Theaterevent 2023: Der Tanz als Metapher für Leben und Tod

Am 28. Juli findet in der Oberkärntner Gemeinde Berg im Drautal die Premiere von „Totentanz“ statt. Jetzt Karten für die außergewöhnliche Theateraufführung sichern!

Theater wird in der Oberkärntner Gemeinde Berg im Drautal schon seit weit mehr als 150 Jahren gespielt und längst schon hat sich das Laienspiel zu einem fixen Bestandteil des Gemeinschaftslebens im Dorf entwickelt. Heute engagiert sich ein fester Kern von rund 15 bis 20 Bergerinnen und Bergern für den Erhalt des Kulturgutes. „Im 10-Jahresrhythmus bringen wir den Berger Jedermann und das Berger Hirtenspiel auf die Bühne“, sagt Jutta Jester über zwei der wohl bekanntesten Stücke der Laienschauspiel-Truppe. Zuletzt wurde der „Berger Jedermann“ 2019 zur Aufführung gebracht, 2024 steht das „Berger Hirtenspiel“ wieder auf dem Programm.

 

Anita Profunser und Jutta Jester, die beiden Regisseurinnen der Theatergruppe Berg, mit Klarissa Brandner, zuständig für Social Media. Gemeinsam mit ihren VereinskollegInnen bringen sie ab 28. Juli 2023 das Stück „Totentanz“ zur Aufführung.

 

Jutta Jester hat im Verein „BergTheater“ nicht nur die Agenden der Obfrau inne, sie führt, zusammen mit Anita Profunser, auch Regie. „Unsere Arbeit ist, wenn man dies so ausdrücken kann, eine schauspielerorientierte. Gemeinsam mit allen in die jeweilige Aufführung involvierten Mitgliedern sammeln wir zu Beginn der Proben zunächst einmal Ideen. Dann versuchen wir, diese umzusetzen, beobachten, was funktioniert und was nicht und feilen schließlich an den Details“, erklären die beiden den Entwicklungsprozess, an dessen Ende Generalprobe und Premiere stehen.

 

Veranstaltungslocation ist der Berger Friedhof.

 

Derzeit befinden sich die Berger Theaterleute mitten in den Proben zu einem Stück, das sie vor rund 20 Jahren, damals in der Ochsenschlucht, schon einmal zur Aufführung gebracht haben. „Es handelt sich um den `Totentanz` in der Fassung von Alois Johannes Lippl“, lässt Anita Profunser wissen und erzählt, dass sie sich dafür entschieden haben, den Text im Original mit nur kleinen Anpassungen zu verwenden. „Der 1920 geschriebene Text ist leicht bayrisch angehaucht, in Reimform gestaltet und passt damit sehr gut in unsere Region“, meint sie. Die Thematik des „mittelalterlichen Spiels vom Sterben“ ist ohne Zweifel eine gleichzeitig außergewöhnliche und doch alltägliche: Es geht um das Leben und das Sterben, um den Tod als unvermeidliche Tatsache, der sich alle, ob jung oder alt, ob reich oder arm, stellen müssen. „Wir Menschen fürchten uns nur allzu oft vor dem Sterben. Wir versuchen, den Tod zu verdrängen, an Krankenhäuser und Altersheime zu delegieren und aus unserem Leben auszusperren“, wirft Sepp Sattlegger, seit vielen Jahren engagiertes Mitglied der Berger Theatergruppe, ein. „Und doch ist der Tod Teil unseres Lebens und schickt uns letztendlich in den Kreislauf des Lebens zurück. Das ‚memento mori‘, das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit, sollte keine Vorbereitung auf danach sein, sondern den Blick auf das Hier und Jetzt lenken: Das zu tun, was ich wirklich will, sich jenen zu widmen, die ich wirklich liebe und nichts auf morgen zu vertagen. Wenn wir das schaffen, dann liegt in unserer Sterblichkeit eigentlich die Quelle der Lebendigkeit“, philosophiert er.

 

Der tanzende Tod (im Bild Sepp Sattlegger als „Tod“ und Barbara Strugger als „Buhlerin“) führt das Unvermeidliche vor Augen. Mit ihm beginnt die Reise ins Jenseits, über eine Brücke, mit einem Schiff, schwebend, kreisend oder tanzend. Wer weiß das schon?

