Stolzes Jubiläum: 75 Jahre Musikkapelle St. Johann im Walde

Zum 75-Jahr-Jubiläum blickt die Musikkapelle St. Johann nicht nur dankbar zurück, sondern auch optimistisch in die Zukunft. Der Festreigen zum Jubiläum beginnt an diesem Wochenende mit dem Jubiläumskirchtag.

Seit einem Dreivierteljahrhundert ist die Musikkapelle St. Johann im Walde ein prägender Bestandteil des Dorflebens in der Iseltaler Gemeinde. Was 1950 mit einfachen Mitteln und großem Idealismus begann, hat sich zu einem leistungsstarken und erfolgreichen Klangkörper entwickelt.

Bereits in den Jahren 1948/49 kam in St. Johann der Gedanke auf, eine eigene Musikkapelle zu gründen. Ortspfarrer Ferdinand Mair war es, der mit einigen Helfern den Anfang wagte. „Instrumente wurden damals mit viel Engagement und Einfallsreichtum finanziert – durch sprichwörtlich erbetteltes Holz, das geschlägert und verkauft wurde. Dank der großen Unterstützung aus der Bevölkerung konnte schon bald mit dem Ankauf der Instrumente begonnen werden“, weiß Luca Dallavia, der seit 2018 bei der Musikkapelle St. Johann den Taktstock schwingt, aus der Chronik zu erzählen. Seit dem Jahr 2020 hat Obmann Egon Klocker die organisatorische Leitung inne.

Im Herbst 1950 fanden die ersten Bläserübungen statt. Hans Maier, ein gebürtiger Südtiroler, übernahm die Ausbildung der jungen Musikanten und war zugleich der erste Kapellmeister. Noch im selben Jahr rückte eine kleine Bläsergruppe in der Heiligen Nacht zum Turmblasen aus – der erste offizielle Auftritt. Geprobt wurde anfangs im Pfarrhaus, später in Gasträumen des damaligen Wirtes (Hecht). Erst Jahre später erhielt die Musikkapelle einen Proberaum im Gemeindehaus zur Verfügung gestellt.

 

Die Musikkapelle St. Johann i.W. beim Musikfest 1958 in Huben

 

„Die ersten Marschproben fanden auf der Hauptstraße statt, was angesichts des geringen Verkehrs zur damaligen Zeit wohl kaum ein Problem gewesen sein dürfte“, schmunzelt der Kapellmeister. 1951 kehrte Hans Maier nach Südtirol zurück. In dieser schwierigen Phase übernahm Hans Payr, ehemaliger Kapellmeister von Kals, die musikalische Leitung. Er war Schneidermeister und sorgte mit einigen Frauen aus dem Ort dafür, dass die Kapelle ihre erste eigene Tracht erhielt. Die offizielle Vereinsgründung erfolgte schließlich am 27. März 1952, bei der konstituierenden Sitzung am 4. Mai wurde Alois Frandl zum ersten Obmann gewählt.

Einen großen Aufschwung erlebte die Kapelle ab 1957 unter Kapellmeister Heinrich Lottersberger, der sie fast zwei Jahrzehnte lang mit wenigen Unterbrechungen leitete. 1961 konzertierte die Musikkapelle erstmals außerhalb der Bezirksgrenzen – im für damalige Verhältnisse weit entfernten Millstatt in Kärnten. In den Jahren 1966/67 erfolgte der Wechsel auf die sogenannte „Normalstimmung“ – samt Neuanschaffung der Instrumente. Ermöglicht wurde dies durch Beiträge von Land, Gemeinde, Agrargemeinschaft, eine Haussammlung und einen zusätzlichen Kredit.

