Osttirol: Bio-Getreidequalität direkt aus Bauernhand
„Auf heimische Produzenten ist Verlass!”, betont Ernst Joast. Als Osttirols einziger Biobäcker pflegt er eine Kooperation mit Bauern, die ihm Bio-Dinkel und Bio-Roggen liefern.
Damit ist ein regionaler Kreislauf wie aus dem Bilderbuch – vom Biogetreide bis hin zum fertigen Brot – gewährleistet. Ernst Joast ist nicht nur Bäcker aus Leidenschaft, sondern auch einer, der schon auf Bio und Regionalität setzte, als diese Begriffe in Wirtschaft und Gesellschaft noch lange kein Thema waren. „Bis in die 1950er-Jahre wurde Getreide für die Selbstversorgung bis zu den höchsten Höfen im gesamten Bezirk Lienz angebaut. Mit der Industrialisierung des Ackerbaues änderte sich dies. Zunehmend verschwanden Getreidefelder aus der heimischen Kulturlandschaft“, informiert er und berichtet davon, dass es für ihn in den 90er-Jahren zunächst kein Leichtes war, Biogetreide von heimischen Produzenten zu kaufen.
Im Bild v.l.n.r.: Brigitte und Ernst Joast mit Biobauer Georg Meindl
„Es bedurfte vieler Gespräche, bis ich Bauern fand, die für uns Getreide anbauten. Letztendlich ist es aber geglückt und inzwischen ist die Partnerschaft mit den Biogetreidebauern aus dem Lienzer Talboden eine sehr gute und sprichwörtlich fruchtbare. Ich kann mich auf ein bestens funktionierendes Netzwerk von `Handschlagbauern` verlassen. Wir vertrauen uns gegenseitig – und wir sorgen gemeinsam dafür, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.“
Einer dieser „Handschlagbauern“, wie Ernst Joast sie nennt, ist Biobauer Georg Meindl. Gemeinsam mit seiner Frau Klothilde bewirtschaftet er in Amlach den Biohof Meindl (vulgo „Meixner“), der, inklusive Pachtfeldern, rund 15 ha landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst. Hinzu kommen in etwa 19,5 ha Wald. Zum kleinstrukturierten Mischbetrieb mit Kartoffel- und Getreideanbau gehören auch rund 25 Rinder und 30 Hennen. Ab Hof werden Tafelobst und Apfelsäfte, Eier, Kartoffeln, Getreide und Brennholz vermarktet. 1993 hat Georg mit 18 Jahren den Hof einer Tante und fünf Jahre später den väterlichen Hof übernommen. „Für mich stand von Beginn an fest, dass ich den Betrieb biologisch, nach EU-Richtlinen, führen würde, auch wenn es damals weder Förderprogramme noch exakte Richtlinien für den biobiologischen Landbau gab“, lässt er wissen und betont, dass er die Entscheidung, trotz so mancher Hindernisse, nie bereut hat. „Heute ist Bio längst schon in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Immer mehr Menschen erkennen, dass wir mit der Natur sorgsam umgehen und Böden, Lebensmittel und Tiere auch für die kommenden Generationen gesund erhalten müssen.“
Biobauer Georg Meindl ist Obmann der „Bio Austria Bauern“ im Bezirk Lienz.
Der Amlacher, der seinen Betrieb im Haupterwerb führt und im Zuerwerb für den Maschinenring Osttirol tätig ist, engagiert sich als Obmann der „Bio Austria Bauern“ im Bezirk Lienz. Außerdem ist Georg Mitglied der ARGE Osttiroler Biogetreidebauern, jenes Zusammenschlusses von 12 Bauern aus dem Lienzer Talboden, die die Kooperation mit Meisterbäcker Ernst Joast pflegen. Georg baut „sein“ Biogetreide – Roggen, Dinkel und Weizen – auf Feldern im Gemeindegebiet von Tristach und Amlach an. „Wie die anderen ARGEMitglieder auch verwende ich ausschließlich gentechnikfreies, robustes und standortangepasstes Saatgut und dabei insbesondere alte Getreidesorten, wie beispielsweise Ebners Rotkorn-Dinkel oder den Chrysanth Hanser-Roggen. Letzterer ist eine alte Züchtung des Bauern Chrysanth Hanser aus Nikolsdorf, die seit 1956 im Zuchtbuch zugelassen war, in den 1990ern vergessen und dann wieder reaktiviert wurde. Die alten Sorten sind nicht hochgezüchtet und dadurch widerstandsfähiger sowie resistenter gegen verschiedene Krankheiten (speziell Pilzkrankheiten), was ein großer Vorteil ist. Die Erträge fallen zwar nicht so hoch aus wie bei herkömmlichen Sorten, dafür ist das Getreide wesentlich gesünder“, so Meindl. Das heurige Frühjahr sei, wie er weiter meint, für den Getreideanbau optimal gewesen. „Es war nass und kühl. Nun hoffen wir darauf, dass es um die Erntezeit in etwa ab 20. Juli bis circa Mitte August trocken und warm bleibt, um gute Getreidequalitäten erhalten zu können.“
