Peter Mattersberger erzählt „Gschichtlin“ aus Matrei in Osttirol
Heimat – was steckt hinter diesem Sehnsuchtsbegriff? Ist es ein Ort, ein Gefühl oder eine ganz bestimmte Erinnerung? Jeder Mensch hat seine eigene, ganz persönliche „Heimatgeschichte“.
Sie hat mit Identität, Vertrautheit, Zugehörigkeit – und mit Erzählungen zu tun, wie es früher einmal war. Diese „Geschichten“, die von unseren Vorfahren einst mündlich überliefert wurden, haben es Peter Mattersberger besonders angetan. Er hat „Gschichtlin“, die seine Heimat Matrei i.O. widerspiegeln, aufgeschrieben und in Buchform zusammengefasst. Sein mittlerweile drittes Buch wird 2022 erscheinen.
„Es gibt vieles aus meiner Heimat, das es wert ist, aufgeschrieben zu werden“, betont der 72-Jährige. Die Motivation dies zu tun, erklärt er unter anderem damit, dass es in seiner Familie üblich war, Geschichten von früher zu erzählen. „Mich haben diese Erzählungen schon als Bub fasziniert“, sagt er. Aufgewachsen ist der pensionierte Lehrer im Matreier Ortsteil Bichl in einer Großfamilie mit neun Kindern. In Bichl lebt Peter auch heute noch und mit „Gebichl“, wie die Einheimischen die Fraktion nennen, verbindet ihn eine besonders enge Beziehung. „Der Vergleich meines Heimatdorfes Bichl mit einem Nest kam mir schon als Kind sehr treffend vor. Schaut man vom Markt Richtung Süden, so sieht man vom Dorfkern nur ein paar Dächer, eingebettet in eine sanfte Mulde. Der Begriff ‚Nest‘ ist aber nicht nur von der Lage her passend. Ich verknüpfe damit auch die so genannte ‚Nestwärme‘. Wir bekamen diese als Kinder, aber auch als Jugendliche und Erwachsene in der Familie und in der dörflichen Gemeinschaft immer sehr wohltuend zu spüren.“
Wenngleich sich die früher sehr intensiv gelebte Dorfgemeinschaft in Zeiten von Handy & Co verändert hat, kommen auch heute noch „Bichlere“ regelmäßig zum „Hoangascht“ zusammen. „In diesem Zusammenhang wurde ich des Öfteren darauf angesprochen, die heiteren und auch besinnlichen Geschichten, die sich rund um unser Dorf abgespielt haben, niederzuschreiben und sie so vor dem Vergessen zu bewahren“, lässt er wissen. Im Frühjahr 2020, während des ersten Lockdowns, nahm Peter sein erstes Buch in Angriff. Wenig verwunderlich trägt es den Titel „Bichl“ und lässt, mit alten Fotos sowie Bildern illustriert und gespickt mit vielen Beispielen des Matreier Dialektes, Geschehnisse aus dem Dorf und Menschen, die diese Welt schon verlassen haben, sprichwörtlich „wieder auferstehen“. Nach Erscheinen im Herbst 2020 war die Nachfrage nicht nur in Peters Heimatgemeinde so groß, dass das Buch innerhalb kurzer Zeit vergriffen war.
Nur mehr wenige Exemplare gibt es von der zweiten Publikation, die ein Jahr später erschien und die erneut auf ein enormes Interesse stieß. „Zwischen Zunig und Bretterwand“ – so lautet die Überschrift auf dem Cover des „Matreier Lesebuches“, an dem Peter, angespornt durch die vielen positiven Rückmeldungen, bald zu arbeiten begann. Dieses Mal widmete sich der Autor Themen und Ereignissen, die ganz Matrei betreffen. „Meine Intention war es, auf schicksalhafte Ereignisse, wie den großen Brand von 1897 oder das Hochwasser der Jahre 1965/66 einzugehen, besonderen Menschen nachzuspüren und lustige Begebenheiten für die Nachwelt zu erhalten“, informiert er. Außerdem habe er, so Peter, versucht, den Leserinnen und Lesern einen Eindruck davon zu vermitteln, was den besonderen Menschenschlag der ‚Måttinger‘ auszeichnet. „Die Matreier sind im Allgemeinen dafür bekannt, unkompliziert und nicht nachtragend zu sein. Sie leben und feiern gerne und schätzen althergebrachte Traditionen. Typisch ist auch eine gewisse `Wurstigkeit`, das heißt, dass nicht immer alles so ernst genommen wird.“

„Måttingerisch – Matreier Mundart – Matreier Lebensart“ – so heißt das dritte Buch Peter Mattersbergers, das ab Ende November 2022 erhältlich sein wird. Rund ein dreiviertel Jahr hat er daran gearbeitet. „Ich möchte damit einen kleinen Beitrag zur Bewahrung unserer Mundart leisten“, sagt er. Dazu hat er bestimmte Matreier Ausdrücke in Beispielsätze, vor allem aber in kleinere Geschichten einfließen lassen und passende Bilder hinzugefügt. „Ich glaube, dass der Sinn der Dialektausdrücke so vielleicht besser erfasst werden kann, als wenn man sie ins Hochdeutsche übersetzt.“ Als Beispiel nennt der „eingefleischte Matreier“, wie er sich selbst bezeichnet, den Ausdruck „daweil hobm“ und übersetzt diesen für Nicht-Matreier mit „Zeit haben“. Im Buch kommen Matreier Persönlichkeiten, wie der Jakober Sepp oder der Hoanacher Franz, sprichwörtlich zu Wort – und aus den Geschichten über ihre Erlebnisse lässt sich ganz gut ablesen, was in Matrei mit „daweil“ und mit „daweil hobm“ alles gemeint sein kann.
Die Freude, sich mit Geschichte und Gegenwart von Matrei zu beschäftigen, dürfte Peter auch nach der Veröffentlichung von Buch 3 nicht loslassen. Man darf also gespannt sein, was er noch alles über und aus Matrei erzählen wird!
Der Dorfplatz von Bichl war in Peter Mattersbergers Kindheit und Jugend ein beliebter Treffpunkt. Hier wurden Feste gefeiert und Fußball gespielt, hier traf man sich zum einen oder anderen „Hoangascht“ – hier spielte sich das Leben der „Bichlere“ ab. Vielen Osttirolern dürfte der Platz im Zusammenhang mit der „Oper in den Bergen“ bekannt sein.
Text: Elisabeth Hilgartner, Fotos: © Martin Lugger, Osttirol Journal