Eröffnung und Begegnungstag: Osttiroler stürmten ihr neues Bildungshaus
Diözesanbischof Hermann Glettler segnete die neuen Räumlichkeiten. Groß war die Freude über die Fertigstellung des Um- und Zubaus im Widum der Pfarre St. Andrä in Lienz.
Bischof Hermann Glettler hielt bei der Segnungsfeier am Freitag, 24. Mai, ein Plädoyer für eine tiefgehende und nachhaltige Bildung. „Was in diesem Basislager für Bildung angeboten wird, sind nicht Fastfood-Bildung, nicht billiges Entertainment, sondern anspruchsvolle Bildungstouren“, so der Bischof. Das Bildungshaus trage „mit Sicherheit dazu bei, dass das Leben für viele Menschen auch in Zukunft nach Zukunft schmeckt“, zeigte er sich überzeugt.

Das Bildungshaus Osttirol solle Treffpunkt und „Tankstelle“ für Geist und Seele sein und somit Nährboden für eine persönliche, spirituelle und soziale Entwicklung bieten, so der Bischof. Ebenso fungiere es als Servicestelle für regionale Bildungsformate und als „Zukunftswerkstatt“ für Kirche und Gesellschaft. Bischof Hermann sieht aktuell ein „grundsätzliches Bedürfnis nach solider Bildung angesichts einer Überdosis der täglich neu generierten Wissensmengen“. „Nicht wenige Menschen fühlen sich permanent überfordert, und die problematische Entwicklung beschleunigt sich“, so Glettler.

Die Anfälligkeit für banale Slogans und gefährliche Simplifizierungen seien die logische Folge. „Bildung hält dagegen – sie versucht komplexe Sachverhalte und Fakten zu klären, historische und soziale Entwicklungen zu benennen und in ihren Folgen abzuwägen“. Im Gegensatz zur Künstlichen Intelligenz habe Bildung laut Glettler den Auftrag, „Dinge auseinanderzuhalten, zu sortieren, zu gewichten, zu ordnen“.

Das Angebot im Bildungshaus Osttirol werde thematisch breit aufgestellt sein und zum eigenständigen Lernen anregen, so der Bischof. „Es ist das erklärte Ziel, dass die Bildungsgäste dieses Haus mit dem Gefühl verlassen, für sich einen persönlichen Lernerfolg erzielt zu haben“. Mit noch größerer Begeisterung solle die Osttiroler Bevölkerung von „ihrem“ Bildungshaus sprechen.

Großer Dank für über 2.600 ehrenamtliche Stunden
Über 2.600 ehrenamtliche Stunden wurden im Rahmen des Umbaus geleistet. Besonders bedankt und durch Bischof Hermann Glettler geehrt wurden im Rahmen der Segensfeier der Pfarrkirchenrat der Pfarre St. Andrä, der die Bauherrenschaft für dieses einzigartige Projekt übernommen hat. Besonders hervorgehoben wurden Franz Fasching, Karl Lamp, Max Hippacher, Paul Meraner, Johannes Nemmert, Christian Zeiner und Peter Winkler. Andreas Fuetsch wurde als Einzelperson für seinen jahrzehntelangen und unermüdlichen Einsatz für die Pfarre und Koordination der Ehrenamtlichen am Bau geehrt.

Ohne den Verein Bildungshaus Osttirol würde es das Bildungshaus schon längst nicht mehr geben: Sie haben die Wichtigkeit für die Region erkannt und gestalten die Zukunftswerkstatt für Kirche, Gesellschaft und Region aktiv mit. Der Bischof ehrte daher auch den Vereinsvorstand: Obmann Erich Blaßnig, Bgm. Erika Rogl, Ingrid Wilhelmer, Barbara Pichler, Elisabeth Bachler, Andrea Hofmann. Mit der Ehrung verbunden war auch die Bitte, weiterhin mit Rat und Tat dem Bildungshaus Osttirol zur Seite zu stehen.