 

Die Musikkapelle mit der bekannten Schweizer Gruppe „Die Fäaschtbänkler“

 

 

Ab 1962 nahm die Kapelle regelmäßig an Wertungsspielen und Marschwertungen teil. In dieser Zeit lauschten auch bedeutende Persönlichkeiten wie Bundeskanzler Leopold Figl, Landeshauptmann Eduard Wallnöfer oder Kaisersohn Otto Habsburg bei Besuchen im Iseltal den Klängen der Kapelle. Heute besteht die Musikkapelle aus 44 aktiven Musikantinnen und Musikanten, drei Marketenderinnen sowie Ehrenmitglied und Ehrenkapellmeister Johann Oblasser, der den Klangkörper als Kapellmeister 25 Jahre lang maßgeblich geprägt hat.

„Durch die stetige Verbesserung der Ausbildung in den Musikschulen hat sich in den letzten Jahrzehnten die Qualität in den Musikkapellen enorm weiterentwickelt“, erklärt Luca Dallavia. Nachwuchssorgen kennt man in St. Johann keine – auch dank kreativer Projekte. „Dass so viele junge Menschen bei uns musizieren, ist in einem Dorf mit nur etwa 300 Einwohnern wirklich etwas Außergewöhnliches“, freut sich der Kapellmeister, der 2024 auch die Teilnahme am Videowettbewerb der „Fäaschtbänkler“ organisierte. Die Schweizer Gruppe hatte Musikkapellen aus dem deutschsprachigen Raum aufgerufen, ein originelles Video zu ihrem Song „Unsere Reise“ anzufertigen. Aus über 100 Einsendungen ging die Musikkapelle St. Johann als Sieger hervor.

Zu einem besonderen Highlight haben sich die „Klanglichter“ entwickelt, ein Kirchenkonzertformat, das der langjährige Kapellmeister Martin Wibmer vor einigen Jahren initiierte. Alle zwei bis drei Jahre stellt dieses Format die Musikkapelle St. Johann vor besondere Herausforderungen. Für das Publikum wird jeder dieser Abende zu einem klanglichen wie emotionalen Erlebnis. „In der Pfarrkirche St. Johann entfaltet das Zusammenspiel von Klang und Licht durch die besondere Bauweise eine ganz eigene Atmosphäre“, erzählt Kapellmeister Luca Dallavia. „Wir waren mit unseren Klanglichtern aber auch schon in der Familienkirche Lienz, in Dölsach und in Kals zu Gast.“

 

Die vom langjährigen Kapellmeister Martin Wibmer ins Leben gerufenen „Klanglichter“ entfalten vor allem in der Pfarrkirche St. Johann eine besonders beeindruckende Atmosphäre.

 

Wertungsspiele sind für den Kapellmeister ein wichtiger Gradmesser: 2022 erspielte die Kapelle in der Konzertwertung eine Goldmedaille mit Auszeichnung in der Stufe C. Im Vorjahr ging man erstmals in der Kategorie Polka/Walzer/Marsch an den Start und holte auf Anhieb eine Goldmedaille in der Stufe D.

Das Festprogramm zum diesjährigen 75-Jahr-Jubiläum startete am Pfingstsonntag, 8. Juni, mit einem festlichen Konzert unter dem Motto „Jubelklänge“. Am Sonntag, 22. Juni, folgt ein  „Jubiläumskirchtag“. Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres findet Anfang Juli statt: Am 4., 5. und 6. Juli richtet die Musikkapelle St. Johann das 71. Iseltaler Bezirksmusikfest aus.

 

Auch beim 34. Gesamt-Tiroler Landesjungschützenschießen sorgte die Musikkapelle St. Johann für schneidige Klänge.

 

Jubiläumskirchtag „75 Jahre Musikkapelle St. Johann im Walde“

Sonntag, 22. Juni 2025

10.00 Uhr: Heilige Messe und Prozession

12.00 Uhr: Konzert der Musikkapelle Hopfgarten

14.00 Uhr: Tanz und Unterhaltung mit der Gruppe „Weizenbläser“

 

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: EXPA/Johann Groder, Fotosammlung Josef Obertscheider, MK St. Johann, Martin Bürgler, Toni Ausserlechner

20. Juni 2025 um