„Innovationspotential liegt im Tourismus“

Am Dienstag, 20.5., lud die AK Lienz zu einem Impulsvortag mit Podiumsdiskussion mit Prof. Mag. Peter Zellmann, dem Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. 

Vom Ende klassischer Bildungs- und Ausbildungsmodelle handelte das Referat von Prof. Mag. Peter Zellmann am Dienstag, 20. Mai, in der Lienzer Arbeiterkammer. Zellmann ist seit 1987 Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien und stellte bereits zu Beginn seines Vortrags den Anwesenden die Frage, welche Zukunft sie haben möchten und was sie dafür zu tun bereit seien: „Dieser Vortag liefert keine Patentrezepte, sondern vielmehr Denkanstöße und Anregungen, das sollte jedem klar sein.“

Umdenken ist laut Zellmann entscheidend für das Lebensglück künftiger Generationen und sich darum zu kümmern, Aufgabe der Politik, der Wirtschaft, des Bildungswesens und der Sozialplanung gleichermaßen. Einer der entscheidendsten Punkte sei es dabei, zu erkennen, dass die nach 1970 geborenen Generationen einem steten Wandel unterliegen und das Prinzip der Lebenserhaltung und Lebensgestaltung heute in den Mittelpunkt zu stellen sei. „Lediglich 14 Prozent der Lebenszeit verbringen wir mit Beruf und Ausbildung, für Freizeit stehen uns aber 53 Prozent zur Verfügung“, erläuterte Zellmann. Jedoch müsse man zwischen Freizeit und freier selbstbestimmter Zeit differenzieren, was in ökonomischer Hinsicht vielfach nicht passiere. Dazu komme die ständige, oft selbst verursachte Zeitknappheit: „Zeit ist die Ressource des 21. Jahrhunderts, sowohl beruflich als auch privat!“, erklärte der Experte.

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Für Peter Zellmann wirkt sich die Neugestaltung der Zeit auch auf das Schulsystem aus: „Die neue Gesellschaft ist keine Dienstbotengesellschaft mehr. Es geht viel mehr um `high touch` als um `high tech`, Persönlichkeitsentwicklung ist wichtiger als Wissen.“

So hält Zellmann ein Ausbildungsmodell wie jenes von „Lehre und Matura“ für eine starke Basis, da junge Menschen sich damit sowohl Wissen als auch handwerkliche Fähigkeiten aneignen könnten. Dass die schulische Ausbildung damit länger als bisher dauern könnte, ordnet Zellmann als unproblematisch ein, da sich dieser Wert über die in den Jahren gestiegene Lebenserwartung wieder angleichen würde.

Hohe Qualität ist für Zellmann aber nicht nur im Schulsystem wichtig, sondern auch im Arbeitsalltag. Das größte Innovationspotential Osttirols liegt für ihn hierbei im Tourismus, dessen Möglichkeiten er im Moment für dramatisch unterschätzt hält: „Es gibt kein anderes Land, das eine derartige Tourismus- und Gastgeberberechtigung hat wie Österreich!“ Als entscheidendste Themen versuchte Zellmann zum einen die Wellness-Bewegung, die eine ideale Ergänzung zum überlieferten Wissen und der Lebenseinstellung der Landbevölkerung darstelle, und zum anderen die Neudefinierung der Zusammenarbeit von Tourismus- und Landwirtschaftsschulen zu transportieren. Das daraus resultierende neue Berufsangebot könne nicht nur Jugendliche in der Region halten, sondern für Gäste auch innovative und moderne Angebote liefern. „Um diese Ziele auch umsetzen zu können, ist es erforderlich, kontinuierlich an neuen Modellen zu arbeiten. Nur wer zum Umdenken bereit ist, kann auch etwas bewirken und verändern. Und schließlich gibt es nichts Praktischeres als eine gute Idee!“, schloss Peter Zellmann seinen Vortrag.

Im Anschuss stellten sich DI Klaus Michor, Geschäftsführer der Firma Revital, Anton Schneider, Geschäftsführer des Planungsbüros Schneider – Stahl- und Anlagenbau GmbH, Mag. Armin Egger, Arbeitsmarktexperte und Autor von WISO, in einer Podiumsdiskussion den Fragen der Zuhörer. Der Leiter der AK-Bezirksstelle Lienz, Mag. Wilfried Kollreider, und Dr. Domenico Rief, LL.M., von der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK, luden zum Ausklang des Abends alle Anwesenden zum Netzwerken am Buffet ein.

Text und Fotos: Jasmin Veider

22. Mai 2014 um