Großkirchheim: Lilian Mattuschka und Max Seibald stellen im „My Space 192” aus
„UN-BEDINGT“ nennen Lilian Mattuschka und Max Seibald ihre Schau, die am Samstag, 29. Juli, in der Galerie „My Space“ in Döllach eröffnet wird.
Welchen Stellenwert hat es in einer zunehmend digitalisierten Welt noch, Kunst am eigenen Leib zu erfahren? Kunst entsteht zum Teil schon am Computer, Kunst wird zum Teil am Computer konsumiert. Reicht das, um Kunst zu erfassen? Nicht ganz. Diese neuen Prozesse und Wege brauchen unbedingt ein Pendant.

Die österreichisch-italienische Künstlerin Lilian Mattuschka spürt in akribischer Handarbeit dem Lebendigen im Holz nach und folgt den Knoten des Lebens, lässt daraus ein Kettenglied nach dem anderen entstehen. IN MEDITATION – diese Serie der Ketten ist aus dem Bedürfnis der Künstlerin heraus entstanden, die eigenen Machtlosigkeit zu überwinden, sie war eine Reaktion auf die politische und kulturelle Stagnation, die sie um sich herum wahrgenommen hatte. Soziales Verhalten und gesellschaftliche Normen beschäftigen die Künstlerin seit vielen Jahren, mit ihren WEAPONS OF PERFECTION macht sie unsichtbare Fesseln und Hürden deutlich.
Lilian Mattuschka wurde 1989 in Wien geboren und lebt seit ihrem zweiten Lebensjahr in der italienischen Toskana. Sie studierte Schmuckdesign an der „Alchimia Contemporary Jewellery“ in Florenz, die sie 2016 mit einem Master in Fine Arts abschloss. Aktuell absolviert sie den Lehrgang „Art & Economy“ an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. 2022 wurde sie mit dem „Eligius-Preis für Körperschmuck und Schmuckobjekte“ ausgezeichnet.

Während Lilian Mattuschka mit ihren Körperskulpturen gesellschaftliche Räume und Rahmenbedingungen sprengt, schafft Max Seibald mit seinen HOHLFORMEN neue Räume und eröffnet damit neue Perspektiven.
Der 1968 geborene und im Großglockner-Gebiet aufgewachsene Bildhauer studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und an der IUAV in Venedig, seine Arbeit führte ihn durch ganz Europa, aktuell lebt und arbeitet er in Wien und Kärnten. Konsequent hat er sich in den letzten Jahren jenem Material gewidmet, das in seiner Umgebung wächst, und hat in seinen Hohlformen die von der Natur vorgegebene Linie des Holzes in eine künstlerische Form übersetzt.

Lilian Mattuschka und Max Seibald verbindet auf den ersten Blick das Material, aus dem sie ihre Skulpturen schaffen. Holz ist das verbindende und für beide naheliegende Element. Beide sind mit der Natur aufgewachsen und haben einen starken Bezug eben zu jenem Material, das sie in ihrer unmittelbaren Umgebung finden und das für viele als Abfall und somit wertlos scheint, in der künstlerischen Arbeit jedoch eine neue Wertigkeit erlangt.
Für beide ist auch die handwerkliche Komponente ihres Kunstschaffens elementar. Schritt für Schritt legen sie Schichten frei, lassen sich vom ursprünglichen Wuchs eines Astes oder Stammes leiten, um dessen Ausprägungen durch die bildhauerische Intervention formal zu übersteigern.
In der Ausstellung UN-BEDINGT begegnen die Skulpturen der beiden einander auf verschiedenen Ebenen. Während Lilian Mattuschkas Ketten von der Decke hängend eine gewisse Schwerelosigkeit suggerieren, präsentieren sich die Formen von Max Seibald am Boden liegend in einer Leichtigkeit, die im Kontrast zur tatsächlichen Größe und Schwere steht.
UN-BEDINGT – Ausstellung Lilian Mattuschka und Max Seibald
My Space 192 in Döllach, 9843 Großkirchheim
Vernissage: Samstag, 29. Juli 2023, 19.30 Uhr
Dauer: bis 1. September 2023, Mittwoch bis Freitag, 16.00 bis 19.00 Uhr
Text: Redaktion, Fotos: Elias Bachmann, M. Seibald