„Osttirol Summits“: Bis zum höchsten Punkt jeder Osttiroler Gemeinde …

… wandert oder radelt, wer seine Touren nach Gabriel Seitlingers Buch „Osttirol Summits“ aussucht. Buchpräsentation am 20. April in der Buchhandlung TYROLIA in Lienz.

In seinem Buch „Salzburgs Summits“ hat Gabriel Seitlinger im Jahr 2019 die höchsten Punkte aller 119 Salzburger Gemeinden sowie dazu passende Wander-, Rad- und Skitouren beschrieben. Der große Erfolg der Publikation veranlasste den Geografen, Raumplaner und Gletschervermesser aus dem Pinzgau, ein Folgeprojekt über die höchsten Punkte aller 33 Osttiroler Gemeinden zu starten. „Bis auf den Großglockner und Großvenediger war der Bezirk Lienz ein weißer Fleck auf meiner bergsteigerischen Mental map. Mein Bergkamerad Dietmar Steiner, der aus Matrei i.O. stammt und jetzt wie ich in Zell am See lebt, hat mir immer wieder von seinen geliebten Osttiroler Bergen erzählt. Ich habe ihn gebeten, mich bei meinem neuen Projekt zu unterstützen. Er war sofort Feuer und Flamme. So habe ich das Buchprojekt dem Verlag Anton Pustet vorgestellt“, berichtet Seitlinger.

 

Spektakuläre Abfahrt von der Großen Keilspitze (2.738 m), höchster Punkt im Gemeindegebiet von Lavant, durch die Keilspitzrinne. Im Hintergrund die Grubenspitze (2.671 m). Foto: Ingemar Wibmer

 

Der Verlag zeigte sich über „Osttirol Summits“ hocherfreut – und so ging es an die Arbeit. In einem ersten Schritt identifizierte Seitlinger die höchsten Punkte aller 33 Osttiroler Gemeinden über die TIRIS-Datenbank des Landes Tirol. „Als Grundlage dienten die neuesten Orthofotos, die digitalen Gemeindegrenzen sowie die auf den Zentimeter genauen Höhenangaben der Airborne-Laserscan-Daten. Bei einigen Summits war das genaue Auffinden in der Natur nur mit GPS-Koordinaten möglich“, informiert er und verweist darauf, dass die höchsten Punkte jeder Gemeinde keineswegs immer Berggipfel sind. „Der höchste Punkt der Bezirkshauptstadt Lienz befindet sich beispielsweise auf 2.037 Metern Seehöhe zwischen Hochsteinhütte und Hochstein. Eine Geländenische am Zettersfeld ist mit 2.140 Metern der höchste Punkt der Gemeinde Gaimberg.“

 

Der höchste Punkt der Stadtgemeinde Lienz liegt zwischen Hochsteinhütte und Hochstein.

 

Etwa ein Jahr dauerte die laut Seitlinger „äußerst lustvolle Feldarbeit“. „Beginnend mit der Überschreitung des Hochschobers – im Gipfelbereich befindet sich auf 3.241 Metern der höchste Punkt der Gemeinden Ainet und Nußdorf-Debant – erwanderten wir nahezu alle höchsten Punkte der 33 Osttiroler Gemeinden. Mir war es wichtig, dass man bei jedem Summit vom jeweiligen Gemeindegebiet aus startet. Das ist bei Touren nicht immer der Fall. Man beginnt oft in einer bestimmten Gemeinde, und der Gipfel liegt in der Nachbargemeinde. So ergaben sich einige Touren mit untypischen Startorten – z.B. Oberlienz/Glanz für die Hintere Lavantspitze. Die Rötspitze – höchster Punkt der Gemeinde St. Jakob i.D. – bestiegen wir nicht über das Virgental und die Clarahütte, sondern wir wählten die überaus lange Tour über die Jagdhausalmen. Nur so konnten wir auch im Gemeindegebiet von St. Jakob unsere Tour beginnen.“

 

Im Gipfelbereich des Eggenkofels liegt der höchste Punkt von Untertilliach. Dabei handelt es sich allerdings nicht um den höchsten Punkt des Gebirgsstockes, auf dem Gabriel Seitlinger steht (Gemeindegebiet Assling), und auch nicht um den Punkt, auf dem sich das Gipfelkreuz befindet, sondern liegt dieser leicht rechts der Bildmitte. Foto: Matthäus Grabner

 