Thomas und Brigitte Amort vom Biohof Amort aus Tristach
Zu den 12 Mitgliedern der ARGE Osttiroler Biogetreidebauern gehört auch der Biohof von Thomas und Brigitte Amort aus Tristach. Den Hof, vulgo „Unterwutzer“, haben die beiden 1996 von Thomas Vater übernommen. Heute leben hier zwei Generationen zusammen, neben Thomas und Brigitte auch die beiden Töchter Amina und Luisa, die ihre Eltern tatkräftig unterstützen. „Eine naturnahe Bewirtschaftung war immer schon unser Ziel“, sagt Thomas und erzählt, dass die Umstellung auf „Voll-Bio“ vor rund 15 Jahren erfolgt sei. „Biolandbau ist die umwelt- und ressourcenschonendste Form, Land zu bewirtschaften. Durch den Verzicht auf energieintensiven Dünger und chemischen Pflanzenschutz werden die Böden für die nachkommenden Generationen gesund erhalten. Bio ist damit auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Es geht um ein Wirtschaften in regionalen Kreisläufen, um ein ganzheitlich vernetztes Denken und um eine hohe Produktsicherheit für die Konsumenten und die Konsumentinnen. Schließlich sind die Lebensmittel, die ein offizielles Bio-Kontrollzeichen aufweisen, nach strengen Produktionskritierien hergestellt und gentechnikfrei“, ergänzt Brigitte. Die Landwirtschaft, die von den Amorts im Nebenerwerb betrieben wird, umfasst 2 ha Ackerflächen, 6 ha Grünland und 25 ha Wald. „Wir bauen Dinkel, Roggen und Weizen an, unsere Getreidefelder liegen alle auf Tristacher Gemeindegebiet.“
Philipp Gstinig und Gertraud Kurzthaler vom Biohof Gstinig aus Oberdrum
Die Heimat des Osttiroler Biogetreidebauern Philipp Gstinig und seiner Partnerin Gertraud Kurzthaler ist die Fraktion Oberdrum/Gemeinde Oberlienz. Hier liegt auch der Biohof Gstinig, vulgo „Großpreinberger“, den Philipp 2012 von seinem Vater Alois übernommen hat. Alois Gstinig war es auch, der zu den ersten Landwirten zählte, die Biogetreide liefern konnten. Die Mitgliedschaft führt Philipp fort, aus Überzeugung, wie er sagt. „Ich schätze den Informations- und Erfahrungsaustausch untereinander sehr.“ Auf dem landwirtschaftlichen Anwesen leben heute drei Generationen: Philipps Eltern Alois und Klara, Philipp und Gertraud sowie ihr gemeinsamer Sohn Valentin. „Die Geschichte des Hofes reicht weit zurück“, lässt Philipp wissen. „Meine Vorfahren haben den Hof im Jahr 1725 erworben, seitdem befindet er sich in Familienbesitz.“ Im Vorjahr wären der Oberlienzer und seine Familie fast um ihren Hof gekommen. Ein Großbrand vernichtete das Futterhaus, viele Tiere verendeten. Inzwischen sind die Gstinigs mit dem Wiederaufbau beschäftigt, kein leichtes Unterfangen, wie Gertraud betont. „Leider wurden durch das Feuer auch unsere Getreidevorräte vernichtet“, wirft Philipp ein. Zurzeit wächst auf den familieneigenen Feldern frischer Bio-Weizen heran. „Ich denke, dass wir in der zweiten Juli-Hälfte mit der Ernte beginnen werden.“ Insgesamt gehören zum Biohof Gstinig rund 3 ha Ackerflächen, 13 ha Wiesen, 30 ha Wald und große Almflächen. Der Hof wird von Philipp und Gertraud als reiner Biobetrieb unter den Richtlinien der Bio Austria im Vollerwerb geführt. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus Anbau und Tierhaltung (Rinder, Geflügelfleisch und Eier) aus Eigenproduktion (z.B. Nudeln) und Imkerei werden für den Eigenbedarf verwendet oder ab Hof verkauft. „Wir leben von der Direktvermarktung. Teile unseres Bio-Getreides verkaufen wir an die Bäckerei Joast. Unsere Produkte erhält man aber auch in den SPAR-Märkten in Dölsach und Lendorf, beim COOP Pinzgau oder seit Kurzem auch bei FoodCoop Osttirol in der Tamerburg in Lienz.“
