Lienz: Schloss Bruck startet mit Fest und Gerhard Haderer in die Sommersaison

Zum Saisonstart am 3. Juni kommt Karikaturist Gerhard Haderer nach Lienz. Er wird in der Sonderausstellung „KOSMOS“ mit 80 seiner Werke die Besucher*innen unterhalten und verzaubern.

Es war nicht gerade ruhig in den letzten Wochen auf Schloss Bruck. Mit dem „Totentanz“ durfte ein sensationeller Neuzugang in die Sammlung Egger-Lienz gefeiert werden. Es galt, drei neue Ausstellungen vorzubereiten, während sich zeitgleich schon die ersten Liebenden in der Schlosskapelle das Ja-Wort gaben. „Und nicht selten durchbrach ein schallendes Gelächter das emsige Treiben“, erzählt Museumsleiter Stefan Weis. Der Grund dafür ist klar – immer wieder hatten das Aufbauteam, die Restauratorin und die Mitarbeiter*innen einen Blick auf die Bilder Gerhard Haderers erhascht.

 

Der Oberösterreicher Gerhard Haderer ist ein Meister der spitzen Feder und des feinen Pinselstriches. Foto: Immanuel Gfall

 

1985 veröffentlichte Gerhard Haderer seine erste Karikatur. Seither finden sich seine humorvollen und zugleich schonungslosen Darstellungen in Magazinen wie „Stern“ oder „Profil“ oder auch im hauseigenen Projekt MOFF, das er gemeinsam mit Sohn Christoph und Schwiegertochter Julia im „Scherz & Schund-Verlag“ herausgibt – „ein feines Schundheftl“, wie er selbst meint.

Seit 40 Jahren geht Gerhard Haderer mit dem Blick eines Karikaturisten durch die Welt, dessen moralischer Kompass sehr fein justiert ist. Kein schöner Schein blendet ihn, in Worten sieht er Taten, das Grauen hinter der Idylle. Mit seinen Zeichnungen übt er aber nicht nur Kritik an für ihn notwendigen Stellen, mit dem Humor lässt er auch hin und wieder Dampf ab. „Ehe ich es nicht mehr aushalte, fange ich an zu zeichnen. Die Alternative wäre ja nur, radikal zu werden, in die Politik zu gehen oder noch schlimmere Sachen, aber das scheidet aus für mich“, meinte er schon augenzwinkernd im Gespräch mit Mona Horncastle, deren Interview die Werke Haderers im diesjährigen Ausstellungskatalog umrahmt.

 

Das Werk „Reini“ aus dem Jahr 2016. Foto: Gerhard Haderer

 

Am Freitag, 3. Juni, wird die Saison mit der Vernissage der Sonderausstellung „KOSMOS“ um 19.00 Uhr eröffnet (Voranmeldung notwendig). Am Samstag, 4. Juni, steht Schloss Bruck ab 10.00 Uhr für alle Besucher*innen offen. Zu sehen gibt es dann aber nicht nur die Karikaturen Gerhard Haderers. Im Rahmen der Sammlung Egger-Lienz wirft das Museum auch einen Blick auf den ersten Lehrer des jungen Albin, Hugo Engl. Dieser fand mit 17 Jahren Aufnahme an der „Bayerischen Akademie der Bildenden Künste“ in München. In den frühen 1880ern wurde Engl, der mit Albin Eggers Vater befreundet war, zum Mentor und Vorbild des jungen Künstlers. Er war es auch, der bei Georg Egger den letzten Ausschlag gab, den Sohn nach München an die Akademie zu schicken.

Hugo Engl übersiedelte 1906 nach Nordtirol und war zu seiner Zeit durch die Ausschmückung von Ludwig-Ganghofer-Romanen überaus bekannt. Er bewies sich aber auch als ausgezeichneter Genre- und Landschaftsmaler. Mit Werken aus dem eigenen Bestand und ausgewählten Leihgaben wird dem Osttiroler Maler nachgespürt.

Die dritte Werkschau der Saison, die von Eleonora Bliem-Scolari kuratierte Schau „Menschsein. Oswald Kollreider“, wird erst Mitte Juni eröffnet werden. Das Museum hat im Juni, September und Oktober von Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 16.00 Uhr, geöffnet, in der Hauptsaison täglich bis 18.00 Uhr.

 

Text: Redaktion, Fotos: Stefan Weis, Immanuel Gfall, Gerhard Haderer

25. Mai 2022 um