Große Beutegreifer in Tirol: 619 tote und vermisste Nutztiere im Jahr 2021

14 verschiedene Wölfe, drei verschiedene Bären sowie sieben Mal ein Luchs und vier Mal ein Goldschakal wurden nachgewiesen. Schaden beläuft sich auf über 220.000 Euro.

Der Jahresbericht 2021 des Landes Tirol über Bär-Wolf-Luchs und Goldschakal liegt vor: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der nachgewiesenen großen Beutegreifer wie auch die Zahl der Nutztierverluste neuerlich massiv gestiegen. Mit 619 toten und vermissten Almtieren hat sich die Zahl der Nutztierverluste gegenüber 2020 verdoppelt. 14 verschiedene Wolfsindividuen und erstmals drei verschiedene Bären wurden 2021 in Tirol entweder genetisch, über Spuren oder Bilder nachgewiesen. Zudem wurde sieben Mal ein Luchs bestätigt. Vier Mal ergab die DNA-Analyse einen Goldschakal.

220.000 Euro Schaden

378 tote Schafe, Ziegen und ein Rind sowie einige verletzte Tiere wurden 2021 von den Sachverständigen in Zusammenhang mit der Präsenz von Wölfen, Bären und Goldschakalen gebracht. Mit 77,5 Prozent ist der Großteil der toten Nutztiere Wölfen zuzuordnen, knapp 22 Prozent werden Bären zugeschrieben. Rund 190 Mal sind AmtstierärztInnen und Sachverständige ausgerückt, um vor Ort Rissbeurteilungen vorzunehmen und Proben für genetische Untersuchungen zu sammeln.

241 Tiere wurden in einem örtlichen und zeitlichen Zusammenhang mit Rissgeschehen als vermisst gemeldet. Aufgrund einer unmittelbar drohenden Gefahr wurden außerdem rund 2.300 Nutztiere vorzeitig von 21 Almen abgetrieben und mussten auf den Heimbetrieben mit Futter versorgt werden. Der Schaden beläuft sich in Summe auf über 220.000 Euro.

 

Kilometerlange Weidezäune wurden auf der Lader Heubergalm errichtet, um die Schafe in bestimmten Bereichen halten und im Ernstfall in einem Pferch sammeln zu können.

 

Erste Erkenntnisse aus Herdenschutz-Pilotprojekten

2021 wurden auf Projektalmen im Tiroler Oberland auf mehrere Jahre angelegte Herdenschutz-Pilotprojekte zur Umsetzung von gelenkter Weideführung und Herdenschutzmaßnahmen gestartet. Es wurden zwei verschiedene Modelle erprobt, um erste Erfahrungen mit Herdenschutz zu sammeln und in der Frage des Wolfsmanagements weiterzukommen.

Kostenanstieg um mehr als 400 Prozent

Nunmehr liegen die ersten Ergebnisse aus den zwei fachlich intensiv begleiteten Projekten auf der Spisser Schafbergalm und der Lader Heubergalm vor. Beide Almen liegen in touristisch wenig frequentierten Gebieten. Es zeigen sich enorme Kostensteigerungen für die Schafalpung um mehr als 400 Prozent sowie eine deutlich gestiegene Arbeitsbelastung nicht nur für das Almpersonal, sondern auch für die BewirtschafterInnen und deren HelferInnen. Die Abkehr vom freien Weidegang der Schafe hat auch Auswirkungen auf Fresszeiten, Bewegungsmuster, Gewichtsentwicklung und die Übertragung von Krankheiten.

Höchste Anforderungen an Almpersonal

Auf beiden Pilot-Almen wurden erstmals eigene Schafhirten angestellt. Dabei hat sich gezeigt, dass selbst ein erfahrener Hirte samt Hütehund die Herausforderungen zumindest im ersten Jahr nicht alleine bewältigen konnte. Grundsätzlich ist die Verfügbarkeit von hochqualifiziertem Almpersonal ein Schlüsselfaktor.

Das Land Tirol hat im Jahr 2021 drei Herdenschutz-Pilotprojekte mit knapp 380.000 Euro unterstützt. 100.000 Euro wurden 2021 für Hirten aufgewendet. Ein großer Kostenfaktor sind auch Erstinvestitionen. Knapp 130.000 Euro mussten im ersten Projektjahr in Hirtenunterkünfte investiert werden. Zaunmaterial und Zaunarbeit wurden mit rund 62.000 Euro unterstützt. Rund 26.000 Euro wurden für Transportflüge mit Hubschraubern aufgewendet. Vorbereitende Maßnahmen zur Sicherstellung der Tiergesundheit der aufgetriebenen Schafe schlugen in Summe mit 50.000 Euro zu Buche.

Jahresbericht Große Beutegreifer in Tirol 2021 zum Download

 

Text: Redaktion, Fotos: Büro Alpe

10. Februar 2022 um