Osttiroler Simon Kraler und Jakob Riedl erhielten Staatspreis „Ars Docendi“
Das Wissenschaftsministerium zeichnete vor Kurzem 26 PreisträgerInnen aus, unter ihnen Dr. Simon Kraler aus Lienz und Dr. Jakob Riedl aus Dölsach.
155 Einreichungen gingen für den diesjährigen „Ars Docendi“ ein – so viele wie noch nie. Die besten fünf davon hat das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung am Donnerstag, 24. September, mit dem „Ars Docendi“ prämiert. Der Staatspreis ist mit jeweils 7.000 Euro dotiert und wurde zum 8. Mal an Lehrende von Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Privatuniversitäten vergeben. Insgesamt durften sich heuer 26 PreisträgerInnen von fünf Universitäten über die Auszeichnung freuen, die Wissenschaftsminister Dr. Heinz Faßmann überreichte.
In der Kategorie „Qualitätsverbesserung von Lehre und Studierbarkeit“ wurde ein 20-köpfiges Team der Medizinischen Universität Graz ausgezeichnet. In diesem Team arbeiteten auch Dr. Simon Kraler aus Lienz und Dr. Jakob Riedl aus Dölsach maßgeblich mit. Die Auszeichnung erhielten sie für die Gestaltung und Umsetzung eines innovativen Lehrkonzepts, das darauf abzielt, symptom-basierte diagnostische Fähigkeiten in einem interaktiven Setting zu lehren. Dabei werden Studierende aktiv in die Curricula-Gestaltung miteinbezogen und durch ProfessorInnen verschiedener Disziplinen supervidiert.

Simon Kraler absolviert derzeit ein Doktoratsstudium an der Universität Zürich. Den Forschungsschwerpunkt legt er dabei auf neue prognostische und therapeutische Tools der Gefäßverkalkung, insbesondere der koronaren Herzerkrankung. Jakob Riedl ist derzeit Assistenzarzt in der Abteilung Onkologie am LKH Graz und arbeitet wissenschaftlich an der Untersuchung neuartiger prognostischer Marker verschiedener Tumorentitäten.
„Wir alle können aus unserer Studienzeit Lehrende benennen, die in uns das Feuer und die Begeisterung für unser Studienfach entzünden konnten“, so Heinz Faßmann bei der Verleihung. Als Universitätsprofessor wisse er, dass man Lehrinhalte nicht nur innovativ und verständlich in den geeigneten Lehr- und Lernumgebungen aufbereiten und vermitteln, sondern auch Neugierde wecken müsse. „Das gilt insbesondere auch für die digitale Lehre, die eine immer wichtigere Rolle spielt. Das hat das Sommersemester 2020 besonders deutlich gemacht, das aufgrund der Corona-Pandemie überwiegend digital abgehalten werden musste. Die Universitäten und Hochschulen haben mit viel Kreativität und Flexibilität bewiesen, dass sie – wenn es sein muss – die plötzliche Umstellung auf reines Distance Learning gut meistern können“, betonte der Minister.
Würdigung der Jury
Vom Symptom zur Diagnose – Das interaktive Wahlfach zur Verbesserung der klinischen Ausbildung von JungmedizinerInnen
Das Projekt „Vom Symptom zur Diagnose – Das interaktive Wahlfach zur Verbesserung der klinischen Ausbildung von Jungmediziner/innen“ wurde vor einigen Jahren von Studierenden im Diplomstudiengang Humanmedizin der Medizinischen Universität Graz für Studierende konzipiert. Es wird als wöchentlich stattfindende Lehrveranstaltung im Rahmen eines freien Wahlfachs angeboten mit dem Ziel, Begeisterung für das Fachgebiet Medizin und den ärztlichen Beruf zu vermitteln. Studierende des 5. und 6. Studienjahres zeigen ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen des zweiten Studienabschnitts, wie sie klinisch anwendbare diagnostische Fertigkeiten entwickeln und ausbauen können. Zu diesem Zweck werden gemeinsam klinische Fallbeispiele diskutiert und Lösungsansätze dazu entwickelt.
„Im Rahmen der klinischen Fallbeispiele werden Hypothesen zur Diagnose basierend auf Symptomen, klinischen Bildern und Laborkonstellationen gebildet. Weitere Untersuchungen (e.g. Blutbefund, Bildgebung) können die Hypothesen erhärten oder zu deren Verwerfung führen.“ (Zitat aus Antrag) Regelmäßig stattfindende Gastvorträge renommierter Medizinerinnen und Mediziner tragen zur Vertiefung des Erlernten bei. Am Ende der Lehrveranstaltung werden aus den Studierenden, die ein besonderes Engagement und einen hohen Wissensstand bewiesen haben, einige ausgewählt, um die Medizinische Universität Graz bei einem internationalen Diagnosewettbewerb zu vertreten. Diese haben sich zudem verpflichtet, im nachfolgenden Jahr die Lehre sowie die Organisation des Projektes sicherzustellen.
Das Lehrprojekt ist beispielhaft und überzeugt in vielfacher Hinsicht. Es ist klar durchdacht und schlüssig konzipiert. Der hochschuldidaktische Ansatz mit seiner Verbindung von Problem-based-Learning und interaktivem Peer-to-Peer-Teaching unter Einschluss von Gamification-Techniken ist für das Fach innovativ. Das Lehrformat stärkt die Kompetenzen der lehrenden wie der lernenden Studierenden sowohl in fachlicher und methodischer als auch in sozialer Hinsicht. Diversität von Lernniveaus und Lerngeschwindigkeiten vermag es aufzufangen. Die Organisationsstruktur des Formates sichert zudem seine Nachhaltigkeit. Schließlich ist es international ausgerichtet.
Univ.-Prof.in Dr.in Mechthild Dreyer
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Text: Redaktion, Fotos: BMBWF/Martin Lusser