Alois Weiskopf – der kreative Bildhauer aus dem Virgental

Alois Weiskopf, Jahrgang 1961, ist seit 1982 als freischaffender Holzbildhauer tätig. Derzeit restauriert er die Petrus-Statue aus Lindenholz vom alten Schmiedler-Haus in Obermauern.

Im Virger Ortsteil Marin ist Alois mit vier Geschwistern aufgewachsen. Schon in den Generationen vor ihm gab es unter den Weiskopfs immer wieder Künstler, insbesondere Maler. „Zu diesen gehörte auch Sr. Luca, die mit 17 Jahren Virgen verließ, um in Paris Malerei zu studieren. Später trat sie in ein Kloster ein und arbeitete unter anderem für den Vatikan. Mit 93 Jahren malte sie ihr letztes Bild, mit 102 Jahren ist sie in Rom verstorben. In Grottaferrata nahe Rom kann man ihre Werke heute noch in einer Galerie bestaunen“, erzählt Alois von einer berühmten Vorfahrin.

 

 

Sein eigenes künstlerisches Talent wurde, wie er berichtet, bereits in der Pflichtschule erkannt. „Als Kind habe ich viel gezeichnet und mich daheim auch als Schnitzer versucht. In der Polytechnischen Schule mussten wir eine Maske schnitzen. Meine gefiel unserem Lehrer so gut, dass ich für ihn das restliche Schuljahr ein Schachspiel aus Holz anfertigen durfte.“

 

 

Nach der Pflichtschule besuchte Alois die Fachschule für Bildhauerei in Elbigenalp bei Prof. Rudolf Geißler-Moroder. 1982 machte er sich als Holz- und Steinbildhauer selbstständig und richtete sich zunächst in Matrei ein eigenes Atelier ein. Seit 1992 arbeitet er in seinem Atelier im Virger Gemeindehaus am Dorfplatz. „Auch in meinem Wohnhaus in Prägraten steht mir eine Werkstatt zur Verfügung. Von Mai bis Oktober arbeite ich gerne auch in meinem kleinen Ausstellungsraum bei den Umbalfällen nahe der Islitzer Alm.“

 

 

Reduziert und schlicht – so beschreibt der Künstler aus dem Virgental seinen Bildhauer-Stil. Vornehmlich arbeitet er mit Zirbenholz, früher hat er sich auch manchmal in der Steinbildhauerei versucht. „In jungen Jahren hat mich zunächst der sogenannte Moroder-Grödner-Stil geprägt. Ich probiere aber ständig Neues aus und arbeite heute auch an abstrakten Figuren. Die Bildhauerei ist für mich wie eine Sucht. Wenn ich zwei Tage nicht in mein Atelier oder in die Werkstatt komme, werde ich unruhig.“

 

 

Alois Weiskopf ist passionierter Jäger und wird deshalb auch von den „großen und kleinen Wundern der Natur“ inspiriert. „Ob Blumen, Tiere, der herbstliche Lärchenwald, die Umbalfälle oder der Gletscherfluss Isel – wenn andere nur vorbeilaufen, fertige ich ein Foto an und nehme es zur Arbeit in der Werkstatt mit.“ Als eines der wichtigsten Werke des Iseltaler Bildhauers gilt der St. Ägidius-Zyklus, ein Glockenspiel mit 17 Figuren in der Stadtpfarrkirche St. Ägid in Klagenfurt.

 

 

Gemeinsam mit Michael Lang, Michael Fuetsch und Virgil Fuetsch hat Alois auch den Kreuzweg von Virgen nach Obermauern künstlerisch gestaltet. „Eines meiner Lieblingsprojekte war und ist die Hubertus-Kapelle im Prägratner Ortsteil Ströden.“ Ausgestellt hat Alois Weiskopf unter anderem schon im Tirolerhaus in Wien/Schönbrunn sowie in den belgischen Städten Antwerpen und Mechelen.

 

 

Derzeit arbeitet der Iseltaler Bildhauer an der Petrus-Statue vom alten Schmiedler-Haus in Obermauern. „Es handelt sich um eine besonders beeindruckende, Jahrhunderte alte Bildhauerarbeit. Der Künstler ist zwar unbekannt, es muss aber ein großer Meister gewesen sein, der dieses außergewöhnliche Werk geschaffen hat. Ich trage die gesamte alte Fassung schonend ab und baue sie dann wieder auf. Fehlende Teile – wie z.B. an den Fingern oder am Buch – werden ergänzt“, erklärt Alois, der bei diesem Projekt eng mit dem Bundesdenkmalamt zusammenarbeitet.

 

 

„Am liebsten arbeite ich frei. Das heißt, ich habe ein Thema im Kopf und gehe dann daran, das Motiv in Holz umzusetzen. Wenn es ein Auftraggeber wünscht, fertige ich aber auch verschiedene Entwürfe an. Bildhauer zu sein, ist für mich Lebensinhalt und Berufung zugleich. Ich bin sehr glücklich, dass ich den Beruf des Holzbildhauers in meiner Heimat ausüben kann“, meint er abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Brunner Images

15. April 2022 um