Narrengilde Sillian versucht, ihren Faschingsumzug doch noch zu „retten“
Die Narrengilde Sillian wartet noch immer auf eine Genehmigung für den Umzug am heurigen Faschingsdienstag. Nun wurde die Öffentlichkeit über die Entwicklungen informiert.
Prall gefüllt war der Kultursaal Sillian am Mittwochabend, 1. Feber. Sogar Eltern mit ihren Kindern folgten der Einladung zur „öffentlichen Pressekonferenz“. „Seit beinahe einem Jahr ist die Narrengilde Sillian der Willkür der Behörde ausgesetzt. Diesbezüglich sind bereits mehrere strafrechtliche Verfahren anhängig, über welche wir Sie in Kenntnis setzen wollen“, hieß es in der Einladung an die Medienvertreter.
„Der Faschingsumzug im Vorjahr wurde von uns abgesagt. Trotzdem gibt es strafrechtliche Verfahren, und wir haben mit bürokratischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Für die Abhaltung des Faschingsumzuges u.a. entlang der B 100 warten wir seit unserem Ansuchen am 7. Oktober 2022 vergeblich auf die Genehmigung, wobei diese laut Auskunft der Polizeiinspektion Sillian im Auftrag der BH Lienz auf Auflagen beruht, die nicht umsetzbar sind“, informierte Juliana Pradella-Pichler, Obfrau der Narrengilde Sillian, eingangs.
Der Sillianer Faschingsumzug führt traditionell zunächst über die B 100 und dann über die Gemeindestraßen. Dabei wird immer abgewartet, bis der Postbus von Lienz nach Innsbruck um ca. 14.55 Uhr die Straße im Ortszentrum passiert, und die B 100 ist dann in diesem Bereich ca. eine Stunde – also bis 16.00 Uhr – durch den Faschingsumzug blockiert.
„Es hat bis zum Vorjahr nie irgendwelche Schwierigkeiten gegeben und auch keine Zwischenfälle. Ich muss hier wirklich von Schikanen sprechen. Am Faschingsdienstag 2022 sind einige Narren trotz Absage des Faschingsumzuges durch Sillian gezogen. 30 bis 40 Personen wurden angezeigt, weil sie anscheinend die B 100 nicht ordnungsgemäß passiert haben, wobei bemerkenswert ist, dass die Anzeigen von der Bezirkshauptmannschaft erstattet und die betreffenden Personen anscheinend BH-intern ausfindig gemacht wurden“, informierte Otto Trauner von der Narrengilde.
v.l.n.r.: Arthur Bucher, Otto Trauner, Obfrau Juliana Pradella-Pichler, Franziska Hopfgartner
Jedenfalls hat die Narrengilde bei der BH Lienz am 7. Oktober 2022 um Genehmigung des Faschingsumzuges auf der gewohnten Strecke und Benützung der B 100 von 14.55 bis 16.00 Uhr angesucht und bis heute keine Antwort erhalten. „Die Polizeiinspektion Sillian hat uns am 24. Jänner 2023 mitgeteilt, dass die B 100 von den Faschingswägen benutzt werden kann, wenn diese der StVO entsprechen. Fahren die Wägen nur über Gemeindestraßen, müssen sie nicht der StVO entsprechen. Etwaige Verfehlungen würden durch die Polizeiinspektion Sillian geahndet werden. Ich war durch dieses Schreiben zunächst einmal demoralisiert. Am nächsten Tag dachte ich mir aber, wir lassen diejenigen entscheiden, durch die der Faschingsumzug in Sillian lebt – nämlich die beteiligten Gruppen und die Bevölkerung“, so Trauner.
Am 30. Jänner fand eine Sitzung aller beteiligten Gruppen statt. „Wir haben über die aktuelle Situation und Lösungsansätze diskutiert. Schließlich gab es eine Abstimmung über drei Varianten: Absage des Faschingsumzuges, Führung des Umzuges innerörtlich über Gemeindestraßen und schließlich Führung des Umzuges wie immer teilweise über die B 100. Die letztgenannte Variante hat 100 % Zustimmung erhalten, die anderen beiden Varianten null Prozent“, erklärte Trauner.
Außerdem bekam die Narrengilde den Auftrag, eine öffentliche Pressekonferenz am 1. Feber abzuhalten, um auch die Öffentlichkeit über die Geschehnisse zu informieren, eine ehest mögliche Bewilligung des Faschingsumzuges 2023 bei der Behörde zu erwirken und eine nachhaltige Lösung für die nächsten Jahre einzufordern. „Bei der Postbus AG, dem VVT und dem Baubezirksamt Lienz haben wir schon im Vorfeld nachgefragt, ob unser Faschingsumzug in der traditionellen Form stattfinden kann. Es wurden von diesen Stellen keine Einwände erhoben“, informierte Trauer.

Anschließend wurde zu Wortmeldungen eingeladen. Es meldete sich nur Bgm. Franz Schneider: „Die Marktgemeinde steht natürlich hinter dem Faschingsumzug. Ich schlage vor, dass sich alle Beteiligten noch einmal zusammensetzen, um eine Regelung zu finden. Man muss die Behörde auch verstehen.“
Jedenfalls ist die Narrengilde nun unter Zeitdruck. „Heute in drei Wochen ist Aschermittwoch und der Fasching schon vorbei. Es gibt viel zu tun. Seit 1881 gibt es in Sillian Faschingsveranstaltungen und Umzüge. Die Sillianerinnen und Sillianer arbeiten immer mit großer Begeisterung, um einen tollen Faschingsumzug zustande zu bringen. Und dass die Bevölkerung hinter dem Umzug steht, zeigt das Interesse an der heutigen Veranstaltungen – sogar Kindergartenkinder sind gekommen. 365 Tage im Jahr rollt der Verkehr 24 Stunden über die B 100 durch Sillian. Da muss es doch möglich sein, dass die Straße eine Stunde im Jahr durch einen Faschingsumzug blockiert ist“, hielt Otto Trauner abschließend fest.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute