BKH Lienz: Passable Bilanz trotz erhöhter Aufwendungen und Einnahmenausfällen
Im Ergebnishaushalt wird ein Minus von 4,2 Mio. Euro ausgewiesen. Die Eigenkapitalquote ist mit 65,6 % hoch. Neue Infektions- und Isolationsstation einstimmig beschlossen.
„2020 war für alle MitarbeiterInnen und Funktionäre des Gemeindeverbandes BKH Lienz ein durchaus herausforderndes Jahr: Basierend auf einer sehr guten Bilanzentwicklung 2019 hat auch dieses sehr positiv begonnen. Nach dem Übergreifen der Covid-19-Epidemie auf Europa mussten bereits im Februar entsprechende Weichen für die Bewältigung dieser Krise gestellt werden: Ein Krisen- und Einsatzstab wurde hochgefahren, und der Ärztliche Direktor Prim. Dr. Martin Schmidt wurde zum Einsatzkoordinator bestellt“, heißt es in einer Aussendung des Bezirkskrankenhauses Lienz zur Jahresrechnung 2020. Der Gemeindeverband genehmigte die Jahresrechnung und entlastete Verbandsobmann Bgm. Dr. Andreas Köll.
„Durch den 1. Lockdown Mitte März 2020 mussten kurzfristig sämtliche elektiven Patiententermine und zahlreiche Operationen verschoben werden. Das Wiederhochfahren des Normbetriebes – beginnend ab etwa Ende Mai 2020 – hat sich als große Herausforderung herausgestellt. Die Leistungserbringung ist nicht nur in der Intensivphase deutlich eingebrochen, sondern konnte auch in den Folgemonaten nicht aufgeholt werden. Die stark steigenden Infektionszahlen in Osttirol sowie der 2. Lockdown im November 2020 haben neuerlich zu deutlich weniger Patienten und Frequenzen geführt“, fasst der Verbandsobmann das schwierige Jahr zusammen.
Mitten in der Pandemie hat Osttirol und somit auch das Krankenhaus Lienz Anfang Dezember auch noch ein Starkschneeereignis ereilt: Durch die Sperre vieler Täler mussten MitarbeiterInnen in Lienz übernachten oder früher von ihren Wohnorten anreisen.
Das neue Institut für Gesundheitsbildung (IGB) soll gegen Jahresende 2021 fertiggestellt werden und wird Heimat für rd. 140 PflegeschülerInnen und StudentInnen der FH Gesundheit sein. Auch ein eigener Betriebskindergarten mit 400 m² Fläche ist geplant. Das Osttiroler Kinderbetreuungszentrum möchte hier ab 2022 (nach einer entsprechenden Bedarfsanalyse im heurigen Sommer) künftig sogar eine 24-h-Betreuung für Kinder der über 1.300 MitarbeiterInnen der beiden Gemeindeverbände WPH Osttirol (Standort Lienz) und BKH Lienz anbieten.
Visualisierung: Architekturbüro Machne&Glanzl Architekten ZT GmbH, Lienz/Innsbruck
Der Jahresabschluss 2020 im Überblick
Die ausgabenwirksamen Aufwendungen sind – trotz deutlicher Mehraufwendungen im Zusammenhang mit Covid – hauptsächlich aufgrund geringerer Personalausgaben sowie sonstiger betrieblicher Aufwendungen unter dem Budgetansatz geblieben. Für das Rechnungsjahr 2020 ergibt sich ein Betriebsergebnis von 2.113.700 Euro, in der Gewinn- und Verlustrechnung (Ergebnishaushalt) wird dieses mit minus 4.235.126 Euro ausgewiesen, wovon rund 1,5 Mio. Euro nicht ausgabewirksame Aufwendungen für Rückstellungen sowie 3 Mio. Euro an Abschreibungen enthalten sind.
Bodenwert von ca. 8 Mio. Euro
Das BKH Lienz hat mit 1. Jänner 2020 eine „freiwillige“ Eröffnungsbilanz erstellt, in der die bisher abseits der Kameralistik bereits geführte „Schatten-Bilanz“ den neuen Rechnungslegungsvorschriften angepasst wurde. In der Neubewertung ergibt sich ein Bodenwert aller BKH-Liegenschaften in Höhe von 8.027.001 Euro gegenüber dem bislang als „Erinnerungsposition“ angeschätzten Wert von 1.103.000 Euro.
Der Bestand an liquiden Mitteln hat sich sehr positiv entwickelt und von 1,8 Mio. Euro Ende 2019 im Laufe des Jahres 2020 auf 3,7 Mio. Euro gesteigert.
Die aktuelle Eigenkapitalquote für den Gemeindeverband BKH Lienz (auf Basis Nettovermögen bzw. Eigenkapital inklusive Investitionszuschüsse) beträgt 65,6 Prozent, der Verschuldungsgrad ist in der Jahresrechnung 2020 mit 34,4 Prozent ausgewiesen.
Neue Infektions- und Isolationsstation
Aufgrund der „Covid 19-bedingen“ fatalen Einnahmeentwicklung auch für das BKH Lienz im Rechnungsjahre 2020 entstand aus einer eingehenden Situations- und Risikoanalyse des Verbandsobmannes mit dem Ärztlichen Direktor die Idee einer ausgelagerten Infektions- und Isolationseinheit zur Behandlung aller PatientInnen mit übertragbaren Infektionskrankheiten. Ziel dabei sei es laut Aussendung, „zukünftig alle infizierten PatientInnen außerhalb des Haupttraktes des BKH Lienz in einem eigenen, neu zu errichtenden Zubau behandeln zu können“.
Nur durch die ausreichende Dimensionierung eines solchen Projektes könne in Zukunft ein jederzeit wieder erforderlich werdender „Lockdown“ auch des Osttiroler Krankenhauses nachhaltig vermieden werden. Dazu sollen 16 Betten der Abteilung für Innere Medizin verlagert und im Gegenzug aus bislang 5- und 4-Bettzimmern soweit möglich 3-Bettzimmer entstehen. Im Erfordernisfall können diese 16 Betten (Einzelzimmer) auf bis zu 32 (in Doppelzimmern) aufgestockt werden, wobei auch bis zu 6 (temporäre) Intensivbetten bei Akutbedarf „hochgefahren“ werden können. „Sollten diese nicht nur medizinisch, sondern auch von der Hotelkomponente her bestens ausgestatteten Zimmer temporär nicht durch PatientInnen mit Infektionskrankheiten genutzt werden, weil es keine entsprechenden Infektionslagen gibt, stehen sie als Einzelzimmer für SonderklassepatientInnen zur Verfügung“, heißt es in der Aussendung.
Die Umsetzung der geplanten Infektionsstation am BKH Lienz als direkter Anbau an das Haupthaus im Osten (Nachnutzung der bisherigen Krankenpflegeschule) wurde in der Gemeindeverbandsversammlung am 30. April 2021 einstimmig beschlossen. Pläne: Architekturbüro Machne&Glanzl Architekten ZT GmbH, Lienz/Innsbruck
Text: Redaktion, Foto: Martin Lugger