Starkschneefälle: Osttirols Feuerwehren ziehen Bilanz

Das extreme Wetterereignis der vergangenen Tage hat die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren im Bezirk stark gefordert. 1.100 Florianis standen im Einsatz!

Mit Fortdauer, der am Freitag, 4.12., einsetzenden starken Niederschläge mussten bereits am Samstag, 5.12., die ersten witterungsbedingten Einsätze bewältigt werden. Ab diesem Tag bis einschließlich Freitag, 11.12.2020, zählte man im Bezirk Lienz 367 Einsätze der einzelnen Wehren! In diesem Zeitraum leisteten außerdem auch die Mitglieder der Bezirkseinsatzleitung, des Bezirksführungsstabes, der Bezirkszentrale sowie Mitglieder des Flugdienstes ihre für die Bevölkerung enorm wichtige Arbeit.

Speziell am Wochenende nach Beginn des Unwetterereignisses kam es in den einzelnen Abschnitten des Bezirkes zu Auswirkungen, die zu ganz unterschiedlichen Einsatzarten führten. Im Oberland, dem Iseltal sowie in Teilen des Abschnittes Lienz West fiel in erster Linie Schnee, wohingegen im Lienzer Talboden insbesondere am Samstag starke Regenfälle die Situation zusätzlich verschärften. Im Gemeindegebiet von Prägraten ging am Samstag, 4.12., eine Lawine ab, weshalb mehrere Haushalte durch die Feuerwehr evakuiert werden mussten. Auch in den Gemeinden Hopfgarten/Defereggen, Nußdorf-Debant, Nikolsdorf und Lienz führten am Wochenende Schlammlawinen und Hangrutschungen zu größeren Einsätzen, wobei auch hier Wohnhäuser zu evakuieren waren. Aufgrund der starken Regenfälle mussten am Mitterweg in Nußdorf-Debant zur Sicherung von Wohnanlagen vor Überflutung seitens der Feuerwehr enorme Einsatzmaßnahmen, u.a. mittels dreier Großraumpumpen, gesetzt werden.

 

 

Nach einer kurzen Wetterberuhigung am Montag, führten die neuerlich einsetzenden starken Schneefälle wieder zu einem Anstieg der Einsätze für die Feuerwehren in ganz Osttirol. Die stark ansteigende Schneelast erforderte in weiterer Folge auch die Absicherung von Gebäuden. So kam es u.a. in Assling zu einem Gebäudeeinsturz, glücklicherweise ohne dass Menschen zu Schaden kamen. Bei den teilweise vorliegenden hohen Schneelasten auf Dächern beschränkten sich die Aufgaben der Feuerwehren auf die eventuell erforderliche Evakuierung und Absperrung von gefährdeten Gebäuden. Die Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren wurden wie vorgesehen von den Gemeinden in Abstimmung mit Statikern festgelegt.

 

 

Während des Unwettereinsatzes wurden von den Feuerwehren u.a. Notstromversorgungen, die Sicherstellung des Digitalfunknetzes, Pumparbeiten, Absperrmaßnahmen und das Freiräumen von Verkehrsverbindungen, Unterstützungseinsätze für die TINETZ, für Gemeindeeinsatzeinleitungen und andere Einsatzorganisationen sowie Kontroll-, Erkundungs- und Transportfahrten durchgeführt. Die Einsätze der Feuerwehren wurden unter bestmöglicher Einhaltung der erforderlichen COVID-19 Maßnahmen abgewickelt. Dies stellte für die Florianis eine zusätzliche Herausforderung dar.

 

 

Über die Einsätze in Verbindung mit dem Wetterereignis hinaus waren die Feuerwehren des Bezirkes auch in die Abwicklung der COVID-19-Massentests sehr stark eingebunden. Der Erfolg der sicheren und effizienten Bewältigung der abgearbeiteten Einsätze ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass sich die Feuerwehren das ganze Jahr über ehrenamtlich auch auf derartige Ereignisse vorbereiten und umfangreiche Vorkehrungen in den Bereichen Ausbildung, Organisation und Bereitstellung von Einsatzmitteln treffen. Und letzten Endes trägt auch der starke Zusammenhalt und die Kameradschaft in den Feuerwehren zum Einsatzerfolg in derart fordernden Zeiten bei. Hier einige Stimmen aus dem Bezirk:

OBI Fabian Mair, Kommandant der FF Prägraten am Großvenediger:
„Mich haben in den vergangenen Tagen besonders der Zusammenhalt und die wirklich herausragende Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen tief beeindruckt. Gerade in Zeiten großer Herausforderungen hat sich wieder einmal gezeigt, dass auch die Hilfsbereitschaft unserer Bevölkerung einfach gewaltig ist. Auch hierfür mein persönlicher Dank. Und wenn die Lage zwischenzeitlich auch brisant war, so ist doch der Humor nie ganz verloren gegangen.“

