag nichts im Wege steht, müssen gewisse Regeln eingehalten werden. Verena Steiner, Ausbildungsleiterin der Wasserrettung Osttirol, gibt Tipps.

Sommer, Sonne, Abtauchen im kühlen Nass – nach dem Corona-Lockdown hat man sich im heurigen Sommer noch mehr als sonst auf Erholung, sportliche Betätigung und Spaß in den Schwimmbädern, Badeseen und an den Flüssen gefreut. Dort lauern aber auch viele Gefahren. „Immer wieder kommt es zu Unfällen in den Schwimmbädern und am Tristacher See. Outdoor-Aktivitäten – wie Rafting oder Kajakfahren – werden immer beliebter, und so wird die Wasserrettung immer öfter auch zu Unfällen in Zusammenhang mit diesen Sportarten gerufen“, erklärt Verena Steiner, Ausbildungsleiterin bei der Wasserrettung Osttirol. Gemeinsam mit Philipp Pedevilla betreut sie die Referate Ausbildung und Jugend und ist auch für die Schulung der Rettungsschwimmer verantwortlich.

 

Die Wasserrettung Osttirol schult regelmäßig auch die Bademeister des Dolomitenbades Lienz. An den Sonntagen der Sommerferien unterstützen die Wasserretter die Bademeister bei der Aufsicht der Schwimmer im Dolomitenbad. Foto: Wasserrettung Osttirol

 

Bäder und Seen

„Wichtig ist, dass man sich bei Freizeitaktivitäten im und am Wasser auch der Gefahren bewusst ist. In Schwimmbädern und stehenden Gewässern gelten grundsätzlich die Baderegeln. Vor allem das Abkühlen vor dem Sprung ins Wasser ist sehr wichtig, um den Organismus an den Temperaturunterschied zu gewöhnen. Im Ernstfall gilt es, über den Notruf 144 (Leitstelle Tirol) rasch die Rettungskette in Gang zu setzen. Wir von der Wasserrettung sind gerüstet und sofort zur Stelle“, betont Verena Steiner.

 

Gemeinsam mit der Feuerwehr Huben wurde die Wasserrettung Osttirol am 6. Juli 2020 zu einem Einsatz an der Isel zwischen Feld und Huben gerufen. Vier Kajakfahrer stiegen im Bereich Feld in die Isel ein. Ein Boot kenterte, und der Fahrer konnte sich auf eine Insel mitten im Fluss retten. Die anderen drei Kajakfahrer begaben sich an das Ufer und setzten den Notruf ab. Die Wasserretter versorgten den Kajakfahrer auf der Insel und brachten ihn anschließend mittels Raft an das Ufer. Foto: Wasserrettung Osttirol

 

Flüsse und Bäche

An Flüssen und Bächen gilt es, die oftmals starken Strömungen zu beachten, die selbst gute Schwimmer schnell überfordern können. „Stärkere Strömungen entstehen, wenn der Fluss enger wird – z.B. auch an Brückenpfeilern. Eine Strömung kann einen leicht unter Wasser oder auch mit sich ziehen“, berichtet Verena aus ihrer Praxis. Immer öfter werden die Einsatzkräfte der Wasserrettung auch an das Wildwasser – z.B. an der Isel oder Drau – gerufen.

„Wichtig für Kajakfahrer und Rafter ist die Möglichkeit, ins Kehrwasser (z.B. hinter Steinen) auszuweichen. Je nach Wasserstand verändert sich der Fluss. Gefahren können generell auch unter der teils ruhig wirkenden Wasseroberfläche lauern“, warnt die Ausbildungsleiterin. Immer mehr Menschen suchen auch an Speicherteichen Abkühlung, obwohl dort das Baden größtenteils verboten ist. „An Speicherteichen sollte man sich bewusst sein, dass es keine Aufsicht gibt“, so Verena Steiner abschließend.

 

Baderegeln der Österreichischen Wasserrettung

1. Gesundheit
Wenn du schwimmen gehst, musst du gesund sein!

2. Hinweisschilder beachten
Auf den Hinweisschildern kannst du lesen, was im Schwimmbad erlaubt und was verboten ist. Daran musst du dich halten!

3. Duschen, Abkühlen
Gehe erst dann in das Wasser, wenn du dich geduscht oder abgekühlt hast!

4. Kältegefühl
Bleibe nicht im Wasser, wenn dir kalt ist. Du kannst sonst Krämpfe bekommen. Krämpfe sind für den Schwimmer gefährlich!

5. Ohrenerkrankungen
Wenn du Ohrenschmerzen oder eine Ohrenverletzung hast, darfst du nicht schwimmen, springen oder tauchen!

6. Essen
Wenn du viel gegessen hast, warte eine Stunde, bevor du wieder ins Wasser gehst

7. Starke Sonne
Schütze dich vor der Sonne (Sonnencreme, Kappe, T-Shirt). Wenn dir heiß ist, darfst du nicht ins kalte Wasser springen!

8. Übermut
Lasse dich nicht von anderen dazu überreden, etwas zu tun, was du nicht gut kannst (weit hinausschwimmen, ins kalte Wasser springen oder tauchen).

9. Springen
Spring nur dort ins Wasser, wo es erlaubt ist! Du darfst dabei niemanden in Gefahr bringen! Spring nicht in Gewässer, die du nicht kennst. Es könnten viele Gefahren lauern.

10. Vorsicht im Erlebnisbad
Im Erlebnisbad sind oft viele Menschen. Beobachte daher die Leute in der Umgebung! Ruf Hilfe herbei, wenn jemand in Gefahr ist!

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Stadt Lienz, Wasserrettung Osttirol

14. August 2020 um