Burg Heinfels öffnet ihre Pforten: 1. Museumstag am 15. Juli
Die Burg Heinfels ist das aufwändigste Restaurierungsprojekt der letzten Jahre in Tirol. Der Festakt zur Eröffnung soll am letzten Septemberwochenende stattfinden.
„Die für Anfang Juni festgesetzten Eröffnungsfeierlichkeiten mussten coronabedingt in den Herbst verschoben werden. Wir freuen uns aber sehr, dass wir am 15. Juli die ersten Besucher begrüßen dürfen. Der Festakt zur offiziellen Eröffnung wird dann am letzten Septemberwochenende nachgeholt“, berichtet Peter Leiter, der sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen vom Museumsverein seit mehr sechs Jahren um die Restaurierung der „Königin des Pustertales“ bemüht. Es war ein langer und steiniger Weg bis zur Eröffnung, und er ist noch nicht zu Ende. „Die Gastronomie mit Restaurant, Burgtaverne und Hotelbetrieb folgt in der zweiten Bauphase. In der Zwischenzeit versorgen wir die Burgbesucher in der kleine Burgschenke am Festplatz mit kleinen und großen Speisen, Getränken, Kaffee und Kuchen.“
Beim Aufstieg aus dem Tal sticht schon früh die lange Stiege ins Auge, die bis zur Ringmauer hinaufführt. Sie hat 119 Stufen und ist eine Rekonstruktion der alten Stiege. Diese diente von 1789 bis 1949 vor allem dem Pfarrer bzw. Kaplan von Heinfels als wintersicherer Zugang zur Kirche. Das Widum war damals in der Burg untergebracht. Foto: Peter Leiter
Die Burg wurde seit 2016 von Grund auf restauriert und in Stand gesetzt. Sie ist die weitläufigste Burganlage Osttirols und des Pustertales. Der Reiseschriftsteller Beda Weber bezeichnete Heinfels einst als „Königin, die in die Lüfte steigt“. Tatsächlich thront die Höhenburg auf einem markanten Felsen 1130 Meter über dem Meeresspiegel. Nun erstrahlt die Anlage in neuem Glanz und ist Sehenswürdigkeit, Museum und Veranstaltungsort zugleich.
Foto: Peter Leiter
Das Museum erstreckt sich über eine Innen- und Außenfläche im Ausmaß von rund 1.000 Quadratmetern und bietet ein Gesamterlebnis aus historischem Mauerwerk, herrlichen Ausblicken und lebendig aufbereiteter Geschichte. Enge Wehrgänge und Rundtürme folgen im Wechsel auf weite Rundumsichten. Moderne Architektur erschließt die Ruine und den höchsten Turm für Schwindelfreie.
Foto: Peter Leiter
Die Besucher werden von geschulten KulturvermittlerInnen durch die Burg geleitet. In jeder Burgkammer, jedem Saal wird ein Kapitel der bewegten Geschichte(n) von Burg Heinfels erzählt. Dabei kommen Burgmodelle, Film- und Audiostationen, Fotografien, originale Objekte und Animationen zum Einsatz. Die Zeitreise beginnt mit der Gründungssage, dem Kampf des legendären Riesen Haunold gegen die Hunnen. Sie führt über das alltägliche Leben in der Burg, die geopolitische Lage bis zur Erstürmung der Burg während der Bauernaufstände. Verfolgte wie die Hutterer – Anhänger einer Reformbewegung der Kirche – kommen ebenso zu Wort wie Thomas Hanns, der verurteilte Mörder der Köchin von Heinfels.
Foto: Peter Leiter
Der zentral gelegene Burg-Shop ist Startpunkt der geführten Besichtigungen und lädt zum Stöbern ein. Das markante Bauwerk im Eingangsbereich ist auf jeden Fall einen Besuch wert: Eine steil aufragende Felswand, die im Zuge der Bauarbeiten freigelegt wurde, vereint Natur mit moderner Architektur. Neben hochwertigen Kleinigkeiten zur Erinnerung ergänzen im Shop kreative Artikel aus den Bereichen Kultur, Kunsthandwerk sowie lokale Tradition das vielfältige Angebot.

Ein Highlight ist auch der Brunnen aus dem Mittelalter, in dessen Tiefe der sagenhafte Schatz der Burg Heinfels vermutet wird. „Im November 2018 haben wir den Brunnen ausgepumpt. Wir sind auf eine Tiefe von 8,80 Metern gestoßen und waren der Meinung, dass der Brunnen leer ist. Nach wenigen Monaten war aber wieder Wasser drinnen. Es fließt mit einer Art Gegendruck vom gegenüber liegenden Hang zur Burganlage. Nach dem physikalischen Prinzip der verbundenen Gefäße steht das Wasser immer gleich hoch. Der Brunnen geht auch nie über“, berichtet Leiter.
Foto: Peter Leiter
Alle Bau- und Sanierungsarbeiten wurden und werden in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz realisiert. „Die Materialien und Techniken mussten dem historischen Bau gerecht werden. Das gilt auch für die Zugangswege, die in relativ kurzer Zeit ausgepflastert wurden. Diese Wege sind ein gutes Beispiel dafür, wie schnell und professionell hier gearbeitet wurde. Zu über 90 Prozent haben wir übrigens heimische Firmen beschäftigt“, so Peter Leiter.
Die St. Laurentiuskapelle wurde bereits im Jahre 1331 erstmals urkundlich erwähnt. Sie vereint nach der aufwändigen Restaurierung Elemente neuer Architektur mit den zum Teil erhaltenen Fresken von Meister Leonhard von Brixen aus dem 15. Jahrhundert. Foto: Peter Leiter
Der Festplatz bietet Platz für Veranstaltungen bis zu 250 Personen. In den Innenräumlichkeiten, „Stadel“ und „Langer Saal“ können Events für jeweils 60 Personen stattfinden. „In der St. Laurentiuskapelle besteht die Möglichkeit, standesamtliche Hochzeiten und z.B. auch Jubiläen zu feiern. Für kirchliche Trauungen bietet sich die St. Peter und Pauls-Kirche unterhalb der Burg an. Wir freuen uns schon sehr auf die ersten Besucherinnen und Besucher am 15. Juli. Der Shop und die Burgschenke am Festplatz sind übrigens auch ohne Ticket frei zugänglich“, so Peter Leiter abschließend.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Museumsverein Burg Heinfels, Peter Leiter, Alexander Zeidler








