Unternehmen Durst baut Hightech-Standort aus

Anfang April wurde in der neuen Durst-Halle in Lienz die Produktion aufgenommen. In den modernen Glas- und Stahlkomplex investierte das Unternehmen rd. 17 Millionen Euro.

Seit dem Jahre 1936 gehört das Südtiroler Unternehmen Durst bei der Herstellung von qualitativ hochwertigen Systemen für die Bildproduktion zu den weltweit führenden Anbietern. Durst leistete Pionierarbeit, um bessere und schnellere Verfahren für die Reproduktion von Großformaten zu entwickeln. Zu Beginn war das Unternehmen auf dem Gebiet der analogen Fototechnologie tätig und wechselte später in die digitale Laserbelichtung von Bilddaten. Durst gilt als eines der ersten Unternehmen, das den großformatigen Inkjet-Druck für die Foto- und Grafikindustrie entwickelte. Die Tintenstrahltechnologie wurde im Laufe der Zeit für eine Vielzahl industrieller Anwendungen weiterentwickelt. Deshalb versteht sich die Durst Phototechnik AG heute als Inkjet-Spezialist für industrielle Anwendungen.

Knapp 15 Jahre ist es her, seit die Firma Durst mit der feierlichen Eröffnung des damals 2 750 m² großen Produktionswerkes in Lienz die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung der Durst-Tochter Digital Technology GmbH am Standort in der Osttiroler Bezirkshauptstadt legte. Mit dem Einstieg in die Tintenstrahltechnologie und dem damit verbundenen Wachstumspotential war eine Erweiterung der Produktionskapazität notwendig geworden. Zwei Jahre später konnte man den ersten Hochleistungs-Inkjet-Drucker, den Rho 160, konzipiert für den flexiblen, industriellen Großformat-Digitaldruck im Bereich der Fotolabore, des Siebdruckes und der Druckindustrie am Markt einführen. In Lienz startete man im Jahre 2003 mit der Produktion und Markteinführung der ersten Eigenentwicklung, des Rho 205, eines reinen, zwei Meter breiten Inkjet-Flachbettdruckers. Zwei Jahre später verdoppelte Durst die Produktionsfläche in Lienz auf 5 600 m² und baute das Werk zum Hightech-Standort aus. Gleichzeitig mit den neuen Produktionshallen wurden auch ein Kunstpark, benannt nach dem Mitgründer der Firma Durst, Luis Oberrauch, sowie eine „Technische Akademie“ für Digitaldruck eröffnet. In dem neuen Gebäude fand die gesamte Produktionsstraße – von der Pre-Press-Vorbereitungsstation bis hin zur kompletten Stanz- und Biegeeinheit für digital bedruckte Verpackungen – Platz. In den angeschlossenen Schulungsräumlichkeiten werden Anwender aus aller Welt zum Digitaldrucker ausgebildet. 2006 präsentierte Durst mit Gamma 60 den weltweit ersten Inkjet-Drucker zum Bedrucken keramischer Wand- und Bodenfliesen. In Lienz setzte man 2010 mit der Einweihung eines neuen Forschungszentrums den nächsten Schritt. Im „Durst-Kristall“ beschäftigen sich seitdem hochqualifizierte MitarbeiterInnen mit der Grundlagenforschung für Inkjet-Anwendungen in den Bereichen Energietechnik, Life Science, Gesundheit und Sicherheitscodierung.

Im Jahre 2012 legte die Durst Digital Technology GmbH in unmittelbarer Anbindung an den bestehenden Firmenkomplex in Lienz den Grundstein für eine neue Halle, in der Anfang  April 2014 die Produktion aufgenommen werden konnte. In die Errichtung des innovativen Gebäudes, der insgesamt 4 200 ² umfasst, investierte Durst rd. 17 Millionen Euro. Das gesamte Projekt gliedert sich in drei Abschnitte: Eine Stahlkonstruktion bildet eine Brücke vom bestehenden Werksgelände über die Gemeindestraße hinweg zum Bauteil des Büro- und Verwaltungsgebäudes. Südlich an das Bürogebäude angrenzend ist der größte Bauteil situiert – die Werkshalle mit ca. 4 000 m². Der neue Durst-Komplex ist Sitz der Durst Industrial Inkjet Application GmbH (DIIA), einer 100%igen Tochter der Durst Digital Technology. Geschäftsführer der DIIA ist Dr. Richard Piock, der über zwei Jahrzehnte lang die Geschicke der gesamten Durst-Gruppe leitete und maßgeblich für die erfolgreiche Umstrukturierung des Unternehmens hin zu einem führenden Hersteller industrieller Inkjet-Technologien verantwortlich zeichnete.

