Selbsthilfe Osttirol: 4. Praxistag „Demenz“ in Lienz stieß auf reges Interesse
Rund 70 Interessierte nutzten am Samstag, 20. September, den Praxistag, um sich über die vielschichtige Erkrankung Demenz und den Umgang mit den damit verbundenen Herausforderungen zu informieren.
Bereits zum vierten Mal fand der Praxistag „Demenz – den Alltag meistern“ in der Landwirtschaftlichen Lehranstalt Lienz statt.
Rund 70 Interessierte, viele davon sind Angehörige eines demenzkranken Menschen, nutzten die kostenlose Möglichkeit, sich zu informieren und auszutauschen. „Ich bin nicht allein mit meinen Gefühlen und mit all den täglichen Herausforderungen.“ Diese Erkenntnis kann bereits entlastend wirken. Angehörige erleben Ratlosigkeit, Trauer, manchmal Wut – und sie müssen lernen, den Kontakt und die Beziehung mit der erkrankten Person neu zu gestalten.
Was bedeutet ein Leben mit Demenz?
Oft ist zu hören, durch Demenz würden Menschen wieder zu Kindern werden. Das wird den Betroffenen, die mit einem reichhaltigen Erfahrungsschatz leben, nicht gerecht. Im Eröffnungsvortrag stellte Stefan Sumerauer eine andere Perspektive vor. Er lud ein, sich auf den „Urmenschen in uns“ zu besinnen und irritierende Verhaltensweisen von demenziell erkrankten Menschen anders einzuordnen.
Anschließend verteilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Workshops, bei denen in kleinen Gruppen viel hilfreiches Wissen unter anderem zu Fragen wie diesen vermittelt wurde: Was ist Demenz eigentlich und wie verläuft sie? Wie spreche ich mit meiner demenzkranken Mutter? Wie kann ich als Angehörige bei Kräften bleiben? Was ist eine demenzfreundliche Umgebung zu Hause? Wie kann das Wohlbefinden meines demenzkranken Vaters durch Berührung und Düfte gesteigert werden? Wie begegne ich dem herausfordernden Verhalten meines demenziell veränderten Partners? Was kann Zuversicht geben?
„Angehörige betreuen vorwiegend emotional. Und das zerrt an ihren Nerven“, sagt Workshopleiterin Daniela Meier. Sie ist Obfrau der „Selbsthilfe Tirol – Zweigverein Osttirol” und Pflegedienstleiterin im Wohn- und Pflegeheim Lienz. „Die größte Herausforderung für Angehörige ist sicher, das Verhalten und die Worte der demenzkranken Person nicht persönlich zu nehmen.“
Obfrau Daniela Meier und Brigitta Kashofer informierten am Stand der Selbsthilfe Osttirol.
Die passende Unterstützung finden
In der Mittagspause konnte man sich nicht nur beim Essen stärken, sondern auch die zahlreichen Informationsstände besuchen. Der Praxistag Demenz wird von einem breiten Netzwerk an Organisationen getragen, die in der Region vielfältige Unterstützungsangebote bereitstellen und eine verlässliche Stütze für Betroffene und Angehörige sind. Die individuelle Beratung an den Infoständen wurde gern in Anspruch genommen.
„Nach wie vor ist es für viele Menschen schwierig, rechtzeitig professionelle Hilfe zu holen“, berichtet Daniela Meier. „Der Praxistag Demenz ist eine ideale Möglichkeit, in Kontakt zu kommen und zu erkennen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Unterstützung in Anspruch zu nehmen, sondern im Gegenteil die Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen wesentlich verbessert werden kann.“
Positives Feedback bestärkt
Wie hilfreich dieser Tag voll Information und Austausch ist, zeigen eindrucksvoll die Kommentare auf den Feedbackbögen. Hier exemplarisch zwei Aussagen:
„Es tut einfach gut zu merken, dass man nicht allein ist – so viele andere Angehörige haben ähnliche Fragen und Sorgen. Das gibt uns Halt und entlastet enorm.“
„Der Praxistag ist unglaublich hilfreich – an einem Ort findet man alles, was man sonst mühsam zusammensuchen müsste: Angebote, Anlaufstellen und vor allem Menschen, die wirklich verstehen.“
Text: Redaktion, Fotos: Selbsthilfe Osttirol


