Museum Bramberg: Von der Faszination des Sammelns und Findens in den Hohen Tauern
Im Fokus der Schau „Tauernschätze – Der alpine Mensch als Sammler“ stehen nicht nur Mineralien, sondern auch jene Menschen, die diese Schätze mit Leidenschaft, Ausdauer und Know-how ans Tageslicht holen – von der Steinzeit bis heute.
Seit 1979 ist der Standort des Museums Bramberg das geschichtsträchtige Wilhelmgut. Schon vor langer Zeit hat der Museumsverein den Schwerpunkt auf die heimischen Mineralien gelegt. Im Jahr 2010 wurde für die Mineralienausstellung ein neuer unterirdischer Trakt errichtet, wobei die Firma Revital aus Nußdorf-Debant gemeinsam mit dem Drautaler Architekten DI Stefan Thalmann dem Anbau und der Innenarchitektur eine besondere gestalterische Note gaben.
Der begeisterte Steinsucher Erwin Burgsteiner war Ideengeber für die Ausstellung.
„Durch die besondere Geologie Salzburgs und die Smaragdfundstelle im Habachtal bot sich der Mineralien-Schwerpunkt an. Heute besuchen jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Menschen unser Museum. Die Mineralienausstellung gehört sowohl fachlich wie auch optisch zum Besten, was es in Europa gibt“, ist sich Erwin Burgsteiner, Obmann der Salzburger Mineraliensammler und Vize-Obmann des Museumsvereins, sicher. Der begeisterte Steinsucher war auch Ideengeber für die neue Ausstellung „Tauernschätze – Der alpine Mensch als Sammler“ und hat sie gemeinsam mit Manuela Schernthaner, Obfrau des Museumsvereins, und Kustodin Mag. Waltraud Moser-Schmidl umgesetzt.

In vier Räumen wird die Geschichte des Sammelns von mineralogischen Objekten zum Thema gemacht. Einmal mehr waren die bewährten Gestalter aus Osttirol und Berg im Drautal federführend eingebunden. „Mit der neuen Schau wollen wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen, der durch sein Können und seine Ausdauer die mineralogischen Schätze unserer Berg zu finden und zu bergen vermag. Dafür haben wir den südlichen Gebäudeteil, der die Ausstellung beherbergt, trockengelegt, mit neuen Böden ausgestattet und die Heizung erneuert.“

Der erste Raum widmet sich den Ursprüngen des Mineraliensammelns, das bereits in der Steinzeit begann und auch in unseren Breiten damals schon stattfand. „Im Olperergebiet im Zillertal wurde im Jahr 2000 eine Quarzkluft entdeckt, unter der sich bearbeitete Abschläge fanden – Spuren menschlicher Aktivität aus jener Zeit. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass in der Steinzeit hier Kristalle gesucht und noch vor Ort zu Werkzeugen und Pfeilspitzen verarbeitet wurden.“
Zum ersten Mal rückt eine Ausstellung auch die Bergkristallfunde in der Römerstadt Aguntum in Osttirol in den Fokus. „Diese Kristalle sind bis zu 30 Zentimeter groß, und die Archäologen gehen davon aus, dass sie aus der näheren Umgebung stammen.“ Im Mittelalter war man darauf bedacht, möglichst große und reine Bergkristalle zu finden. „Diese wurden an die oberitalienischen Schleifereien in Venedig, Florenz und Mailand zur Herstellung von Vasen, Pokalen und vielem mehr verkauft“, weiß der Pinzgauer zu berichten.

Ein etwas kurioser Fund aus dem Obersulzbachtal findet in der Ausstellung ebenso Platz wie die Knappenwand im Untersulzbachtal, eine etwa 20 Meter hohe Höhle, in der wunderschöne Epidote gefunden wurden. „Im Obersulzbachtal stießen Steinsucher auf seitlich eingelagerte Bergkristalle. Eine Eintragung aus dem Jahr 1618 im Salzburger Landesarchiv legt nahe, dass damals nur die großen Stücke mitgenommen und die kleinen beiseite gelegt wurden“, erzählt Erwin Burgsteiner von diesem ungewöhnlichen Fund in Neukirchen am Großvenediger.

Die neue Zeit des privaten Sammelns setzte erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Im zweiten Raum der Ausstellung werden sieben Mineraliensammler in Text, Bild und filmisch vorgestellt – darunter der Pinzgauer Heimatforscher und Pfarrer Josef Lahnsteiner, der bekannte ORF-Moderator Sepp Forcher und die heimischen Sammler Alfons Wurnitsch und Kurt Windberger. „Einen Teil seiner Sammlung hat Pfarrer Lahnsteiner der Gemeinde Hollersbach vermacht. Diese Mineralien sind jetzt als Leihgabe in unserer Ausstellung zu sehen“, freut sich der Bramberger Steinsucher.

Für den dritten Raum, das so genannte Vorhaus, hat der bekannte Drautaler Künstler Hans-Peter Profunser mit der lebensgroßen Skulptur „Der Steinträger“ einen besonderen Blickfang für die Ausstellung geschaffen. Die Almstube ist Teil der bestehenden volkskundlichen Ausstellung im Museum Bramberg. In diesem vierten Raum der neuen Schau wird die Begegnung zwischen einem mittelalterlichen „Venedigermandl“ und einem Almbauern als Schattentheater an die Wand projiziert. Der Pinzgauer Kulturschaffende Charly Rabanser hat dieses Stück inszeniert.

Bei den so genannten „Venedigermandln“ handelte sich um Steinsucher aus Norditalien, die im Mittelalter in die Tauern kamen, um Edelsteine zu suchen. „Diese Steinsucher versorgten die Werkstätten in Venedig und Mailand mit Kristallen und Mosaiksteinen. Ihr Tun war vor allem auch von den Erzbischöfen, die die Edelsteine für sich wollten, nicht gern gesehen“, weiß Erwin Burgsteiner zu erzählen. Die Einheimischen mieden den Kontakt mit den Italienern, und in Sagen schrieb man den „Venedigermandln“ Zauberkräfte zu – etwa, dass sie fliegen können.
„Man sagte ihnen auch nach, dass sie mit Spiegeln in den Berg hineinschauen, um sich so Vorteile gegenüber den einheimischen Steinsuchern zu verschaffen. Mit schönen Funden konnte man jedenfalls viel Geld verdienen“, so der leidenschaftliche Steinsucher abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Franz Reifmüller








