Römerstadt Aguntum in Dölsach: Weitere Erkenntnisse zur Baugeschichte des Forums

In einem der untersuchten Räume fand man im Bodenaufbau große Mengen an Bergkristallen. Auf dem ältesten Gehniveau stießen die Archäologinnen und Archäologen auf eine keltische Kleinsilbermünze – der erste derartige Fund im Forum.

Schon seit mehr als 15 Jahren bildet die Ausgrabung des zentralen Forums-Platzes von Aguntum mit dem umlaufenden Gebäudekomplex den Schwerpunkt der sommerlichen Grabungskampagnen. Während der diesjährigen Grabungssaison arbeiteten Archäolog:innen, Grabungstechniker:innen und Studierende der Universität Innsbruck, Institut für Archäologien, unter der Leitung von Mag. Dr. Martin Auer an der Nordwestecke des nunmehr vollständig untersuchten Händlerforums.

Die Möglichkeit, Erfahrungen in der archäologischen Feldforschung zu sammeln und auch theoretische Inputs zu bekommen, nutzten heuer zudem acht Teilnehmer:innen aus den USA im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Center for Field Sciences in Los Angeles und dem Innsbrucker Verein AFIN.

Die in der ersten, wohl während der ersten Hälfte des 1. Jhd. n.Chr. errichteten Räume waren zunächst mit einfachen Lehmböden ausgestattet, die in der letzten Ausgestaltungsphase durch Mörtelestrichböden ersetzt wurden. In einem der untersuchten Räume fanden sich im Bodenaufbau große Mengen an teils auch sehr großen Bergkristallen.

 

 

„Die Bergkristall-Funde sind ein weiterer wichtiger Hinweis dafür, dass Aguntum ein bedeutender Handelsplatz für Bergkristalle war, die aus den umliegenden Tälern hierher gebracht, sortiert und gereinigt wurden. Gefragt waren aber nur durchscheinende Stücke, weshalb man die weniger schönen Mineralien als ,Baumaterial‘ verwendete“, so der Grabungsleiter. Er nimmt an, dass die zuletzt freigelegten und untersuchten Räume gar nicht Bestandteil des Händlerforums waren, sondern der Bergkristall-Verarbeitung dienten und auch als Arbeiterunterkünfte genutzt wurden, worauf der Einbau von Hypokausten-Heizungen hinweist.

In der im Vorjahr teilweise freigelegten, ältesten Baustruktur an der Westseite des Forums fanden sich zahlreiche Hinweise auf Eisenverarbeitung, weshalb angenommen wird, dass sich hier eine während des Baus des Forums benötigte Werkstätte befand. Auf dem ältesten Gehniveau fand sich eine keltische Kleinsilbermünze – der erste derartige Fund im Forum.

Die jüngsten Grabungskampagnen brachten Klarheit über die Bauabfolge des Händlerforums. Demnach wurden zunächst große Räume im Norden errichtet und erst in einem zweiten Schritt der südliche Baukomplex angefügt. Im Westflügel, in dem etwa 100 Jahre lang nur kleine, mit Lehmböden und einfachen Heizstellen ausgestattete Räume genutzt wurden, erfolgt später die Vergrößerung der Räume, die dann Mörtelestrichböden und teilweise auch Hypokaustanlagen erhielten.

Weitere Umbauten fanden offenbar nicht mehr statt, bis das gesamte Bauwerk Mitte de 3. Jhd. n.Chr. einem Schadbrand zum Opfer fiel und nicht mehr instandgesetzt und somit aufgegeben wurde. Im Gegensatz dazu wurde das westlich gelegen Verwaltungsgebäude – aufgrund der hochwertigen Ausstattung als „Prunkbau“ bezeichnet – noch längere Zeit genutzt.

In Vorbereitung der nächstjährigen Untersuchung dieses Gebäudes fanden bereits Abbaggerungen des Schwemm-Materials und die oberflächliche Freilegung des östlichen Gebäudeteiles statt. Im Schutt des Verwaltungsgebäudes fanden sich zahlreiche Fragmente von Bronzeleisten, deren Funktion bislang noch nicht abschließend geklärt wurde.

Abgesehen von den seitens der Archäolog:innen mit Spannung erwarteten Grabungen in diesem Bereich erfolgt nächstes Jahres der Abschluss der Mauersanierungen im Forum. Mit dem Bundesdenkmalamt ist eine Präsentation für 26. September 2025 geplant.

Vollständiger Grabungsbericht zum Download

 

Text: Redaktion, Fotos: Museum Aguntum

18. Dezember 2024 um