Neue Konzepte: Tiroler Feuerwehren stellen sich auf Folgen des Klimawandels ein

Bereits ein Fünftel aller Einsätze der Tiroler Feuerwehren sind auf Elementarereignisse zurückzuführen. In Kooperation mit dem Land Tirol und dem Landesfeuerwehrverband passen sich die Feuerwehren dieser Entwicklung an.

Muren, Hochwasser, Stürme, Hagel – immer öfter müssen die Feuerwehren in Tirol nach Extremwetterereignissen ausrücken. Allein im heurigen Jahr mussten insgesamt bereits bei über 2.200 Einsätzen der Feuerwehr Keller ausgepumpt, Straßen freigeräumt oder umgefallene Bäume von Dächern entfernt werden. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2014 waren es insgesamt gerade einmal 1.300 Einsätze nach Extremwetterereignissen.

In enger Kooperation zwischen dem Land Tirol und dem Landesfeuerwehrverband passen sich die Feuerwehren dieser Entwicklung an: Auf Basis eines neuen Konzeptes werden die bereits umfassenden Kompetenzen der Feuerwehren für Katastropheneinsätze erweitert, um auf solche Einsätze noch besser vorbereitet zu sein. So werden Feuerwehrautos umgerüstet und weitere Spezialausrüstung für den Einsatz in den Bezirken angeschafft. Auch im Bereich der Ausbildung werden bereits laufend Adaptierungen im Hinblick auf Katastropheneinsätze vorgenommen. Die benötigte Spezialausrüstung und spezielle Ausbildungen werden vom Land Tirol gefördert.

„Durch den Klimawandel häufen sich Extremwetterereignisse – das können wir alle beobachten und wird auch von Klimaexpertinnen und -experten bestätigt. Gerade in einem gebirgigen Land wie Tirol haben Extremwetterereignisse direkt zur Folge, dass es öfter zu Muren, Hochwassern oder anderen Naturereignissen kommt. Diese verursachen nicht nur enorme finanzielle Schäden, sondern gefährden auch Menschenleben“, erklärt Sicherheitslandesrätin Astrid Mair und führt weiter aus: „Gerade den Feuerwehren kommt nach einem Extremwetterereignis eine wichtige Aufgabe zu, um Schäden zu beseitigen und Menschenleben zu schützen. Angesichts sich ändernder Herausforderungen unterstützen wir die Tiroler Feuerwehren, die bestehenden Kompetenzen weiter auszubauen – es geht um die Umrüstung von Feuerwehrautos, die Anschaffung von zusätzlicher Spezialausrüstung, die weitere Adaptierung der Ausbildung und schlussendlich dem Lernen aus bisherigen Einsätzen.“

In Tirol gibt es insgesamt 19 Katastrophenhilfszüge, die ausrücken, wenn es etwa zu schweren Hochwassern – wie zuletzt in St. Anton am Arlberg – kommt. Tirolweit verfügt man zudem über 18 mobile Großpumpen und über 60 Notstromaggregate auf Anhängern. „Wir sind in Tirol sehr gut aufgestellt und haben bereits in den vergangenen Jahren viel umgestellt und etwa die Katastrophenhilfszüge als wichtiges Unterstützungsinstrument im Ernstfall aufgebaut. Diese sind aus vordefinierten Feuerwehren im Bezirk gegliedert und in kürzester Zeit einsatzbereit. Fakt ist aber auch, dass die Katastropheneinsätze sprunghaft zunehmen. Hatten wir im Jahr 2014 in Tirol noch 1.338 Alarmierungen aufgrund von Elementarereignissen, sind es 2022 schon über 2.000 gewesen, 2023 waren es über 3.500 Einsätze. Dieses Jahr haben wir bereits über 2.200 Alarmierungen aufgrund von Elementarereignissen – und das obwohl der Herbst und der Winter noch vor uns stehen. Festzustellen ist dabei auch, dass die Ereignisse vermehrt lokaler werden und dadurch oft einzelne Gemeinden intensiver betroffen sind. Mittlerweile sind rund ein Fünftel aller unserer Einsätze auf Elementarereignisse zurückzuführen“, erläutert Landesfeuerwehrkommandant Jakob Unterladstätter.

