Regionale Lebensmittel: Klasse statt Masse!

Angelika Kirchmaier, vielen als ORF-Radio-Tirol Ernährungsexpertin bekannt, klärte am 6.4. in der LLA Lienz über Fakten und Mythen rund um Lebensmittel auf.

„Als ich kürzlich vor einem Supermarkt-Regal stand, in dem ‚Superfood‘ angeboten wurde, habe ich mich schon sehr gewundert, dass da zwar Goji-Beeren und Kokosöl, aber keine Almprodukte zu finden waren“, hob Kirchmaier den gesundheitlichen Wert von regional produzierten Lebensmitteln hervor. Das Naheliegende sei oft viel zu weit von uns weg, so Kirchmaier. Sie forderte: „Wir müssen zurück finden zu den Schätzen, die wir vor unserer eigene Haustüre haben“. Für Produzenten und Tourismusbetriebe sei es deswegen zentral, dem Konsumenten den Wert von regional produzierter Lebensmitteln fachlich zu erklären und bewusst zu machen. Osttirol sei schon allein wegen seiner Höhenlage für die Produktion von gesundheitlich wertvollen Lebensmitteln prädestiniert. So zeichne sich beispielsweise die Almbutter gegenüber einer Mastmilchbutter durch ein gesundes Fettsäuremuster, viel natürliches Beta-Carotin, eine optimale Konsistenz und eine enorme Aromavielfalt aus. „Sie enthält keine multiresistenten Keime und ist auch für die Säuglings- und Krankenernährung bestens geeignet“, erklärte die Expertin. „Landwirtschaftliche Produkte aus Osttirol können mit Ursprünglichkeit und Natürlichkeit punkten. So werden etwa keine chemisch bedenklichen Zusatzstoffe verwendet, um höchste Qualität im Geschmack zu erhalten“, schlug die Organisatorin der Veranstaltung, Natalie Steiner, in dieselbe Kerbe.

Der Konsument könne anhand kleiner Tests leicht herausfinden, wie es sich mit dem Gesundheitswert eines Lebensmittels verhalte. Schabt man etwa mit dem Fingernagel über ein Stück Speck, sammelt sich etwas Fett. Weiches, fast flüssiges Fett deute auf einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren hin. Ist das Fett am Fingernagel hingegen fest in der Konsistenz, seien die weniger gesunden gesättigten Fettsäuren enthalten. „Welche Konsistenz das Fett des Specks hat, hängt von der Fütterungsweise ab, also ob ein Schwein hauptsächlich Gras oder Mastfutter in seinem Trog vorfand“, so Kirchmaier. Ein weiteres Beispiel seien die vielen makellosen Äpfel, die man an der Obsttheke angeboten bekomme. Kirchmaier: „In meiner Kindheit wurde ein Apfel braun, wenn man ihn angebissen hat. Dafür ist der Stoff Polyphenol verantwortlich. Heute hat man in vielen Apfelsorten das Polyphenol herausgezüchtet, das gleichzeitig ein Antiallergen ist. Deshalb bleiben die meisten Äpfel schön weiß“. Wie sehr sich der Verbraucher vom natürlichen Produkt bereits entfernt hat, zeige sich ebenso bei der subjektiven Wertschätzung von Nahrungsmittel. Einerseits würden beispielsweise Konsumenten um 50% reduzierte regionale Bioäpfel liegen lassen, andererseits aber bereit sein, für pürierten Apfel im Snackpack umgerechnet 12 Euro pro Kilo zu bezahlen.

Als Fazit des Vortrages rät Kirchmaier jedem Einzelnen und jeder Einzelnen: „Wir müssen uns entscheiden, Masse oder Klasse!“ Nicht jeder würde „Klasse“ kaufen können oder wollen. Es würde aber auch nicht Jede/r Masse essen wollen, sieht Kirchmaier enorme Zukunftschancen für die regionale Eigenproduktion von Lebensmitteln.

Text: Redaktion, Foto: LK Tirol/Steiner

07. April 2016 um