Vordenken: „Schätze der Natur begehbar machen!“

„Gästeerwartung und Urlaubsglück im Wandel“ war der Titel eines Vortrages zum Thema Veränderungen im Tourismus von FH-Prof. Mag. Hubert J. Siller.

Hubert J. Siller war viele Jahre Leiter der Abteilung Tourismus und Freizeitwirtschaft am Management Center Innsbruck. Die Arbeitsgemeinschaft „Vordenken für Osttirol“ und der Tourismusverband  konnten diesen Tourismus-Experten für einen Vortrag gewinnen. Am 19. April sprach er im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Wirtschaftskammer Lienz. Die Lebensphasen eines Menschen bestünden nunmehr aus sechs, statt bisher aus drei Abschnitten. Das verändere auch den Urlaubsgast und seine Erwartungen an eine Destination. Die so genannte „postindustrielle Biografie“ hätte den relativ einfachen Entwurf mit den Abschnitten Kindheit/Jugend, Erwerbsleben und Ruhestand abgelöst. Zum klassischen Modell käme eine Ausdehnung der Jugendlichkeit bis zum Alter von 29 Jahren, eine „Rush Hour“ zwischen 30 und 55 sowie ein „zweiter Aufbruch“. Weil das, was wir bis dato unter Ruhestand verstehen, viel später eintritt, komme es zu einer Veränderung der Werte – auch beim Reisen.

Hubert J. Siller: „Reisen ist ein zentraler Aspekt des Lebens. Es ist die Sehnsucht, sich aus dem Alltag zu lösen. Das macht den Gast zum Sammler von Informationen und Erlebnissen - und zum Genießer."

Hubert J. Siller: „Reisen ist ein zentraler Aspekt des Lebens. Es ist die Sehnsucht, sich aus dem Alltag zu lösen. Das macht den Gast zum Sammler von Informationen und Erlebnissen – und zum Genießer.“

Das mobile Internet mache den Gast von heute erfahrener, spontaner und informierter. Mit einem Klick könne er im Internet Vergleiche anstellen und gleichzeitig Bilder und Nachrichten als Urlaubsgrüße verschicken. Die „Gästebindung“ ist für Siller der „Fokus aufs Detail“. „Werden Erwartungshaltungen geweckt, die nicht erfüllt werden können, wird aus Urlaubsfreude rasch bittere Enttäuschung. Übertreibungen schaden nachhaltig“, so der Tourismus-Experte.

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Emotionale Berührungspunkte und Authentizität seien im Tourismus trotz der Technisierung von großer Bedeutung. „Regionales, Handgefertigtes und Eigenbau sind ein Gebot der Stunde. Überraschende Erlebnisse, von denen der Gast erzählen kann, sind ebenso wichtig. Urlaubsglück entsteht durch Aufmerksamkeit in den kleinen Dingen“, betonte Siller. Die Schätze der Osttiroler Natur müssten begehbar gemacht werden, um sie lebendig erfahren zu können. „Der Natur-Kraft-Weg Umbalfälle in Prägraten ist ein gutes Beispiel dafür. Das Ausnutzen von Möglichkeiten, die auf dem Internet basieren, hochwertige Infrastruktur und Liebe zum Detail sind besonders wichtig“, meinte er. Elementar sei aber vor allem eines: „Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können!“

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Text: Raimund Mühlburger, Fotos: TVBO/Isep

22. April 2016 um