Basis der Kompetenzerweiterung im Bereich der Katastropheneinsätze sind zusätzliche Spezialausrüstungen. Dazu zählen etwa Großpumpen, Notstromaggregate, Nasssauger, Schmutzwasserpumpen und Hochwasserbarrieren. Im Rahmen des Konzepts des Landesfeuerwehrverbands sind solche zusätzlichen Gerätschaften strategisch in ganz Tirol verteilt. „Wir haben bereits einiges an Spezialausrüstung. In Anbetracht der immer steigenden Anzahlen wird das auf Dauer jedoch nicht reichen“, so Landesfeuerwehrinspektor Rene Staudacher. Derzeit befinden sich vier mobile Großstromerzeuger mit 80 Kilovoltampere für Standorte in den Bezirken Landeck, Kitzbühel und Innsbruck-Land im Beschaffungsprozess. Die Erweiterung der Gerätschaften um weitere mobile Großpumpen ist in Vorbereitung.

Gleichzeitig werden auch Umstrukturierungen bei den Fahrzeugen vorgenommen: „Die Fahrzeuge der Feuerwehren sollen in Zukunft noch besser auch für Katastropheneinsätze ausgerüstet sein. Das beginnt beim Ankauf: Wir treiben hier eine Vereinheitlichung und Optimierung der Fahrzeuge voran, sodass diese schon bei der Grundausrüstung – etwa durch zusätzliche Hebebühnen – besser für Katastropheneinsätze genutzt werden können. Gleichzeitig führen wir ein neues Modulsystem ein, um mehr Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen: Jede Feuerwehrwache kann mit speziellen – thematisch unterschiedlich mit Spezialausrüstung bestückten – Rollcontainern ausgestattet werden, etwa für die Bereiche Hochwasser, Stürme, Muren oder Steinschläge. Kommt es zu einem Katastropheneinsatz, kann der jeweils benötigte Rollcontainer in die Fahrzeuge geschoben werden, um für den Einsatz die benötigte Spezialausrüstung mitzuführen. Damit sind die Feuerwehren flexibler und die Fahrzeuge für die Katastropheneinsätze ideal ausgerüstet“, so Staudacher.

Auch im Ausbildungsbereich werden bereits laufend Adaptierungen im Bereich des Führens in der Großschadenslage oder im technischen Bereich vorgenommen, wie etwa im Umgang mit Motorsägen oder Seilwinden. Dabei werden in relevanten Lehrgängen grundlegende Themen des Katastrophenhilfsdienstes erarbeitet und vermittelt. Neue Erkenntnisse aus Katastropheneinsätzen fließen dabei laufend in das Ausbildungsprogramm ein. Dieser Prozess ist auch Mitgrund, dass Einsätze wie zuletzt in St. Anton möglichst zügig und unfallfrei ablaufen.

„Das Land Tirol unterstützt die Feuerwehren im Rahmen von speziellen Fördertöpfen. Über Mittel des Landesfeuerwehrfonds sowie des Gemeindeausgleichsfonds wurden die Tiroler Feuerwehren 2024 bisher bereits mit rund 19 Mio. Euro unterstützt. Damit co-finanzieren wir etwa Feuerwehrfahrzeuge, aber auch Pumpen, hydraulische Rettungsgeräte, Ausrüstung für den Atemschutzeinsatz und vieles mehr“, so Landesrätin Astrid Mair. In Anbetracht der steigenden Katastropheneinsätze werde bei der Förderung künftig ein verstärkter Fokus auf die Beschaffung von Spezialausrüstungen und zusätzliche Ausbildungen gelegt.

 

Text: Redaktion, Foto: Land Tirol

30. August 2024 um