„Ortsgespräch” rückte frühchristliche „Bischofskirche“ von Lavant in den Fokus

Das bedeutende frühchristliche Baudenkmal am Lavanter Kirchbichl wurde von 2017 bis 2022 um 318.000 Euro restauriert. Nun wurden die Ergebnisse präsentiert.

Die in den Jahren 1950 bis 1955 unter der Leitung von Franz Miltner vom Österreichischen Archäologischen Institut freigelegte Kirchenanlage auf dem Lavanter Kirchbichl zählt zu den bedeutendsten frühchristlichen Baudenkmalen Österreichs. Ausgelöst durch Schäden am Bestand wurde das Denkmal zwischen 2017 und 2022 einer umfassenden Neukonservierung und Nachuntersuchung unterzogen. Das Bundesdenkmalamt, das Land Tirol, die Gemeinde Lavant und die Universität Innsbruck luden am Freitag, 12. Mai, zu einem „Ortsgespräch“, bei dem die Ergebnisse präsentiert wurden.

„Der Lavanter Kirchbichl mit seiner fast 4.000 Jahre in die Jungsteinzeit zurückreichenden Geschichte und das dazugehörige religiöse und kulturelle Ensemble haben wichtige kulturhistorische Bedeutung für das Land Tirol und weit darüber hinaus. Mit der in den vergangenen sechs Jahren durchgeführten Restaurierung und Neukonservierung der Bischofskirche wurde der Lavanter Kirchbichl noch einmal bedeutend aufgewertet. Das Land Tirol als Eigentümer hat einen Großteil der Finanzierung übernommen, und wir bedanken uns auch bei der Universität Innsbruck und beim Bundesdenkmalamt für die umfassende Unterstützung des Projektes“, so der Lavanter Bürgermeister Oswald Kuenz einleitend.

 

 

Dr. Martin Auer vom Institut für Archäologien an der Universität Innsbruck stellte die archäologische Seite und die Arbeitsweise des jüngsten Restaurierungsprojektes vor. „Neben der so genannten Bischofskirche entdeckte Franz Miltner bei seinen Grabungen 1948 bis 1956 auch zahlreiche spätantike Wohngebäude. Nach Abschluss der ersten Ausgrabungen präsentierte man die Baureste als Freilichtmuseum. Zu Beginn der 2000er-Jahre waren Mauerwerk und Marmorbauteile so stark beschädigt, dass eine Restaurierung der Gesamtanlage unumgänglich wurde.“

Nach einer längeren Planungsphase wurden die Restaurierungsarbeiten 2017 in Angriff genommen und 2022 fertiggestellt. Neben den archäologischen Begleituntersuchungen widmete sich ein eigener Projektteil der 3D-Dokumentation der Marmorwerksteine. Eine wissenschaftliche Neubewertung der Marmorausstattung rundete das Maßnahmenpaket ab.

 

v.l.n.r.: DI Walter Hauser (Bundesdenkmalamt, Landeskonservator von Tirol), Dr. Christoph Bazil (Präsident des Bundesdenkmalamtes), Bgm. Oswald Kuenz, Dr. Martin Auer (Institut für Archäologien an der Universität Innsbruck)

 

„Die erste Kirche hatte die Form eines geosteten rechteckigen Saalbaus mit Narthex (Vorhalle) im Westen. Am Südosteck errichtete man eine Grabkammer, die wahrscheinlich das Grab des Kirchenstifters enthielt. In der zweiten Phase kam es zum Anbau einer Apsis an der Ostseite. Die Apsis dürfte ursprünglich mit einem Mosaikboden ausgestattet gewesen sein, wie zahlreiche Mosaiksteine im zugehörigen Bauschutt bezeugen. In der dritten Bauphase wurde die gesamte Anlage deutlich umgestaltet. Die Apsis wurde abgetragen und statt ihr über einer massiven Geländeaufschüttung die Memorialkirche in ihrer heute sichtbaren Form errichtet“, informierte Auer.

Funde – insbesondere Münzen – unterhalb der ältesten Fußböden belegen, dass die erste Kirche in das späteste 4. oder frühe 5. Jahrhundert n. Chr. zu datieren ist. „Die Doppelkirche wird bis weit in das 6. Jahrhundert n. Chr. in Gebrauch gewesen sein, worauf vor allem die vergleichende stilistische Analyse der Marmorbauteile hinweist. Ein 2022 in der Nordwestecke der Narthex entdecktes Grab ist wohl erst nach einem Brand in der Kirche angelegt worden. Die noch ausstehende Radiokohlenstoffdatierung des Skeletts lässt neue Daten zum Ende der Nutzung der Kirche erwarten“, so Auer.

 

 

Im Zuge Restaurierungsprojektes wurden die Zementverfugungen am antiken Mauerwerk entfernt und durch naturhydraulischen Kalkmörtel mit Weißzementzuschlag ersetzt. „Der nicht mehr tragfähige Mauerkern wurde mit Kalkmörtel gebunden. Die jüngste Priesterbank in der Hauptkirche musste abgetragen und neu ausgeführt werden. An der Priesterbank in der Memorialkirche wurden unrichtige Rekonstruktionen entfernt“, erklärte Auer.

Man ist nun auch davon abgerückt, mehre Bauphasen zu zeigen, denn gerade im Bereich des Presbyteriums der Hauptkirche erschwerte dies die Lesbarkeit erheblich. „Durch die Reduktion auf den jüngsten Bau- bzw. Ruinenzustand (Phase 4) entsteht ein homogenes Gesamtbild. Zugleich sind die baulichen Reste der Vorgängerbauten vor Witterungseinflüssen und mechanischer Abnutzung geschützt. Einzig die Apsis der Hauptkirche (Phase 2) ist im Boden durch einen leicht erhöhten Schotterstreifen kenntlich gemacht, der sich aber in Bälde im Grasbewuchs verlieren wird. Die antiken Bodenoberflächen sind ebenso wie die Mauerkronen begrünt, wodurch sich eine ästhetisch reizvolle Einbindung der Ruine in den spektakulären Landschaftsraum ergibt“, so Auer.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

15. Mai 2023 um