Mein Lieblingsplatz: Die Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ in Obermauern
Umgeben von einem uralten Hofensemble liegt in der Virger Fraktion Obermauern ein kunstgeschichtliches Juwel – die Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ aus dem 15. Jahrhundert.
Obermauern ist ein Platz wie aus dem Bilderbuch – die „Kirche zu unserer Lieben Frau Maria Schnee“ ragt in den Himmel, rundherum liegen malerische Bauernhöfe, und oben thronen die Gipfel und Felskämme der Venedigergruppe. Obermauern liegt auf 1.300 Metern Seehöhe und ist eine Fraktion der Gemeinde Virgen. Neben der Kernsiedlung umfasst Obermauern auch die Höfe von Budam.
Die Wallfahrtskirche steht auf historischem Boden und ist kunstgeschichtlich eine der bedeutendsten Kirchen Osttirols. Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wann hier der erste Kirchenbau entstanden ist. Die bestehende Kirche ist ein spätgotischer Bau. Der Abschluss der Bauarbeiten fällt in das Jahr 1456. Im Innenraum des Gotteshauses beeindrucken insbesondere auch die Fresken von der Leidensgeschichte Jesu, die Simon von Taisten, der Hofmaler der Görzer Grafen, Ende des 15. Jahrhunderts schuf.

Auch die Anfänge der Wallfahrt liegen im Dunkeln. Der erste schriftliche Hinweis findet sich in einem salzburgischen Visitationsprotokoll aus dem Jahre 1676. Bis heute ist die Kirche von Obermauern das Ziel von Wallfahrern. Am Ende des Virger Ortszentrums zweigt nordseitig der alte Kreuzweg nach Obermauern ab. Es handelt sich dabei um einen viel begangenen Wallfahrtsweg mit 14 Stationskreuzen.
Der Brauch des „Virgentaler Opferwidders“ geht auf ein Verlöbnis aus dem Jahr 1635 zurück. Als damals im Virgental die Pest wütete, legten die Bewohner von Virgen und Prägraten das Gelübde ab, jedes Jahr einen Widder zu opfern, um vom „Schwarzen Tod“ verschont zu bleiben. Die Pest verschwand, der Brauch blieb. So findet bis heute alljährlich am Weißsamstag (erster Samstag nach Ostern) in Obermauern die Widderprozession statt. Nach altem Ritual wird das prächtig geschmückte Opfertier während der Messe dreimal um den Alter geführt. 2015 wurde der „Virgentaler Opferwidder“ in das immaterielle Kulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Ingemar Wibmer