 

Sepp ist es auch, der sich schon seit Längerem intensiv mit dem „Totentanz“ als Sinnbild der menschlichen Vergänglichkeit beschäftigt hat. „Eigentlich gilt der Tanz als gängige Metapher für das Leben. Seit jeher, überall und zu jeder Zeit, haben Menschen getanzt, sei es, um beispielsweise den Winter auszutreiben, den Frühling herbeizusehnen oder einfach nur, um das Leben zu feiern. Diese lebensbejahende, tanzende Bewegung wird im Totentanz in ihr Gegenteil verkehrt. Erste Darstellungen des Todes in Gestalt einer tanzenden Person verbreiteten sich ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in der bildenden Kunst und Literatur. Aus den zuvor üblichen Sterbegang-Gedichten und den Erbauungs- sowie Vergänglichkeitsbüchlein wurde das `memento mori` des Totentanzes. Im Spätmittelalter kamen dann monumentale Totentänze auf Friedhofsmauern auf, die auf die Menschen der damaligen Zeit eine, wenn auch schaurige, Faszination ausübten“, spricht er Interessantes aus der Geschichte an.

 

Künstler Hans-Peter Profunser gestaltet die Bühnenelemente.

 

In der Berger Aufführung des „Totentanzes“ verkörpert Sepp Sattlegger den Tod. Diesen will der Oberkärntner jenseits aller Klischees als einen „Tod mit Emotionen“ darstellen. „Ich zeige in meiner Rolle Gefühle, bin ironisch-hämisch, abrechnend, aber auch mitfühlend“, beschreibt er seine Interpretation und zählt die sieben Personen auf, die in der Originalversion von Lippl dem Tod entgegentanzen: „Es sind dies ein Vogt, der nur auf sich selbst schaut, ein Bettler, der alles verliert, eine geizige Krämerin, die vom Kirchgang kommt und nur an ihr Geld denkt, ein Soldat, der versucht, zu kämpfen und doch verliert, eine junge Mutter, die ihrem kranken Kind aus freiem Willen in den Tod nachfolgt, eine Buhlerin, die im Tanz mit dem Tod untergeht und zuletzt ein an Machtgier und Herzenskälte unübertroffener Kaiser.“

 

Anton Profunser als Bettler, der sich schließlich seinem Schicksal ergibt und für den der Tod letztendlich auch Erlösung ist.

 

Die einzelnen Charaktere versuchen die Berger Laienschauspieler in die Jetztzeit zu übertragen. „Ob mittelalterlicher Despot oder oberster Führer eines heutigen Staates, die Charakterhaltungen bleiben die gleichen“, so Jutta Jester und Anita Profunser. „Den Kaiser spielt Bernd Brunner, Anton Profunser gibt den Bettler und Georg Fleißner den Soldaten. Als Buhlerin tanzt Barbara Strugger dem Tod entgegen, als Vogt wehrt sich Alois Unterwaditzer gegen das Unvermeidliche. Die Krämerin verkörpert Tanja Weiß-Thalmann und die Mutter mit Kind Claudia Obereder“. Die beiden Regisseurinnen der Theatergruppe Berg nehmen auch auf den Berger Friedhof als Veranstaltungsort Bezug. „Es ist schon eine außergewöhnliche, aber, wie wir finden, für dieses Stück sehr passende Location. Der Aufbau der Tribüne, auf der rund 250 Zuschauer Platz finden, erfolgt auf der Straße oberhalb des Friedhofes und ist so konzipiert, dass die Sicht für alle eine sehr gute sein wird. Wir arbeiten mit wenigen Utensilien, dafür aber werden wir vom Musiker Markus Fellner mit seiner Bassklarinette live unterstützt.“

 

Im Bild Alois Unterwaditzer als „Vogt“ und Georg Fleißner als „Soldat“ mit Josef Sattlegegr als „Tod“

 

Claudia Obereder verkörpert die Mutter, die ihrem Kind in den Tod nachfolgt.

 

Die Premiere des Berger Totentanzes findet am Freitag, 28.7.2023, statt. Weitere Aufführungen sind für den 30.7., den 1.8., 3.8., 5.8. und 7.8. geplant. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr bzw. am 5.8.2023 zusätzlich um Mitternacht. Wenn das Wetter nicht mitspielt, gibt es Ausweichtermine jeweils am darauffolgenden Abend (Schlechtwetter-Telefon: 0650/2608601). Karten fürs „Theater am Berger Friedhof“ sind in gedruckter Form in den Raiffeisenbanken Berg/Drau und Greifenburg erhältlich.

Online kann man Tickets unter www.bit.ly/3P0nEfU bestellen. Weitere Informationen erhält man unter www.bergtheater.com

 

Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger

13. Juli 2023 um