Begegnungstag: ein Fest der Gastfreundschaft und Bildung
Dass Gastfreundschaft und Bildung zur DNA der Diözese Innsbruck gehören, bewies der Begegnungstag des neuen Bildungshauses Osttirol eindrucksvoll: 1.200 Osttirolerinnen und Osttirol zeigten ihren Bildungshunger und Wissensdurst und folgten der Einladung zu einem Tag voller Inspiration und Gemeinschaft.

Ein musikalischer Brunch mit „Saxolution“ und das Eintauchen in digitale Bildungswelten boten einen genussvollen Start in den Tag. Es folgten Bildungshäppchen vom Allerfeinsten. Bei einem Espresso mit Osttiroler Persönlichkeiten wurden angeregte Gespräche geführt, während Kunstgespräche mit Benjamin Zanon die Gäste in den Inspirationsfluss der Bildung eintauchen ließen. Zanons Kunstwerk, das die Landschaft Osttirols symbolisch im Stiegenhaus des Bildungshauses verewigt, faszinierte die BesucherInnen.

Architekt Paul Senfter führte interessierte Gäste durch das Gebäude und gab Einblicke in die gelungene Verbindung des über 800 Jahren alten Gebäudes mit dem harmonischen Neubau, inklusive Veranstaltungstechnik vom Feinsten. Für die jüngsten BesucherInnen und ihre Familien gab es eine spannende Schatzsuche, die von der Krypta der Pfarrkirche bis in den Garten führte.

Ein eigens komponiertes Trommelstück und mitreißende Aufführungen von Modern African Dance sowie SeniorInnentanz brachten Schwung in die neuen Räumlichkeiten. Gänsehautmomente entstanden beim gemeinsamen Singen mit „Saiten Schwung“, als der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal in die Melodien einstimmte. Das Clownduo „Herbert und Mimi“ sorgte nicht nur für strahlende Kinderaugen, sondern für Lachmuskeltraining vom Allerfeinsten. Der DenkSportWeg forderte Geist und Körper gleichermaßen und ermöglichte den Gästen, sich auf spielerische Weise mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzen.

Begegnung, Begeisterung und Bildung standen den ganzen Tag über im Mittelpunkt. Den Höhepunkt bildete ein festlicher Gottesdienst mit Dekan Franz Troyer und der musikalischen Gestaltung durch den Chor „Cantarmonie“. Arnold Mettnitzer sorgte mit seinem Festvortrag „Leben aus Leidenschaft“ für spirituelle und lebenspraktische Stärkung. Die Standing Ovations der 330 TeilnehmerInnen galten nicht nur ihm, sondern auch dem engagierten haupt- und ehrenamtlichen Team des Bildungshauses Osttirol unter der Leitung von Monika Reindl, das diesen unvergesslichen Tag ermöglicht hat.

Angelika Stegmayr, Leiterin der Erwachsenenbildung der Diözese Innsbruck BILDUNG.gestalten, verglich in ihren Grußworten das neue Bildungshaus mit einem Kaugummi: „Sein Programm hilft beim Stressabbau und sorgt für Frische in Körper, Geist und Seele. Als Begegnungs- und Bildungsort soll es auch weiterhin die Menschen vernetzten und stärken, Diskussionen anzetteln und Denkanstöße bieten.“

Geplant wurde das neue Bildungshaus von Architekt DI Paul Senfter. Die Nutzfläche beläuft sich auf 500 Quadratmeter, die zum Teil von der Pfarre St. Andrä und dem Bildungshaus Osttirol gemeinsam genutzt werden. Moderne Räume sowohl im neuen Zubau als auch im jahrhundertealten Widum eignen sich für unterschiedliche Gruppengrößen bis hin zu 150 Personen.

Die Kosten für den Umbau beliefen sich auf rund 5,05 Mio. Euro. Den größten Einzelanteil davon – nämlich knapp 2 Mio. Euro – hat die Diözese Innsbruck übernommen. Weitere Geldgeber waren das Land Tirol, das Bundesdenkmalamt, die Landesgedächtnisstiftung sowie Gemeinden und Pfarren Osttirols.
Text: Redaktion, Fotos: dibk.at, Martin Lugger