Insgesamt 31 Wander- oder Bergtouren, 16 kombinierte Berg- und Mountainbike-Touren sowie 14 Skitouren sind in dem neuen Buch aufgelistet. „Auf dem Karnischen Höhenweg haben wir in drei Tagen vier Summits erwandert, nämlich die höchsten Punkte von Sillian (Hollbrucker Spitze), Heinfels (Hollbrucker Egg), Kartitsch (Große Kinigat) und Obertilliach (Porze). Wichtig war uns, bei Touren, bei denen es vernünftig und praktikabel erschien, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.“

 

Der Hohe Eichham ist mit 3.371 Metern der höchste Punkt im Gemeindegebiet von Virgen. Foto: Ingemar Wibmer

 

Über 6.000 Fotos mussten gesichtet und sortiert werden. „Viele der besonders schönen Bergfotos hat mir der begnadete Osttiroler Hobbyfotograf und Bergsportler Ingemar Wibmer zur Verfügung gestellt. Jede Tour habe ich nach der international üblichen Skala des Schweizer Alpenclubs nach bestem Wissen und Gewissen bewertet.“ Der höchste Osttiroler Summit ist natürlich der Großglockner, mit 3.798 Metern höchster Punkt von Kals und gleichzeitig von ganz Österreich, der niedrigste Summit ist jener von Lienz (2.037 m).

 

Der Großglockner ist mit seinen 3.798 Metern der höchste Punkt von Kals und auch von ganz Österreich. Foto: Ingemar Wibmer

 

Für die 33 Osttiroler Gemeinden gibt es übrigens nur 29 Summits, vier davon sind Doppelsummits – also höchste Punkte von zwei Gemeinden (der Großvenediger für Prägraten und Matrei, der Hochschober für Ainet und Nußdorf-Debant, die Weiße Spitze für St. Veit i.D. und Innervillgraten sowie der Spitzkofel für Leisach und Amlach). Der westlichste Summit ist die Rötspitze (St. Jakob i.D.), der nördlichste der Großvenediger (Prägraten und Matrei), der östlichste der Gipfelbereich des Hochstadel (Nikolsdorf) und der südlichste die Porze (Obertilliach).

 

Skitour auf die Hochgrabe, mit 2.951 Metern Seehöhe der höchste Punkt im Gemeindegebiet von Außervillgraten. Foto: Gabriel Seitlinger

 

„Der Hochgebirgscharakter von Osttirol zeigt sich auch darin, dass kein einziger Gemeindesummit niedriger als 2.000 Meter ist. Diese Eigenschaft teilt sich der Bezirk Lienz nur mit einem weiteren der insgesamt 79 österreichischen Bezirke und 15 Statutarstädte, nämlich mit der Stadtgemeinde Innsbruck“, so Seitlinger. Ein weiteres interessantes Detail ist, dass zehn Gemeinden – also fast ein Drittel – Nationalparkgemeinden sind, also Teile des Gemeindegebietes Anteil am Nationalpark Hohe Tauern haben. Keine dieser Gemeinden ist jedoch Mitglied bei der alpenweiten Initiative „Bergsteigerdörfer“.

 

Die Große Sandspitze ist mit 2.770 Metern der höchste Punkt von Tristach. Foto: Ingemar Wibmer

 

„Mit Untertilliach, Obertilliach, Kartitsch, Innervillgraten und Außervillgraten liegen alle fünf Osttiroler Bergsteigerdörfer im Oberland. Die Gemeinde Assling sticht durch die größte Anzahl an Summits an ihren Gemeindegrenzen hervor. So liegt nicht nur der Summit von Assling selbst, die Kreuzgruppe, an der Gemeindegrenze, sondern auch die Summits von Schlaiten (Bockstein), Untertilliach (Eggenkofel), Oberlienz (Hintere Lavantspitze) und Lienz (östlich des Hochsteins)“, nennt Gabriel Seitlinger abschließend weitere spannende Details.

 

Osttirol Summits – Wandern, Radeln, Skibergsteigen
Verlag Anton Pustet
192 Seiten
ISBN 978-3-7025-1054-1
24 Euro

Gabriel Seitlinger präsentiert das Buch am Mittwoch, 20. April 2022, um 19.00 Uhr, in der Buchhandlung TYROLIA in Lienz.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Ingemar Wibmer, Gabriel Seitlinger, Matthäus Grabner

15. April 2022 um