BM Martin Unterweger, Sachgebietsleiter Funk im Bezirksfeuerwehrverband Lienz:
„Derartige Starkschneeereignisse stellen natürlich auch die Digitalfunkversorgung des Bezirkes vor große Herausforderungen. Dank der großartigen Zusammenarbeit und des guten kameradschaftlichen Kontaktes mit allen Beteiligten – seien es die Tiroler Landesregierung, die Bezirkshauptmannschaft Lienz, der Flugdienst des Bezirksfeuerwehrverbandes, aber auch die jeweiligen Feuerwehren im Aufstellbereich der Sendeanlagen – konnten für alle aufkommenden Herausforderungen rasche Lösungen gefunden werden. Die verantwortlichen Stellen werden dieses Ereignis sicherlich auch wieder nutzen, um die Ausfallsicherheit der Senderanlagen weiter zu verbessern.“

OBR Herbert Oberhauser, Bezirksfeuerwehrkommandant Lienz:
„Mir bleiben besonders das hohe Verantwortungsbewusstsein und die lösungsorientierte Eigeninitiative der Führungskräfte der Feuerwehren bis in alle Bereiche der Einsatzmannschaften in Erinnerung. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Feuerwehren sich nicht lange mit Problemen aufhalten, sondern wirklich effizient und rasch Lösungen entwickeln und umsetzen können. Die Bereitschaft unserer Mitglieder für den Katastrophenhilfsdienst war zum wiederholten Male herausragend, und ich bin dankbar, dass auch bei diesem Unwetterereignis alle Feuerwehrmitglieder gesund und sicher von den Einsätzen heimkehren konnten.“

BM Manfred Schorn, Bezirksführungsstab des Bezirksfeuerwehrverbandes Lienz:
„Dieses Ereignis hat uns nicht zuletzt auch aufgrund der COVID-19-Situation vor ganz besondere Aufgaben gestellt. So konnten wir unsere Stabsarbeit eben nicht in gewohnter Weise durchführen, sondern mussten teilweise über dezentrale digitale Lageführung und mit umgestellter Personalbesetzung neue Wege in der Stabsarbeit gehen. Mit der großartigen Unterstützung der Leitstelle Tirol, des Landesfeuerwehrverbandes Tirol mit der Plattform des FW-Portals ist es uns jedoch gelungen, auch diese Situation entsprechend zu bewältigen. Mich persönlich haben die hoch motivierte und qualitätsvolle Arbeit der Feuerwehrmannschaften vor Ort und die wiederum herausragende Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen wirklich sehr beeindruckt.“

 

 

HBI Lukas Reiter, Kommandant der FF Nußdorf-Debant:
„Vor allem der Einsatz in den sogenannten „Böden“ im Mitterweg stellte unsere Feuerwehr vor besondere Herausforderungen. Über drei Tage musste meine Mannschaft bei Schnee, Regen, Kälte und Nässe durchgehend im Einsatz stehen, um Schlimmeres zu verhindern. Der Dank aus der Bevölkerung war enorm, was u.a. durch die Versorgung mit heißen Getränken und Essen sowie durch Sach- und Geldspenden zum Ausdruck kam. Mein großer Dank gilt vor allem meiner Feuerwehr sowie auch den Nachbarfeuerwehren, welche uns während des Einsatzes und auch bei den Aufräumungsarbeiten tatkräftig unterstützt haben.“

 

 

AFK Franz Walder, Abschnittskommandant Oberland:
„Mein Dank gilt den Feuerwehren meines Abschnittes, die durch ihren pausenlosen Einsatz in den Gemeinden zum Schutz der Bevölkerungen Großartiges geleistet haben. Der Aufgabenbereich erstreckte sich von der Unterstützung der Gemeinden beim Freimachen von Straßen und Entfernen von umgestürzten Bäumen, über Dachsicherungsarbeiten bis hin zur Mithilfe beim Freimachen der Leitungen der TINETZ. Abschließend möchte ich mich noch bei meinen Feuerwehren für die Aufrechterhaltung des Betriebs der Digitalfunk- und Sendeanlagen bedanken.“

OBI Hans Obererlacher, Kommandant der FF Obertilliach:
„Wir sind Schneemengen in dieser Form gewohnt. Ein riesiges Problem stellten aber die veralteten Strommasten dar, weshalb unsere Einsatzkräfte tagelang die Notstromversorgung aufrechterhalten mussten. COVID-19-bedingt waren im heurigen Jahr nur sehr wenige Gäste im Ort. Normalerweise befinden sich zu dieser Jahreszeit auch sehr viele BiathletInnen mit ihren Betreuerstäben in Obertilliach. Diese Situation hätte uns dann sicherlich vor noch größere Herausforderungen gestellt.“

 

 

BFI Franz Brunner, Bezirksfeuerwehrinspektor Lienz:
„Bei derart extremen Ereignissen macht sich die gute Organisation und Vorbereitung im Vorfeld, wie z.B. die Vorhaltung von Großpumpen, Stromerzeugern u.a., bezahlt. Die zahlreichen Straßensperren waren in einigen Bereichen der Talschaften sehr herausfordernd. So konnten nicht immer alle Mitglieder die Feuerwehrhäuser bzw. die Einsatzstellen ohne Probleme erreichen, was wiederum bei den Einsätzen teilweise zu verringerten Einsatzmannschaften führte. Die überörtliche Bewältigung der Einsätze und die Abstimmung zwischen den einzelnen beteiligten Organisationen konnten jedoch durch ein perfektes Miteinander sichergestellt werden.“

 

Text: Redaktion, Fotos: © BFV Lienz und Feuerwehren Osttirols

12. Dezember 2020 um