Neue Tarife für Lkw und Busse am Felbertauern

Dass neue Maut-System tritt mit 24. November 2014 in Kraft. Chancen für den Erhalt von Begünstigungen für Osttiroler Pkw und Anrainer sieht die FAG auch bei einer Klage.

Die EU hat die unterschiedlichen Mauttarife für Lkw am Felbertauern, die Anrainer begünstigte, als diskriminierend und wettbewerbsverzerrend kritisiert und ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik Österreich eingeleitet. „Mit 26. September hat uns die EU eine mit Gründen versehene Stellungnahme geschickt. Zusammenfassend ist sie auf unsere Argumente eingegangen, fordert jedoch eine Umstellung. Für Lkw war das bisherige System mit Vergünstigungen für Anrainer nicht haltbar. Bei den Pkw sehen wir durchaus Chancen, dass es weiterhin Begünstigungen gibt, auch wenn es zu einer Klage beim Europäischen Gerichtshof kommt“, so Mag. Karl Poppeller, Vorstandsvorsitzender der Felbertauernstraße AG (FAG) am Mittwoch, 19. November 2014, bei einem Pressegespräch.

Die Tarifanpassung für den Wirtschaftsverkehr – also für Lkw und Busse – tritt mit Montag, 24. November 2014, in Kraft, nachdem der Aufsichtsrat der Straßengesellschaft unter Vorsitz von Landeshauptmann Günther Platter einen dementsprechenden Beschluss gefasst hat. „Wir haben uns für ein Rabattsystem entschieden. Eine emissionsbezogene Maut war eigentlich der Wunsch der EU, schied für uns aber aus, weil diese für kleine Frächter – bei uns meist Familienbetriebe – nachteilig wäre. Und eine Lkw-Maut bezogen auf den Ziel- und Quellverkehr wäre nur äußerst aufwändig und kompliziert zu handhaben gewesen“, so Poppeller.

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Lkw und Busse, die oft über den Felbertauern fahren, bekommen in Zukunft bis zu 35% Rabatt.

Es wird in Zukunft drei Rabattkarten für Lkw und Busse geben: Die Rabattkarte klein für 10 Fahrten mit einem Rabatt von 15%, die Rabattkarte mittel für 30 Fahrten mit einem Rabatt von 25% und die Rabattkarte groß für 50 Fahrten mit einem Rabatt von 35%. „Mit dem Höchstrabatt von 35% sind wir an eine obere Grenze gegangen. Die EU sah laut Stellungnahme hier keinen Widerspruch“, so Poppeller. Das neue Modell für den Wirtschaftsverkehr soll für die FAG erlösneutral sein – dass heißt, man will bald die gleichen Mauteinnahmen erzielen wie beim alten System. „Bei unseren Berechnungen sind wir von den Frequenzen im Jahre 2012 – also vor dem Felssturz – ausgegangen. Derzeit liegen wir noch etwa ein Fünftel hinter diesem Aufkommen beim Wirtschaftsverkehr. Wir rechnen aber damit, dass wir in etwa drei Jahren wieder die alten Frequenzen erreichen“, so der Vorstandsvorsitzende.

Im Bereich Pkw will man die Mautbefreiung für Autos mit LZ-Kennzeichen und die Begünstigungen für Anrainer (Bezirke Zell am See, Spittal und Hermagor sowie die Bezirke Nordtirols) mit weiteren Argumenten und mit Unterstützung von Experten verteidigen. „Argumente sind für uns, dass der Felbertauern für die Osttiroler der einzige österreichische – und damit am besten geeignetste – Weg in die Landeshauptstadt ist. Die freie Wahl des Weges nach Innsbruck gibt es also für uns nicht. Hier argumentieren wir auch mit der Gleichbehandlung gegenüber allen anderen EU-Bürgern“, erklärt dazu der Vorstandsvorsitzende. Rund 270.000 Freifahrten von Pkw-Lenkern mit Osttiroler Kennzeichen wurden 2012 registriert, ca. 150.000 Mal kam der ermäßigte „Anrainertarif“ zum Tragen. Karl Poppeller sieht nun drei Möglichkeiten, wie es in Sachen Pkw-Maut weitergeht. „Es kann sein, dass die EU sagt, dass die Tarife so bleiben können, wie sie jetzt sind oder es gibt einen weiteren Diskurs oder die Kommission klagt die Republik beim Europäischen Gerichtshof“, so der Vorstandsvorsitzende abschließend.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger, Brunner Images

19. November 2014 um