Das Pfleghaus in Anras: Neues Leben in alten Mauern

Aus dem Anraser Pfleghaus soll ein lebendiges Kultur- und Veranstaltungszentrum werden. Auch die Gemeindeverwaltung bezieht in diesem traditionsreichen Haus ihre Amtsräume.

Der alte Gerichts- und Verwaltungssitz in der Pustertaler Gemeinde Anras wird derzeit aufwändig saniert und renoviert. Seit 1990 ist der Großteil des Pfleghauses im Eigentum der Messerschmitt Stiftung. Das Land Tirol mietete den renovierten Teil 1994 und stellte ihn der Gemeinde Anras für kulturelle Zwecke zur Verfügung. In der Folge entwickelte sich ein reger Kulturbetrieb. Seit 2013 ist das Pfleghaus geschlossen, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde. 2019 beschlossen das Land Tirol, die Landesgedächtnisstiftung und die Messerschmitt Stiftung, das Pfleghaus vollständig zu renovieren. Gleichzeitig wurde ein Prozess eingeleitet, um dem Haus neues Leben einzuhauchen.

„Die Messerschmitt Stiftung wird das Erdgeschoß selbst nutzen. Hier entstehen Ferienwohnungen, geplant ist auch ein Café. Den übrigen Teil mietet die Gemeinde Anras auf 50 Jahre. Im ersten Stock wird künftig die Gemeindeverwaltung untergebracht. Der 2. Stock und das Unterdach werden für kulturelle und museale Zwecke sowie als Veranstaltungszentrum genutzt“, erklärte Bgm. Johann Waldauf am Freitag, 21. Mai, im Bischofszimmer des Pfleghauses. Dort wurde an diesem Tag der Trägerverein „Anraser Pfleghaus“ gegründet. Dem Verein unter der Führung des Bürgermeisters gehören Obleute von Anraser Vereinen sowie drei kooptierte Mitglieder an.

„Wir wollen hier ein Kultur- und Begegnungszentrum schaffen, das weit über die Grenzen des Pustertales in die Europaregion Tirol ausstrahlt. Wichtig ist uns, dass hier wieder ganzjährig ein Kulturbetrieb stattfindet. Wir setzen dabei auf die Expertise, den Idealismus und die Leidenschaft der Anraser Bevölkerung. Mit Unterstützung des Landes Tirol und weiterer Initiativen und Institutionen wollen wir das Pfleghaus zu einem lebendigen und inspirierenden Kultur- und Veranstaltungszentrum entwickeln“, erklärte der Kommunikationsunternehmer Gottfried Unterweger. Der gebürtige Anraser lebt in Hamburg und hat gemeinsam mit Josef Mascher, Obmann des Anraser Kulturfensters, sowie Bgm. Johann Waldauf und Vize-Bgm. Josef Kollreider das neue Nutzungskonzept für das Pfleghaus entwickelt.

Insgesamt rund 2 Mio. Euro werden in die Renovierung und Sanierung des altehrwürdigen Hauses investiert. Die Landesgedächtnisstiftung übernimmt 450.000 Euro, die Kulturabteilung des Landes Tirol 700.000 Euro der Kosten. „Wir planen, bereits im Oktober 2021 mit den Amtsräumen der Gemeindeverwaltung in das Pfleghaus zu übersiedeln. Der Kultur- und Veranstaltungsbetrieb soll im Sommer 2022 starten, wenn die gesamten Bauarbeiten abgeschlossen sind“, berichtete der Bürgermeister.

Museale Ausstellungen, Künstler-Workshops, Lesungen, Konzerte, Vorträge und Diskussionsforen sollen im Anraser Pfleghaus dann genauso stattfinden wie Schulungs- und Fortbildungsveranstaltungen. „Fix eingeplant ist auch schon ein 3-Länder-Seminar für Alte Musik in Zusammenarbeit mit dem Verein Cantare et Sonare. Ab dem Sommer 2022 soll hier ein überregional ausstrahlendes, multithematisches und vor allem auch generationsübergreifendes Programm angeboten werden. Wir wollen aus dem Pfleghaus einen Ort der Begegnung machen und gleichzeitig eine Plattform für den Austausch von Meinungen und Ideen schaffen“, so Gottfried Unterweger.

Mit dem neuen Kultur- und Veranstaltungszentrum im Pfleghaus soll an das traditionell rege Kulturleben in der Gemeinde Anras angeknüpft werden. „Hier soll ein Ort entstehen, der die Lebenslust, die Kreativität und Phantasie der Menschen beflügelt. Wir wollen mit unserem Konzept vor allem auch die kulturelle Identität der Region stärken und die historischen Verbindungen zu den Nachbarregionen – vor allem auch zum Südtiroler Pustertal und zur Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino – beleben. Außerdem leisten wir damit einen Beitrag zum Qualitätstourismus“, betonte Gottfried Unterweger, der künftig auch als Geschäftsführer des Trägervereins fungiert.

 

Text: Raimund Mühlburger, Foto: Osttirol heute/Mühlburger

22. Mai 2021 um