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Mit Dr. Piock, seit Mai 2013 Präsident des Verwaltungsrates der Durst Phototechnik AG, führte Josef Hilgartner folgendes Gespräch.

Herr Dr. Piock, beim Errichten der Halle wurde großer Wert auf eine ökologisch nachhaltige Bauweise gelegt. Entspricht dies der Grundphilosophie Ihres Unternehmens?

Dr. Richard Piock: Es gehört zu unseren Grundsätzen, nachhaltig zu wirtschaften, d.h. auch an kommende Generationen zu denken und somit Ressourcen schonend zu bauen und zu arbeiten. Das gesamte energetische Konzept der neuen Halle ist auf eine sehr moderne und nachhaltige Bauweise ausgerichtet und folgt den Anforderungen des amerikanischen Zertifizierungsverfahrens „LEED“ mit dem Klimastandard „Gold“. Die Transparenz nach Norden wurde bewusst so konzipiert, um eine Sichtverbindung zum Bestand hin zu ermöglichen, den Kunden gleichzeitig aber auch den Bezug zum Inneren und den darin befindlichen Produkten zu eröffnen. Zu den umgesetzten energieeffizienten Maßnahmen zählen beispielsweise die Realisierung von Wärmepumpen, die Installierung eines Wärmerückgewinnungssystems, die Verwendung von natürlichen Dämm- und Baustoffen,  der Einsatz von Wassersparmodulen und LED-Lampen oder die Dreifachverglasung des in Form einer Glas-Stahlkonstruktion umgesetzten Gebäudes. Dafür haben wir Mehrkosten von rund 4 Millionen Euro in Kauf genommen, eine Investition, die wir aber – unserem Konzept für Osttirol als „nachhaltige Region“ entsprechend – als sinnvoll und zukunftsorientiert erachten.

Wie vielen Fachkräften wird die neue Halle ein Arbeitsumfeld bieten?

Dr. Richard Piock: Vorerst beschäftigen wir im Rahmen der Durst Industrial Inkjet Application GmbH 20 MitarbeiterInnen, deren Anzahl wir in den nächsten fünf Jahren auf rund 100 aufstocken möchten. In der reinen Fertigung arbeiten aktuell vier Fachkräfte, das Gros des Teams sind jedoch Entwicklungs- und Product-Manager. D.h. wir sichern vor allem hochqualifizierte Arbeitsplätze, was unserer Zielsetzung, möglichst wissensbasierte Produkte zu verkaufen, entspricht. Wir konnten dafür bereits auch einige Osttiroler in den Bezirk zurückholen, die vorher z.B. bei BMW in München oder bei AVL List in der Steiermark tätig waren.

Worauf ist die DIIA spezialisiert?

Die DIIA ist auf die Herstellung und den internationalen Vertrieb von industriellen Fertigungsstraßen zur intelligenten Oberflächenherstellung spezialisiert. Wir zielen auf vier Marktsegmente ab – auf Hightech-Geräte für das Bedrucken von Holz und Laminaten, für den Glasdruck (Fassadengläser), für den Bereich „Printed Electronics“, d.h. gedruckte Schaltungen, Leiterplatten und Sensoren, sowie für den Bereich Metallverpackung, beispielsweise also den Dosendruck. Die Gerätetypen für den Glasdruck und die Printed Electronics produziert die DIIA, während jene für den Metalldruck und für die Möbelindustrie Standardgeräte der Muttergesellschaft sind. In der neuen Halle erfolgt die Adaption nach Kundenwunsch inklusive Softwareintegration. Unsere Abnehmer sind u.a. große Industriebetriebe für Holz- oder Garagentüren, Hersteller von MDF-Platten oder Möbelproduzenten wie Hülster. Momentan wickeln wir große Aufträge wie jenen für ein russisches Möbelkombinat aus Krasnojarsk oder eine große Möbelfabrikat in der Türkei ab.

Danke für das Gespräch!

Text: J. Hilgartner, Fotos Martin Lugger

07. April 2014 um