LH Günther Platter: „Lage auf den Tiroler Intensivstationen verschärft sich!“
Die Zahl der Covid-Positiven hat sich in Tirol innerhalb von drei Wochen vervierfacht. Die Verantwortlichen rufen einmal mehr zum Impfen auf. Ausreisetestpflicht in zwei Tiroler Bezirken.
Lag die Zahl der aktiv Positiven in Tirol vor drei Wochen noch bei 890, ist diese am Mittwoch, 3. November, mit über 3.600 vier Mal so hoch. Die Zahl der Covid-PatientInnen, die in Tirols Krankenanstalten betreut werden müssen, hat sich in den vergangenen drei Wochen von 61 auf 119 knapp verdoppelt. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklungen und der aktuellen Impfquoten informierte LH Günther Platter gemeinsam mit Gesundheitslandesrätin Mag. Annette Leja, dem Leiter des Einsatzstabes Corona Elmar Rizzoli und Professor Dr. Günter Weiss, Direktor der Inneren Medizin der Klinik Innsbruck, zu den aktuellen Entwicklungen rund um die Covid-Impfungen bzw. das Infektionsgeschehen in Tirol.
Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt die dritte Covid-Impfung als wesentlichen Teil der Grundimmunisierung allen Personen ab 18 Jahren, die vor mindestens sechs Monaten ihre zweite Teilschutzimpfung erhalten haben. Terminbuchungen für die dritte Impfung sind ab sofort über www.tirolimpft.at möglich. Zudem wird es auch zu Ausreisetestverpflichtungen in Tirol kommen: In den Bezirken Landeck und Reutte gelten diese ab Freitag, 5. November. Um das PCR-Testangebot zu forcieren, werden PCR-Gurgeltests in Tirol großflächig implementiert.
Dritte Impfdosis für umfassenden Schutz
„Auch wenn sich viele fragen, warum das Infektionsgeschehen trotz vieler Covid-Impfungen in Tirol derart dynamisch ist – die Impfquote liegt derzeit bei 63 Prozent der Gesamtbevölkerung – zeigen die Entwicklungen auch: In vielen Ländern mit höherer Impfrate ist die epidemiologische Lage entspannter. Länder, die die dritte Impfung nicht forcieren, haben eine höhere Sterblichkeit an Covid-PatientInnen (vor allem bei der vulnerablen Bevölkerungsgruppen), und die Inzidenzen bei Nicht-Geimpften sind weitaus höher als bei Geimpften“, betonte der Landeshauptmann und plädierte einmal mehr, sich impfen zu lassen: „Nur durch die Impfung können wir die Pandemie bewältigen. Ich habe kein Verständnis für Impfverweigerer – das ist verantwortungslos.“
Verschärfte Maßnahmen
„Wir haben mit der Maßnahmen-Verschärfung ab 8. November aktiv gehandelt, noch bevor die vom Bund vorgegebenen Schwellenwerte der Stufe zwei erreicht wurden. Mit dem Fokus auf die Drittimpfungen und den Ausreisetestverpflichtungen setzen wir weitere konkrete Schritte, um den Gesundheitsschutz und die Viruseindämmung zu forcieren. Dabei gilt: Für Geimpfte sollen die Einschränkung weiterhin so gering wie möglich bleiben. Vor allem für ältere Menschen kann eine Covid-Infektion ein hohes gesundheitliches Risiko mit sich bringen. Knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen haben in Tirol bereits die dritte Impfung erhalten“, so Platter.
„Auch wenn der Grüne Pass bei vielen Menschen noch länger gilt: Wir appellieren eindringlich an alle, sich ihre weitere Impfdosis bereits nach sechs Monaten abzuholen und nicht zu warten. Wer wartet, riskiert eine geringere Schutzwirkung“, betonte Gesundheitslandesrätin Annette Leja. Personen, die einmal mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson geimpft wurden, werden aufgerufen, sich schnellstmöglich (frühestens 28 Tage nach der ersten Impfung) eine weitere Impfdosis abzuholen.
Hospitalisierte Geimpfte haben meist schwächere Immunantwort
Professor Dr. Günter Weiss: „Fakt ist: Die Impfung schützt sehr gut vor einer schweren Erkrankung – und damit vor Hospitalisierungen und Tod. Das haben wir im Frühjahr gesehen, als wir nach Einführung der Impfung rasch keine PatientInnen mehr aus Altenheimen zu verzeichnen hatten. Aktuell geimpfte Hospitalisierte sind oft älter oder haben Erkrankungen und damit eine schlechtere Immunantwort. Eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es in der Medizin nicht – aber in 80 bis 90 Prozent der Fälle werden schwere Verläufe durch die Impfung vermieden.“
Von Antigen- zu PCR-Testungen
Als wesentliche Maßnahme und entsprechend der aktuellen Entwicklungen – ab Stufe 3 des Bundes werden Antigen-Tests nicht mehr als Nachweis gelten – wird im Laufe des Novembers das Tiroler Testsystem adaptiert: Ab 12. November werden alle Antigen-Teststationen auf PCR-Testungen umgestellt. Zusätzlich werden in der zweiten Novemberhälfte PCR-Gurgeltests in Tirol implementiert. Die PCR-Testkits werden über entsprechende Stellen – beispielsweise im Lebensmitteleinzelhandel – ausgegeben und an bis zu 200 Sammelstellen wieder abgeholt.
„Die Menschen können sich damit PCR-Tests-Kits abholen, zuhause gurgeln und den Test bei einer Sammelstelle wieder abgeben. Das Ergebnis wird in der Regel innerhalb von 24 Stunden vorliegen“, erklärte Elmar Rizzoli und betonte, dass „die Adaptierungen beim Testangebot in Tirol unter Berücksichtigung des Stufenplans des Bundes und der darin vorgesehenen Maßnahmen, der weiteren Entwicklungen, einer bundesweiten Abkehr von Antigen-Tests sowie der Kapazitäten und der bisherigen und zuletzt geringen Auslastung von Antigen-Teststationen getroffen wurden.“ So sind bereits ab der bundesweiten Stufe 2, die mit 8. November in Kraft tritt, Antigen-Selbsttests generell nicht mehr gültig.
Text: Redaktion, Foto: Land Tirol/Pölzl