Über Geschichte, Lebenswelt und Landschaft des Villgratentales
400 Seiten, 400 Bilder – vier Jahre lang arbeiteten Unternehmer und Schafbauer Josef Schett sowie Ethnologe Dr. Andreas Rauchegger am Buch „Villgrater Natur – Villgrater Kultur”.
„Für die Geschichte unserer Familie und jene des Villgratentales habe ich mich schon immer interessiert. Mein Großvater und meine Mutter wussten viel Interessantes aus der Vergangenheit zu erzählen. Als junger Bauer und Schafhirte hörte ich den Sennerinnen und Sennern zu, wenn sie abends auf der Alm von früheren Zeiten berichteten, und mit meinem Vater Franz unterhalte ich mich auch heute immer noch gerne über seine Sicht zu den Entwicklungen in unserem Tal und in der Landwirtschaft“, erzählt Josef Schett. Er hat im Laufe der Jahre seine eigene Hof- und Familiengeschichte niedergeschrieben und viele Informationen über das Villgratental zusammengetragen.

In Dr. Andreas Rauchegger fand Schett den idealen Partner, um die „alten Geschichten“ wissenschaftlich aufzubereiten. Der Abfaltersbacher studierte Europäische Ethnologie/Volkskunde sowie Politikwissenschaft und ist als Autor und Kurator für Kunst- und Kulturprojekte sowie als Mitarbeiter im Kunst- und Auktionshaus Innsbruck tätig. „Über das Villgratental wurde schon einiges erzählt, vieles aber auch noch nicht. Als Datenbasis für unser Buch haben wir originale Quellen verwendet und zusätzlich narrative Interviews mit Zeitzeugen geführt. Wichtig war uns, bereits Geschriebenes anhand von Primärquellen zu verifizieren“, so Rauchegger. Er selbst hat Artikel über das Ahrntal und seine drei Almdörfer Unterstaller Alm, Oberstaller Alm und Kamelisenalm, den Kulturraum Lahnberg und Hochberg, die Waldhöfe am Oberlahnberg sowie die Entwicklung des Tourismus im Villgratental verfasst. „Außerdem widme ich mich in meinen Beiträgen den Elementarereignissen im Tal und der Schaffenskraft der Handwerker – der Schmiede und Schneider, der Weber und Wollverarbeiter.“

Mit seinem Unternehmen „Villgrater Natur“ hat Josef Schett in Innervillgraten das zuvor beinahe ausgestorbene Handwerk der Wollverarbeitung erfolgreich reaktiviert. Als Bürgermeister, Tourismus-Funktionär und Abgeordneter zum Tiroler Landtag war es ihm ein Anliegen, den Fortschritt im Tal stets im Einklang mit der einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft zu forcieren. „Unberührt vom Tosen der touristisch erschlossenen Alpenwelt konserviert das Villgratental bis heute nahezu unverändert das ebenso beschauliche wie beschwerliche Dasein längst vergangener Zeiten – und das soll nach dem erklärten Willen seiner Bewohner auch so bleiben“, schreibt Jutta Poggensee im Klappentext des Buches treffend.

Andreas Rauchegger konnte auch weitere namhafte Autoren aus seinem Netzwerk für den wissenschaftlichen Aspekt des Buches gewinnen. Aus der Feder von Mag. Bernhard Flatscher stammen die „Bemerkungen zur Geschichte des hinteren Villgratentals“. Dr. Robert Perfler, dessen Wurzeln väterlicherseits beim „Unterperfl“ in Außervillgraten liegen, bewirtschaftet heute mit seiner Familie den „Ehrenfelderhof“ in Anras. Er beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Namenswelt des Tales im Spiegel der Geschichte. Über das „Jahr ohne Sommer“ schreibt Dr. Sabine Sutterlütti, und DDr. Franz Jäger widmet sich in seinem Artikel den Schafen als Kulturträger, den Hirtinnen und Hirten sowie dem Handwerk des Spinnens und Strickens. Für das Vorwort konnten die beiden Herausgeber den ehemaligen Landwirtschaftsminister und EU-Kommissar Dr. Franz Fischler gewinnen.


Villgrater Natur – Villgrater Kultur
Das Villgratental – eine anthropogene Landschaft. Besiedlungsgeschichte, Almhistorie, demographische Entwicklung und Handwerkskunst.
Herausgeber: Josef Schett und Dr. Andreas Rauchegger.
Autoren: Mag. Bernhard Flatscher, Dr. Robert Perfler, Dr. Sabine Sutterlütti, DDr. Franz Jäger, Dr. Andreas Rauchegger
ISBN: 978-3-99105-016-2, Studia Verlag
Erhältlich bei „Villgrater Natur“ in Innervillgraten
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann