Von einer altehrwürdigen Burg und einer edlen Ritterschaft
Die im 12. Jahrhundert erbaute Burg Kaprun im Pinzgau wurde in den letzten vier Jahrzehnten umfassend restauriert und dient heute als Schauplatz vielfältiger Veranstaltungen.
Majestätisch thront die Burg Kaprun auf einem nach Nordwesten abfallenden Hügel am östlichen Ortsrand der gleichnamigen Gemeinde im Pinzgau nahe der Bezirkshauptstadt Zell am See. Ich betrete die Burg über die frisch sanierte Holzbrücke über den Burggraben und das mächtige Eingangstor – und sofort erfasst mich eine mittelalterliche Atmosphäre. Der Burghof wirkt mit seinen weitläufigen Sitzgelegenheiten wie ein Amphitheater. Hier finden verschiedene Veranstaltungen statt, von Konzerten über Theateraufführungen bis hin zum alljährlichen Burgfest, dem Höhepunkt des Jahres auf Burg Kaprun.
Obmann Norbert Karlsböck und Geschäftsführerin Misha Hollaus
In der gemütlichen Burgschenke bin ich mit Norbert Karlsböck, Obmann des Burgvereins und gleichzeitig Großmeister der „Burgritterschaft Falkensteiner auf Caprun“, sowie mit Misha Hollaus, die für die Geschäftsleitung und das Management verantwortlich zeichnet, verabredet. „Da der Ostturm romanische Merkmale aufweist, wird die Erbauung der Burg für das 12. Jahrhundert angenommen.

1280 wurde der ,Turn zu Chaprunne‘ erstmals urkundlich erwähnt. Anfangs dürfte die Anlage im Besitz der Grafen Falkenstein oder Peilstein gewesen sein“, weiß Karlsböck zu erzählen. In den Jahren 1599/1600 baute der vorletzte Pfleger Josef Hundt von Ainetperg zu Dorf und Rettenwert die Burg im heutigen Grundriss aus. „Da sich Josef Hundt vermeintlich mit den Bauern des Pinzgaus solidarisierte, wurde er zum Erzbischof beordert und am 8. November 1603 in Salzburg enthauptet. Das Pfleggericht wurde 1606 ins Rosenbergschlössl in Zell am See verlegt. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Burg teilweise verpachtet und fallweise vom Unterwaldmeister bewohnt“, berichtet der Obmann von wichtigen Meilensteinen in der Geschichte der mittelalterlichen Burg.

Um den Verfall der Anlage zu stoppen, schlossen sich Kapruner Persönlichkeiten und die Gemeinde 1984 zusammen und gründeten kurz entschlossen den Burgverein, der heute aus 18 Mitgliedern und der Gemeinde Kaprun besteht. Der Burgverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Burg vor dem endgültigen Verfall zu retten. Ziel war es außerdem, die Anlage schnellstmöglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mit großem Engagement und viel Liebe zum Detail wurden die Restaurierungsarbeiten durchgeführt, sodass in der Burg schon 1986 erstmals ein Kulturprogramm stattfinden konnte. „Dr. Gottfried Nindl, Gründungsobmann des Burgvereins, und DI Hans Waltl, Gründungsgroßmeister der Ritterschaft, können als die beiden Zugpferde dieser Mammutaufgabe bezeichnet werden“, betont Norbert Karlsböck, der heute Vereinsobmann und Großmeister der Ritterschaft ist.
Der jeweilige Obmann wird auch als „Lehensvogt“ bezeichnet. Karlsböck ist nach Gottfried Nindl, der 2019 verstorben ist, erst der zweite „Lehensvogt“ auf Burg Kaprun. Der 98-jährige Hans Waltl, der ehemalige Bezirksarchitekt von Zell am See, hat heute die Funktion des „Burgkustos“ inne. Seinem großen Lebenswerk sind die heutige Ausformung und alle Gestaltungsdetails der vier Jahrzehnte lang renovierten Burg zu verdanken.
Die 1993 gegründete „Burgritterschaft Falkensteiner auf Caprun“ hat sich der Bewahrung mittelalterlicher Werte verschrieben.
1993 wurde die „Burgritterschaft Falkensteiner auf Caprun“ gegründet. „Unsere Gemeinschaft hat sich der Pflege und Bewahrung mittelalterlicher Werte verschrieben. Mit einem romantischen Zugang wollen wir eine sogenannte Anderswelt abseits der digitalen Lasten der modernen Gesellschaft schaffen. Unsere Gemeinschaft ist von Freundschaft, gegenseitigem Vertrauen und vor allem auch Hilfestellung geprägt“, beschreibt der Großmeister die Ritterschaft. Sie besteht heute aus 20 Rittern. Die „Urritter“ waren bei der Revitalisierung der Burg wesentliche Unterstützer.
„Wir pflegen mittelalterliche Gebräuche durch unsere Rituale, unsere Gewandung und auch durch die Sprache. Das Bewahren dieser Traditionen ist uns genauso wichtig wie die Erhaltung der alten Gemäuer. Die Burg und die Ritterschaft dienen uns als Kraftquelle und sind uns auch im Alltag von Nutzen“, so Karlsböck.

Im Rittersaal – dem so genannten „Remter“ – treffen sich die Ritter über das Jahr verteilt zu sieben „Kapiteln“. „Es handelt sich um Treffen, bei denen wir in der ritterlichen Kleidung die mittelalterlichen Traditionen pflegen und viel diskutieren. Jetzt beim Frühlingsfestkapitel huldigen wir den Freuden des Frühlings. Regelmäßig unternehmen wir auch so genannte ,Fahren‘ zu befreundeten Ritterschaften in Österreich, Deutschland und in Südtirol“, erzählt der Großmeister vom ritterlichen Leben.

Die mittelalterliche Burg ist heute nicht nur ein optisches Wahrzeichen am Beginn des Kapruner Tals, sondern hat sich längst zu einem kulturellen Zentrum und einer einzigartigen Veranstaltungsstätte im Mittelpinzgau entwickelt. Inklusive Burgführungen finden hier von Juni bis September rund 120 Veranstaltungen statt – von Konzerten verschiedenster Genres über Theateraufführungen bis hin zu Lesungen.

„Am 30. April haben wir auch heuer wieder die Walpurgisnacht mit einem mystischen Hexentanz im Burghof gefeiert. Höhepunkt in unserem Veranstaltungskalender ist das Burgfest. Mit einem Marktspectaculum, Ritterturnieren und einem großen Handwerksmarkt wird heuer vom 19. bis 21. Juli in Kaprun wieder das Mittelalter lebendig“, informiert Geschäftsführerin Misha Hollaus.
Auf der Kinderwiese wird ein vielfältiges Programm für die Kleinsten geboten. In einer beeindruckenden Zeltstadt sorgen die verschiedenen Lagergruppen für mittelalterliche Atmosphäre. Der Rittersaal wird für eine „Pub Night” mit der Irish Folk Speed Band „TIR NAN OG“ geöffnet.
Als historisches Juwel wird die Burg Kaprun heute weit über die Grenzen Salzburgs hinaus geschätzt und geliebt. Gemeinsam mit der „Burgritterschaft Falkensteiner auf Caprun” ist sie ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Geschichte und Tradition lebendig gehalten werden können.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller