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LH Platter: „Tourismus hat noch viel Potenzial!“

In einem „Sommergespräch“ auf der Dolomitenhütte in Amlach nahm LH Günther Platter Freitagvormittag, 7. August 2015, zu aktuellen Themen im Bezirk Lienz Stellung.

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Landeshauptmann Günther Platter lud am Freitag, 7. August 2015, um 9.30 Uhr, die Osttiroler Medien zu einem Sommergespräch auf die Dolomitenhütte. „Ich war gestern auf der Karlsbaderhütte, wo ich auch meine Alpinausbildung bei der Polizei absolviert habe, und nach dem Sommergespräch werde ich zu einer Tour auf die Wangenitzseehütte mit Alpenvereins-Präsident Dr. Andreas Ermacora und Generalsekretär Robert Renzler aufbrechen“, leitete Platter das Gespräch ein. Danach nahm er zu aktuellen Themen – den Bezirk Osttirol und das gesamte Bundesland betreffend – Stellung. Hier ein Auszug:

Allgemeine Entwicklung des Bezirkes

Es gibt hier gute Betriebe und fleißige Menschen. Wir sind aber noch nicht da, wo wir hin wollen. In Osttirol gibt es immer noch eine im Vergleich zu Nordtirol recht hohe Arbeitslosigkeit, und viel zu viele Beschäftige müssen auspendeln. Meine Zielstrategie ist, dass sich Osttirol zu den stärksten Regionen Europas entwickelt. Dazu werden wir die Rahmenbedingungen mit einem Förderprogramm von insgesamt 70 Mio. Euro in den nächsten 5 Jahren schaffen. Vom EU-Regionalförderprogramm kommen in diesem Zeitraum ca. 40 Mio. Euro, dazu kommen die Wirtschaftsförderung und das regionalwirtschaftliche Rahmenprogramm im Zusammenhang mit Natura 2000 in Höhe von 10 Mio. Euro auf 10 Jahre.

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Tourismus

Mit der Entwicklung im Osttiroler Tourismus bin ich nicht zufrieden. Vor allem im Sommertourismus gibt es noch viel mehr Potenzial. Osttirol muss massiv beworben werden, dazu müssen wir den nächsten Gang einlegen. Ich erwarte mir dafür klare Konzepte der Osttirol Werbung.

Nationalpark

Der Nationalpark muss noch viel besser touristisch beworben werden. Dazu wird ein eigener touristischer Geschäftsführer angestellt werden, der klare Konzepte entwickeln soll. Dieser Mitarbeiter wird beim Nationalpark – und nicht etwa bei der Osttirol Werbung oder beim Tourismus – angesiedelt sein.

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Flüchtlinge

Mir ist es ein Anliegen, die Fragen in Zusammenhang mit den Flüchtlingsströmen ruhig zu koordinieren. Nach Wien und Niederösterreich mit Traiskirchen haben wir in Tirol am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Mir ist wichtig, dass wir zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen unterscheiden. Das muss endlich auch auf EU-Ebene erfolgen. In Innsbruck ist ein Verteilerzentrum geplant, und auch in Osttirol müssen weitere Plätze für Flüchtlinge geschaffen werden. Auf keinen Fall möchte ich diese Fragen parteipolitisch sehen. Die Innenministerin hat hier einen extrem schwierigen Job zu erledigen, für mich ist aber die gesamte Bundesregierung zuständig. Die gemeinnützige Arbeit der Asylwerber bei Gemeinden und anderen Organisationen funktioniert sehr gut, kann aber noch ausgebaut werden. Wichtig ist, dass diese Menschen auch Beschäftigung haben.

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Natura 2000 – Kraftwerkspläne

Ich sehe bei Natura 2000 für die Entwicklung der Täler keine Benachteiligungen. Wir werden hier eine offensive Strategie fahren, um die Menschen von den Chancen zu überzeugen. Im Lechtal wurden durch das regionalwirtschaftliche Förderprogramm 96 Mio. Euro an Investitionen ausgelöst. Das für die Iselregion geplante Förderprogramm in Höhe von 10 Mio. Euro für 10 Jahre mag vielen als zu gering dotiert erscheinen. Jetzt geht es aber darum, nicht primär an das Geld zu denken, sondern gemeinsam mit der Bevölkerung positive Projekte zu entwickeln. Mit den Bürgermeistern des Iseltales suche ich einen offenen Zugang und werde hier laufend Gespräche führen. In diesem Zusammenhang sind Kraftwerks-Debatten sicher nicht förderlich. Das Wasserkraftwerk Obere Isel im Virgental ist sehr schwer bis gar nicht umsetzbar – schon aufgrund des Kriterienkataloges. Auch wenn es keine Natura 2000-Nominierung der Isel gäbe, hätte dieses Kraftwerk wenig Chancen auf Umsetzung. Ob hier weitergeplant wird oder nicht, muss jede Gemeinde für sich selbst entscheiden.

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Felbertauernstraße

Mit der Planung und dem Bau der neuen Trasse nach dem großen Felssturz bin ich äußerst zufrieden. Auch die Ersatzstraße wurde in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Am 5. September 2015 wird es eine große Eröffnungsfeier geben. Für die Bewerbung der Felbertauernroute habe ich der Osttirol Werbung 300.000 Euro in Aussicht gestellt. Hier muss ein klares Konzept vorgelegt werden.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images