Meterhoher Schnee in Osttirol: Dramatische Lage auch für Wildtiere
Die Schneemassen stellen das Wild und die Jäger derzeit vor große Herausforderungen. Die Tiere brauchen momentan vor allem Ruhe. Daher ist es wichtig, Rücksicht zu nehmen.
„Die meterhohen Schneemengen versperren dem Wild die Fluchtwege. Jetzt zeigt sich einmal mehr, wie wichtig Wildruhezonen im Winter wären. Eine Gams verbraucht auf der Flucht etwa 7 Mal so viel Energie wie im Normalzustand, bei der Flucht durch brusthohen Schnee sogar 15 Mal so viel. Längere oder häufigere Flucht durch hohen Schnee kann gerade für junge oder schwächere Tiere den Tod bedeuten“, erklärt Landesjägermeister Anton Larcher.
Für Wildtiere sei daher momentan Ruhe am wichtigsten. Ein sicherer Hinweis auf einen Wintereinstand ist das gehäufte Vorkommen von Wildfährten im Schnee. Wildeinstände und Fütterungsbereiche sollen unbedingt großräumig umgangen werden. Da die angestammten Überwinterungsgebiete vom Menschen verbaut und besetzt wurden, brauchen gerade Rehe und Hirsche jetzt die Winterfütterung und ausreichend Ruhe im umliegenden Gebiet. So werden Schäden im Wald und insbesondere auch Tierleid vermieden. „Helfen Sie mit und drehen Sie an Fütterungen um, informieren Sie sich über Routen und meiden Sie eingezeichnete und beschilderte Schutzzonen“, appelliert der Landesjägermeister an die Freizeitsportler.
Wildfütterungen werden freigeschaufelt, damit das Wild zur Fütterung kommt.
Richtiges Verhalten im Winter
Wer auf ein Wildtier trifft, soll es nicht verfolgen oder verscheuchen, sondern stehen bleiben und ruhig warten, bis es abgezogen ist. Kontaktieren Sie die Jägerschaft, wenn ein Wildtier auf Hilfe angewiesen ist. Auch Wildtiere versuchen momentan, sich möglichst einfach Wege zu bahnen und sind häufiger auf Forstwegen oder -straßen anzutreffen.
Bei Sperrungen gibt die Jägerschaft gerne Auskunft zu naturverträglichen Alternativrouten. Jeder Jäger freut sich über Interesse an rücksichtsvoller Tourenplanung. Das Projekt „Bergwelt Tirol – Miteinander erleben“ des Landes Tirol bietet zahlreiche Informationen zu Schutzgütern im Bergwald und zu naturverträglicher Ausübung von Wintersport. Für die Freihaltung von Reh- und Rotwildfütterungen ist die Jägerschaft momentan intensiv im Einsatz – oft unter nicht ungefährlichen Bedingungen. Die Fütterungen für Reh- und Rotwild müssen täglich frisch aufgefüllt werden.
Damit die Rehe noch zur Fütterung kommen, schaufelt der Kalser Jäger Markus Wibmer täglich die Fütterungen frei. Eingeschneite Rehe sind immer wieder aus dem Tiefschnee zu befreien. „Ich wurde verständigt, dass Rehe in der Nähe einer Fütterung gesehen worden sind und bin hingefahren, um den Weg zur 1 km entfernten Fütterung freizuschaufeln. Die Geiß ist mir vorsichtig gefolgt und bald darauf kamen auch die Kitze nach“, berichtet Wibmer.
Das Privatvideo von Cornelia Mariner zeigt, wie Rotwild in Virgen auf der Flucht vor dem Schnee bis in den Siedlungsraum vordringt.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Markus Wibmer, Penz, Video: Cornelia Mariner