TAP-Süd stellt „Pionierinnen der Bergfotografie“ in den Fokus
Die virtuelle Ausstellung hat das Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst-Süd am Int. Frauentag 8. März online gestellt. In physischer Form ist sie vom 16. März bis 21. April im LUMEN am Kronplatz zu sehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es für Frauen nicht leicht, ein Geschäft zu führen, ein Handwerk auszuüben oder gar Alpinistin zu sein. Die Fotografie galt – ob des Gewichts der Ausrüstung und der „Gefährlichkeit“ der chemischen Prozesse wegen – als Männersache, ebenso wie das Besteigen von Bergen.
Blick vom Piz Sella/Bernina-Gruppe, Schweiz, 1898 (Fotografin: Elizabeth Main; Kulturarchiv Oberengadin/Samedan, Schweiz)
So findet man zu Beginn des Alpinismus und der Bergfotografie hauptsächlich selbstbewusste, finanziell unabhängige Frauen aus gutbürgerlichen oder adeligen Kreisen als Alpinistinnen und Fotografinnen. Ihre alpinen Erlebnisse in Bildern veröffentlichten sie oft unter Pseudonymen, dem Namen ihrer jeweiligen Ehepartner. Viele Fotografinnen arbeiteten in den Labors ihrer Ehemänner, wie Martha Attinger, Hanni Bernhard oder Rose Marie Schudel-Ingold, und fanden – bis auf Annoncen für ihr Handwerk in regionalen Zeitungen – kaum Beachtung.
Grindelwald/Schweiz, 1901 – ein unbekannter Mann klettert auf einer Holzleiter über eine Eisplatte (Fotografin: Gertrude Bell; Gertrude Bell Archive, Special Collection, Newcastle University)
Die wohl erste bekannte Bergfotografin war Franziska Möllinger (1817 – 1880) aus Trier, die 1836 als junge Frau nach Solothurn kam. Bereits 1844 erstellte sie Daguerreotypien des Berner Oberlandes und vertrieb diese als Lithografien. Eine der ersten Bergfotografinnen, die sich alpinistisch wie künstlerisch mit Vittorio Sella messen konnte, war Baronesse Giulia de Rolland (1842 – 1929), die 1893 bei der Ausstellung des CAI in Turin eine Bronzemedaille erhielt. Ihre Fotos sind allerdings verschollen.
Annie Smith Peck im Bergsteigeroutfit (im Foto-Studio), Mai 1911 (Fotograf: Unbekannt; Brooklyn College, Library Archives & Special Collection. The Annie Smith Peck Collection)
Viele der frühen Alpinistinnen wie Lily Bristow (1864 – 1935), Hermine Tauscher-Geduly (1843 – 1923) oder Miriam O’Brien (1898 – 1976) illustrierten umfangreiche Berichte über die Bergtouren ihrer Männer oder Bergkameraden mit selbst angefertigten Fotografien.
Die Aufzählung aller fotografierenden Alpinistinnen der Zeit zwischen 1865 und 1920 würde diese virtuelle Ausstellung von TAP-Süd sprengen. Vier wurden hier ausgewählt, wobei Elizabeth Main als hervorragende Fotografin, Alpinistin und „Begründerin“ des Winteralpinismus einen besonderen Platz einnimmt. Mit Gertrude Bell, Annie Smith Peck und Una May Cameron werden drei weitere Alpinistinnen, Reiseschriftstellerinnen und Frauenrechtlerinnen mit ihren Werken vorgestellt.
Torre Grande, Cinque Torri/Ampezzaner Dolomiten, 1929 (Fotografin: Una May Cameron; National Library of Scotland, Special Collection Cameron, Album 5-13)
Pionierinnen der Bergfotografie
Online abrufbar unter www.tiroler-photoarchiv.eu
In gedruckter physischer Form ist die Schau von 16. März bis 21. April 2025 im „LUMEN. Museum für Bergfotografie” am Brunecker Kronplatz zu sehen.
Text: Redaktion, Fotos: TAP-Süd