Wissen wird mehr, wenn man es teilt
„Zusammen leben – zusammen halten. Gesellschaften gestalten“ – so lautete das Thema der diesjährigen „Universität im Dorf“, die in Außervillgraten vom 30. November bis 1. Dezember stattfand.
Der Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle eröffnete die diesjährige „Universität im Dorf“ und zeigte sich von diesem Format sichtlich begeistert.
Expert:innen aus den verschiedensten Bereichen der Universität Innsbruck setzten sich im Rahmen ihrer Forschung mit dem Thema der 22. „Universität im Dorf“ auseinander und ließen die Besucherinnen und Besucher in ebenso interessanten wie abwechslungsreichen Vorträgen im Haus Valgrata an ihrem Wissen und ihren Erkenntnissen teilhaben.
Mitglieder der ARGE „Universität im Dorf” und Referent:innen mit dem Tiroler Landeshauptmann am 30. November in Außervillgraten
Als erster Referent trat Alexander Weiss von der Biomedizinischen Alternsforschung der Universität Innsbruck ans Rednerpult. Er zeigte auf, wie ein gesunder Lebensstil im Alter nicht nur das eigene Leben bereichert, sondern auch die Gesellschaft positiv beeinflussen kann. Gesunde ältere Menschen tragen durch ihre Erfahrungen, ihre Teilnahme am sozialen Leben und ihr ehrenamtliches Engagement wesentlich zur Gemeinschaft bei und fördern das Zusammenleben. Darüber hinaus entlastet gesundes Altern auch das Pflegesystem. Krankenkassen und das Gesundheitssystem profitieren, wenn ältere Menschen auf weniger Unterstützung angewiesen sind. Präventive Maßnahmen und ein aktiver Lebensstil können nicht nur Kosten senken, sondern auch die Versorgung verbessern. In seinem Vortrag präsentierte Weiss auch Beispiele, wie Prävention gefördert werden kann – und warum dies sowohl das individuelle Wohlbefinden steigert, als auch dem sozialen und wirtschaftlichen Gefüge dienlich ist. Die Conclusio des Referates war offensichtlich: „Gesundes Altern ist nicht nur ein Gewinn für den Einzelnen, sondern ein Segen für die gesamte Gesellschaft!“
Mit dem Thema „Migration“ befasst sich Andreas Steinmayr vom Institut für Finanzwissenschaft in seiner Forschung. In der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion werde Migration, so der Wissenschaftler, oft als Problem gesehen, das es zu bekämpfen gelte, insbesondere durch Maßnahmen zur Abschreckung illegal einreisender Migrantinnen und Migranten. Gleichzeitig würden Europa und auch viele andere Teile der Welt einen weitreichenden demographischen Wandel erleben: Die Erwerbsbevölkerung schrumpfe, während der Anteil älterer Menschen stark zunehme. Steinmayr beleuchtete in seinen Ausführungen, wie diese beiden Entwicklungen miteinander verflochten sind und welche Rolle Migration in Zukunft in einer alternden Gesellschaft spielen könnte. Martin Senn und Dominik Duell vom Institut für Politikwissenschaft schlossen mit dem Thema „Neutralität“ den ersten Tag der „Universität im Dorf“ ab. Österreich ist seit 1955 ein neutraler Staat, seit 1995 ist es aber auch Mitglied der Europäischen Union und damit in eine Solidaritätsgemeinschaft eingebunden. Spätestens seit dem Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine und der „Zeitenwende“ in der Sicherheitspolitik habe sich, so die beiden Referenten, gezeigt, dass Neutralität und europäische Solidarität im Bereich einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in einem Spannungsverhältnis stehen. Wo genau diese Spannungspunkte zwischen Neutralität und Solidarität liegen und wie diese aufgelöst werden könnten, wurde in ihrem Vortrag thematisiert.
Auch Pater Georg Fischer SJ war dieses Jahr wieder in Außervillgraten und gestaltete die Vorabendmesse traditionsgemäß zum Thema der „Universität im Dorf“. Welche Kräfte und Werte können bewirken, dass Menschen miteinander in guter Gemeinschaft leben? Die biblischen Texte des 1. Adventsonntags würden dafür, so Pater Georg Fischer SJ, wertvolle Hinweise in mehreren Richtungen geben. „Sie betreffen die Dimension des Rechts, fruchtbare Haltungen für gelingende Beziehungen und die persönliche Lebensführung. Sie alle wirken inspirierend und orientierend bis heute.“ Nach der spannenden Podiumsdiskussion am Abend im Haus Valgrata gab es wie immer ein köstliches Buffet, bereitgestellt von den Ortsbäuerinnen des Dorfes. Viele intensive Gespräche entwickelten sich und konnten in gemütlicher Atmosphäre diskutiert werden.
Nachdem die diesjährige „Universität im Dorf” durch einige kurzfristige Ausfälle heuer ein etwas anderes Programm hatte, wurde der erste Vortrag am ersten Adventsonntag spontan von einem Mitglied der ARGE „Universität im Dorf” übernommen. Isolde Erricher-König stellte Zahlen und Fakten der Universität Innsbruck sowie den Bereich Wissenschaftsvermittlung vor und Marion Roth von der „Jungen Uni“ bereitete einen kleinen Musik-Workshop für alle Anwesenden vor. So wurde gemeinsam ein Vulkanausbruch nachempfunden, Musik gehört und geraten. Im letzten Referat der diesjährigen Veranstaltung beschäftigten sich Hannah Stauß, die online dazu geschalten wurde, und Vivienne Biedermann vom Institut für Psychologie mit dem Wechselspiel von Social Media, Persönlichkeit und Wohlbefinden. Die beiden Wissenschaftlerinnen gingen auch auf die Frage ein, wie spezifische Persönlichkeitsmerkmale die Risiken und Chancen im Umgang mit sozialen Medien beeinflussen.
Wie in den vergangenen Jahren wurde in der Volksschule Außervillgraten mit der „Jungen Uni im Dorf“ ein besonderes Highlight für Volksschüler:innen und Mittelschüler:innen aus der Umgebung gestaltet. Sie konnten zwei verschiedene Workshops besuchen und dabei u.a. testen, was ihr Temperament über sie verrät und wo ihre musikalischen Stärken liegen. Foto: Gemeinde Außervillgraten
Text: Redaktion, Fotos: © Toni Ausserlechner, Alphamedia Tirol GmbH/Stephan Hofmann