Biobauer Simon Pondorfer (rechts im Bild) mit Ernst Joast in der Getreidereinigungsanlage des Biohofes Oberhofer
ARGE-Mitglieder sind auch Marzell und Simon Pondorfer vom Biohof Oberhofer in Gödnach/Gemeinde Dölsach. Bio ist für die Pondorfers, wie Simon erläutert, eine echte Lebenseinstellung. „Wir arbeiten seit jeher biologisch.“ Papa Marzell hat für ihn eine Art Vorbildfunktion. „Er ist ein Spezialist“, sagt Simon, der den Hof gemeinsam mit seinen Eltern Marzell und Germana führt. Der Betrieb umfasst 16 ha Wald, 10,5 ha Wiesen sowie 8 ha Ackerflächen und 12 ha Almen. Zum Hof gehören weiters durchschnittlich 25 Stück Vieh, vorrangig Pinzgauer Mutterkühe mit Kälbern und Nachzuchtkalbinnen. Die Bio-Produktpalette des Betriebes ist breit gefächert und reicht u.a. von frischem Rindfleisch über Gemüse, Kartoffeln, Frischobst, Fruchtsäften und Edelbränden bis hin zu Milchprodukten, Mais und Bio-Getreide (Gerste, Dinkel, Roggen, Hafer, Weizen). In der hofeigenen Getreidereinigungsanlage, übrigens der einzigen in Osttirol, wird das am Hof geerntete Korn sortiert und aufbereitet. Zu den Pondorfers liefern aber auch alle anderen ARGE-Mitglieder ihr Getreide, ebenso wie Bauern aus dem gesamten Bezirk und aus dem angrenzenden Südtirol. „Rund 300 Tonnen Getreide werden pro Jahr bei uns in gute, mittlere und schlechtere Qualität sortiert und gereinigt. Circa 50 Tonnen verarbeiten wir auf Kundenwunsch auch weiter“, nennt Simon abschließend Zahlen. „Die guten Qualitäten werden von den Bauern entweder als ganzes Korn oder vermahlen verkauft, die schlechteren an Tiere verfüttert.“
Die ARGE der Osttiroler Biogetreidebauern zählt aktuell 12 Mitglieder, als Obmann fungiert Franz Perfler aus Leisach. Bei gutem Ertrag werden von den ARGE-Mitgliedern pro Jahr und je Hektar rund 2,5 bis 3 Tonnen Bio-Dinkel, rund 6 Tonnen Bio-Weizen und 3,5 Tonnen Bio-Roggen geerntet. Das Getreide der ARGE Osttiroler Biogetreidebauern wird zum größten Teil ab Hof vermarktet. An die Bäckerei Joast gehen jährlich rund 20 Prozent des gesamten Ertrages. Sie werden in der Joast-Backstube vermahlen und zu Bio-Broten weiterverarbeitet. Etwa dieselbe Menge wird an die Genossenschaft Bioalpin verkauft und als „Bio am Berg“-Produkte vertrieben. Weiters bieten auch selbstständige Lebensmittelhändler im Bezirk (wie die SPAR-Märkte Sprenger/Ainet, Degetz/Dölsach, Linder/Heinfels und Sillian, Kofler/Abfaltersbach, Ganner/Assling oder ADEG Hanser/Virgen und ADEG Mair/ Lienz) die Produkte der ARGE zum Kauf an.
Die Mitglieder der ARGE Osttiroler Biogetreidebauern sind Familie Monika und Heinz Bachlechner (vlg. Ortner), 9782 Nikolsdorf 32, Familie Silvia und Bernhard Astner (vlg. Fohlenhof), Lengberg 16, 9782 Nikolsdorf, Familie Melanie und Stefan Maier (vlg. Brenner), Görtschach 14, 9991 Dölsach, Familie Gabriela und Robert Plankensteiner (vlg. Waldner), Görtschach, 9991 Dölsach, Familie Simon Pondorfer (vlg. Oberhofer), Gödnach 7, 9991 Dölsach, Familie Andrä Mair (vlg. Wastl), Stribach 1, 9991 Dölsach, Familie Karin und Michael Halbfurter (vlg. Hanser), Stribach 7, 9991 Dölsach, Familie Erika und Killian Brugger (vlg. Riedl), Patriasdorf 18, 9900 Lienz, Familie Gertraud Kurzthaler und Philipp Gstinig (vlg. Großpreinberger), Oberdrum 31, 9903 Oberlienz, Familie Brigitte und Thomas Amort (vlg. Wutzer), Seebachstraße 11, 9907 Tristach, Familie Klothilde und Georg Meindl (vlg. Meixner), Brunnenstraße 33, 9908 Amlach und Familie Franz Perfler (vlg. Moar), 9909 Leisach 23
Text: J. & E. Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger