75. Jahrestag der Gründung der Zweiten Republik: ein Jubiläum im Zeichen der Corona-Krise
fanBeim Festakt zum Gedenken an das historische Ereignis vor 75 Jahren rückten heute die aktuelle Krise und deren Bewältigung in den Fokus.
Zum 75. Jahrestag der Gründung der Zweiten Republik versuchte Kanzler Sebastian Kurz den Österreichern heute Mut zu machen, dass Österreich „gestärkt” aus der Corona-Krise hervorgehen werde. Im Rahmen eines kleinen Festaktes versprach Kurz, alles zu tun, um die Freiheit so bald wie möglich zurückzugewinnen.
Zu Beginn seiner Rede verwies der Bundeskanzler darauf, dass das Republiksjubiläum in eine Zeit der Krise falle, „in der uns allen nicht wirklich zum Feiern zumute” sei. Er erinnerte an Auf- und Abs sowie verschiedene Krisen in der Zweiten Republik und sagte: „Aber wir sind als Österreich und als europäische Staatengemeinschaft aus all diesen Krisen gestärkt hervorgegangen. Und so wird es auch diesmal sein, da bin ich mir sicher.”
Kurz dankte allen, die den deutlichen Rückgang der Infektionszahlen möglich gemacht haben und ging auf die zahlreichen Probleme der Menschen und die Einschränkungen ein, um zu versprechen: „Genauso wie wir von Anfang an rasch und konsequent gehandelt haben, um das Virus einzudämmen, werden wir auch jetzt alles tun, um so bald wie möglich unsere Freiheit zurückzugewinnen.” Und weiter: „Schritt für Schritt werden wir so viel Normalität wie möglich zurückgewinnen, aber auch die Infektionszahlen so niedrig wie möglich halten.”
Der Erfolg in der Phase der Wiedereröffnung werde „auch wieder vom Beitrag eines jeden Einzelnen abhängen. Da die Regeln immer weniger werden, wird es vor allem auf eine Sache ankommen: unsere Eigenverantwortung.” Je mehr jeder auch bei der Rückkehr in den Alltag „weiterhin Abstand hält, Mund-Nasen-Schutz trägt und auf die Hygiene achtet, desto rascher und unbeschadeter werden wir voranschreiten können. Und zwar alle gemeinsam.“
Der Bundeskanzler verwies darauf, dass 14 Milliarden Euro an Hilfsmitteln bereits geflossen seien und versicherte: „Alle zuständigen Stellen arbeiten rund um die Uhr daran, dass die versprochene Hilfe überall dort ankommt, wo sie gebraucht wird.” Aber mit dieser Soforthilfe habe der Weg des Wiederaufbaus „erst begonnen”. Kurz versprach, in diesem und im kommenden Jahr alles daran zu setzen, den Wirtschaftsstandort zu seiner alten Stärke zurückzuführen. Und er sicherte auch zu, die Entlastung besonders für kleine und mittlere Gehälter „verstärken und beschleunigen” zu wollen.
Der Bundeskanzler stellte auch klar, dass man eine zweite Welle der Ansteckung nicht ausschließen könne. „Aber wir sind, Gott sei Dank, ein starkes Land. Und wir alle, wir Österreicherinnen und Österreicher, werden unseren bisher erfolgreichen Weg fortsetzen. Wenn es andere Länder schaffen können, dann wird es uns genauso gelingen”, zeigte sich Kurz optimistisch. Zum 75. Jahrestag der Zweiten Republik „können wir mit Stolz auf unser Land blicken und dankbar sein für all das, was in unserer Republik bisher erreicht wurde. Aber wir können auch mit Mut und Zuversicht vorausblicken auf all das, was wir gemeinsam noch erreichen können: Auf das Comeback für Österreich, an dem wir alle beteiligt sind.”
Begonnen hat die Regierung den 75. Jahrestag der Errichtung der Zweiten Republik mit einer Kranzniederlegung.
Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen legte einen Kranz nieder. In einer Aussendung sah er Österreich durch die Corona-Pandemie vor einer ihrer größten Herausforderungen seit ihrer Wiedererrichtung. Erstmals seit 75 Jahren seien Grundrechte wie das Recht auf Familienleben, die Versammlungsfreiheit, die Erwerbsfreiheit dramatisch eingeschränkt. „Wir alle wollen wieder in unser gewohntes Leben zurück. Und doch wissen wir, dass die Bekämpfung der Pandemie diesem Wunsch noch eine Weile entgegenstehen wird.” Er sei zuversichtlich, dass man gemeinsam die Corona-Krise und ihre wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, bildungs- und sportbezogenen Folgen bewältigen werden könne. „Wir sollten dies in einem europäischen Geist tun. Zusammenhalt, Miteinander und Solidarität, auch über Grenzen hinweg, sind eine wichtige Voraussetzung, um die Krise gut zu meistern”, betonte Van der Bellen. Der 27. April 1945 markiere die Wiedergeburt der demokratischen Republik Österreich. „Nach Jahren der nationalsozialistischen Diktatur, nach Holocaust und Krieg wurde damit der Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Zweiten Republik gelegt”, so der Bundespräsident.
Die Oppositionsparteien zogen an diesem Jahrestag ihre eigenen Schlüsse. Während SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner die Bedeutung eines funktionierenden Sozialstaats gerade in Zeiten der Krise ins Zentrum rückte, warnte FPÖ-Chef Norbert Hofer davor, dass die liberale Demokratie in Gefahr sei. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger erinnerte daran, dass man Krisen nur gemeinsam lösen könne.
Dieses Foto findet sich wohl in fast jedem österreichischen Zeitgeschichte-Schulbuch: die Mitglieder der provisorischen Regierung mit Staatskanzler Karl Renner an der Spitze am 29. April 1945 auf dem Weg vom Wiener Rathaus zum Parlament, gesäumt von einem Spalier jubelnder Menschen
Anlass des Gedenkens ist der 75. Jahrestag des 27. April 1945, an dem – noch vor der Kapitulation der Wehrmacht – mit der Unabhängigkeitserklärung von SPÖ, ÖVP und KPÖ die Geburt der Zweiten Republik eingeleitet wurde. Mit den Unterschriften der drei Parteivorsitzenden wurde der „Anschluss” an Nazi-Deutschland für null und nichtig und die Republik Österreich für wiederhergestellt erklärt. Außerdem wurde die Einsetzung einer provisorischen Staatsregierung beschlossen. Diese versammelte sich am 29.4.1945 unter Leitung von Dr. Karl Renner zu ihrer konstituierenden Sitzung im Wiener Rathaus.
Text: APA/Redaktion, Fotos: ExpaPictures, Österr. Nationalbibliothek