Unwetter: Sondereinsatzgruppe des Roten Kreuzes Osttirol übte den Ernstfall
An der SEB-Bezirksübung am Samstag, 12. Oktober, in Kartitsch beteiligten sich rund 30 Sanitäter:innen und weitere 60 Einsatzkräfte – unter ihnen auch Mitglieder des Weißen Kreuzes Innichen.
Nach einer langen Schönwetterphase gehen im Raum Sillian schwere Regenfälle und Unwetter nieder. Der Großteil der wichtigen Straßenverbindungen werden durch Hangrutschungen, Muren und Windbruch unpassierbar. Einzelne Ortschaften sind teilweise nicht erreichbar. Die B 100 nach Sillian ist stellenweise unterspült und nur einspurig befahrbar. Zeitweise ist für Sicherungsmaßnahmen auch eine Totalsperre notwendig.
Die Patientensammelstelle befand sich in St. Oswald
In St. Oswald findet seit gestern das Blasmusikfest Oberland statt. Auf dem Festgelände steht ein Zelt, das für 500 Gäste Platz bietet. Bei den ersten aufziehenden Gewittern wird das Festgelände geräumt. Noch bevor es alle Besucher verlassen haben, zerstört ein heftiger Sturm das Festzelt. Wie viele Menschen sich noch unter den Trümmern und umgestürzten Bäumen befinden, ist völlig unklar.
Betroffene werden in der Patientensammelstelle versorgt.
Bei dem Großeinsatz handelte es sich um eine Übung zur Ausbildung von Mitarbeiter:innen der Sondereinsatzgruppe (SEG) des Roten Kreuzes Osttirol. Rund 30 Sanitäter:innen und weitere 60 Einsatzkräfte (Notärzt:innen, Feuerwehr Kartitsch, Feuerwehr Sillian, Weißes Kreuz Innichen und Bergrettung Obertilliach) probten den Ernstfall und erarbeiteten dabei den Umgang mit Gerät und Material, das Betreiben einer Sanitätshilfestelle sowie die gleichzeitige Versorgung mehrerer Patient:innen. In den Wochen vor der Bezirksübung fand die theoretische SEG-Grund- und Spezialistenausbildung statt.
v.l.n.r.: Josef Ebner (Einsatzleiter FF Kartitsch), Daniel Petsch (Assistent Einsatzleiter Rotes Kreuz Osttirol), Benjamin Gasser (Einsatzleiter Rotes Kreuz Osttirol), Gerhard Fiegl (Einsatzleiter Bergrettung Obertilliach)
Ziel dieser Übung war es, die Patienten in Zusammenarbeit mit den Blaulichtorganisationen sowie mit Einhaltung der korrekten Befehlsketten aus dem Gefahrenbereich zu evakuieren und in den Behandlungsräumen der Sanitätshilfsstelle zu versorgen.
Den eintreffenden Rettungskräften bietet sich ein chaotisches Bild. Das Festzelt ist teilweise eingestürzt, aus dem noch stehenden Teil strömt dichter Rauch. Überall liegen Verletzte unter umgestürzten Tischen und schreien um Hilfe. Im Freigelände sind mehrere Bäume umgestürzt. Ein PKW wird von einem Baum getroffen, und drei Personen sind darin eingeklemmt. Mehrere Personen flüchten im Schock in einen angrenzenden Wald.
Philipp Kleinlercher (links) und Benjamin Gasser, die frisch gebackenen Einsatzleiter des Roten Kreuzes Osttirol
Nach einer Sichtung wird sofort mit den Bergemaßnahmen begonnen. Die Patienten werden nach ihrem Verletzungsgrad eingeteilt und versorgt. Die Feuerwehr kann den Brand rasch löschen und muss mit schwerem Gerät die eingeklemmten Personen im PKW befreien. Die Bergrettung kann mit Hilfe der eingesetzten Drohne die Lage aus der Luft erkunden und die vermissten Patienten finden.
In der sogenannten Patientensammelstelle werden alle 25 Betroffenen versorgt und für den Transport in ein geeignetes Krankenhaus vorbereitet. Bereits nach ca. 40 Minuten können die ersten Patienten abtransportiert werden. Nach Abtransport aller Patienten wird die Übung erfolgreich beendet.
Die Teams des Roten Kreuzes Osttirol und des Weißen Kreuzes Innichen während der Besprechung nach der SEG-Bezirksübung in St. Oswald
Text: Redaktion, Fotos: Ecaterina Tolicova, Valentina Erlsbacher, ÖRK Osttirol