Burg Heinfels: Führungen werden vor allem bei Schlechtwetter gut angenommen
Bis zum Ende der 1. Saison werden rund 6.000 BesucherInnen Einblick in die Geschichte der Burganlage, das Alltagsleben und die aufwändige Restaurierung bekommen haben.
Seit 15. Juli werden auf der in den letzten Jahren aufwändig sanierten und renovierten Burg Heinfels Führungen angeboten. Von Mittwoch bis Sonntag führen seitdem 15 KulturvermittlerInnen unter der Leitung von Mag. Monika Reindl-Sint von 10.00 bis 17.30 Uhr durch die „Königin des Pustertales“, jeden Donnerstag findet um 19.00 Uhr eine Abendführung statt. „Zu Beginn haben wir im Stundentakt durch die Burg geführt, dann auf halbstündlich und zuletzt auf viertelstündlich umgestellt. Jetzt nach der Hauptsaison gehen wir mit der Anzahl der täglichen Führungen wieder etwas zurück“, berichtet Reindl-Sint.

Aufgrund der Corona-Vorschriften können 10 bis 12 Personen an einer Führung teilnehmen. Es besteht die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. „Die Führung dauert etwa 1,5 Stunden. Besonders gefragt sind unsere Führungen bei Schlechtwetter. Gestern am Sonntag, 30. August, hat es stark geregnet, und wir durften uns über einen Rekord an Gästen freuen“, so die Kulturvermittlerin.

Die Führungen beginnen in der Vorburg, also in der äußeren Wehranlage, die die Burganlage nach Osten hin geschützt hat. Dann geht es weiter in den so genannten Burggrafenturm, einen Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert. Im Stadl wird gemeinsam an einem Burgmodell aus Corian gebaut. „Dieser Programmteil ist vor allem bei den Kindern äußerst beliebt. Durch das Modell bekommt man einen guten Blick, wie eine derartige Anlage entsteht.“

Weiter geht es in den Wehrturm, wo ein „Kartenkabinett“ eingerichtet ist. „Hier geht es um die Neuverteilung der Macht und des Landes im 13. Jahrhundert. Die Herrschaftsverhältnisse waren in Bewegung. Albert III. von Tirol sollte mit den Herren von Welsperg im Auftrag des Bischofs das Land verwalten, handelte aber größtenteils für seine eigenen Interessen. Auf Magnettafeln und interaktiv zeigen wir anschaulich die damaligen Herrschafts- und Grundverhältnisse“, berichtet Monika Reindl-Sint.

Nun verlässt man die Vorburg und geht auf den äußeren Festplatz, wo sich auch die allgemein zugängliche Burgschenke befindet. Von hier aus hat man den schönsten Blick auf den Bergfried. Man schreitet durch das 2. und 3. Burgtor und gelangt in den inneren Burghof mit Zisterne – die alten Mauern des Palas aus dem 13. Jahrhundert und damit den ruinenartigen Teil der Anlage hat man jetzt direkt vor sich.
Die St. Laurentiuskapelle wurde bereits im Jahre 1331 erstmals urkundlich erwähnt. Sie vereint nach der aufwändigen Restaurierung Elemente neuer Architektur mit den zum Teil noch erhaltenen Fresken von Meister Leonhard von Brixen aus dem 15. Jahrhundert.
Weiter geht es in den Südtrakt mit 3 Sälen und der Burgkapelle als kunsthistorischen Höhepunkt der Führung. In der Kapelle kann man nicht nur die Fresken, sondern auch die Monstranz bestaunen. Es handelt sich dabei um das letzte erhaltene Gold- und Schatzobjekt von Burg Heinfels. In einem der Säle wird man durch ein Hörspiel in die Zeit der Görzer Grafen zurückversetzt – Handwerker, Dienstleute und Musiker geben einen Einblick in das Alltagsleben auf Burg Heinfels im Jahre 1460. Ein Bilderkabinett in einem weiteren Saal zeigt Ansichten der Burganlage im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im 3. Saal erzählt ein Zeichentrickfilm von Macht und Unterdrückung. „Es geht um die Burg Heinfels als Herrschaftssitz, um Kontrolle und Unterdrückung. Thematisiert werden in diesem Film zudem die Bauernaufstände in den Jahren 1525/26, die Hutterer, die sich ebenfalls gegen die Obrigkeit auflehnten, und die Hexenverfolgung. In der Burg Heinfels befanden sich damals auch Verliese und Folterkammern.“

Über eine Wendeltreppe gelangt man von der Kapelle auf das Dach der Ruine und genießt einen atemberaubenden Ausblick in das Hochpustertal, in das Villgratental und auf den Helm. Wenn man sich vorbeugt, sieht man bis nach Kartitsch und St. Oswald im Tiroler Gailtal. Man geht nun etwas abwärts in den verfallenen Palas und gelangt anschließend über eine 21 Meter hohe, zweihüftige Scherentreppe hinauf auf den Bergfried. Hier am Ende des Rundgangs hat man noch einmal einen beeindruckenden Rundumblick in alle 4 Himmelsrichtungen.

Eine bunte Mischung aus Einheimischen und Gästen konnten die KulturvermittlerInnen bisher durch Burg Heinfels führen. „Zu Beginn waren es eher Einheimische, die uns besuchten. Inzwischen kommen aber auch viele Gäste – vor allem Deutsche und Italiener – und nehmen an den Führungen teil. Der Anteil an Inländern ist auch bei uns in diesem Sommer besonders hoch. Viele Osttirolerinnen und Osttiroler, die auswärts leben und arbeiten, wollen bei den Führungen mehr über Vergangenheit und Gegenwart der Burganlage erfahren“, erzählt Monika Reindl-Sint.

Wem gehört die Burg? Wie ist die Restaurierung vor sich gegangen? Wohin sieht man von einem gewissen Platz der weitläufigen Anlage aus? Fragen der BesucherInnen würden laut Monika Reindl-Sint vor allem die Gegenwart betreffen. Aber auch in die Vergangenheit wollen die Menschen eintauchen. „Unsere Geschichten von den Hutterern sorgen für so manches Aha-Erlebnis. Unsere Gäste interessieren sich aber auch für die Themen Grundherrschaft, Unterdrückung, die ständische Gesellschaft und den Weg in Richtung Gleichheit, Menschenrechte und Demokratie. Interessiert zeigen sich unsere BesucherInnen auch zu Michael Gaismair. Er war Kopf der Bauernaufstände, führte die Truppen und wollte im Jahr 1526 die Burg einnehmen.“
Monika Reindl-Sint schätzt, dass bis zum Ende der Saison am 26. Oktober rund 6.000 Personen an den etwa 500 Führungen teilgenommen haben werden.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Peter Leiter



