Osttiroler Soldaten bildeten in Montenegro Flugretter aus

Die ersten sieben montenegrinischen Flugretter erhielten vor Kurzem im Rahmen einer Leistungsschau die begehrten Lehrgangsdekrete ausgehändigt.

Das Hochgebirgsjägerbataillon 24 stellt den Aufbau der Flugrettungskapazität in den Streitkräften Montenegros sicher und gewährleistet damit erstmals in der Geschichte des jungen Balkanstaates eine nationale Fähigkeit zur Rettung und Katastrophenhilfe in terrestrisch schwer zugänglichen Geländeteilen. Am 19. November 2021 konnten die ersten sieben montenegrinischen Flugretter im Beisein von Verteidigungsministerin Olivera Injac und höchster Repräsentanten der montenegrinischen und österreichischen Streitkräfte im Rahmen einer Leistungsschau ihre neu erworbenen Fähigkeiten unter Beweis stellen und den begehrten Leistungsnachweis in Form des Lehrgangsdekrets entgegennehmen.

 

Das verantwortliche Ausbildungsteam

 

Die jungen Soldaten hatten auf dem Weg zum Flugretter vorher die fünfwöchige Ausbildung zum österreichischen Heereshochgebirgsspezialisten zu absolvieren, um in weiteren zwei Wochen intensiven Trainings im Rahmen des „Basic Winch-Rescue-Specialist Course“ die grundlegenden Fähigkeiten zur Flugrettung zu erwerben. Dieser erste Ausbildungsschritt befähigt nun die jungen Flugretter und die Hubschrauberbesatzungen zu Windenbergungen aus gebirgigem und urbanem Umfeld, von Industrie- und Freizeitinfrastruktur und aus Seen sowie langsam fließenden Gewässern.

 

Der Flugretter bleibt mit dem Helikopter verbunden und versucht, den Schwimmer zu erreichen.

 

Die Priorität, vorrangig Kapazitäten zur Katastrophenhilfe und Unfallbewältigung im Rahmen von Assistenzen für die zivilen Behörden aufzubauen, war national vorgegeben. Nach einem „on the job“-Training und dem Sammeln erster Einsatzerfahrungen sollen die Flugretter in einem folgenden Lehrgang für Außenlast-, Nacht- und gefechtstechnische Rettung weitergebildet und einsatzqualifiziert werden.

 

Die ersten Ausbildungsschritte werden am Kran geübt. Das spart Kosten und erhöht die Handlungssicherheit für die erste Windenfahrt enorm.

 

Expertise der HGJgB 24 international gefragt

Seit sieben Jahren hat das Hochgebirgsjägerbataillon 24 den Auftrag, selbständig im Rahmen der auf der EU-Westbalkan-Strategie basierenden Ausbildungskooperation „Mountain Warfare Training Cooperation-Montenegro“ Knowhow-Transfer und Fähigkeitsaufbau im Bereich Gebirgskampf für die Streitkräfte in Montenegro sicherzustellen. In diesem Rahmen wurde durch die Gebirgskampfspezialisten neben vier multinationalen Gefechtsübungen, dem Ausbau eines Gebirgskampfübungsplatzes und dem Errichten von drei Klettersteigen und 12 gefechtstechnisch nutzbaren Ausbildungskletterrouten, Stabs- und Führungsausbildung sichergestellt und die erste Flugrettungsausbildung durchgeführt.

 

Auch eine Krankenschwester des Notarztteams, die die Ausbildung begleitet, wurde zur Sicherstellung der Notfallversorgung für den Transport an der Winde ausgebildet.

 

24er entwickeln neue Verfahren

Da sich sowohl der in den montenegrinischen Streitkräften verwendete Hubschraubertyp in Leistung und Fähigkeitsprofil als auch das in Montenegro verwendete Rettungs- und Bergegerät sowie die flugtechnischen Vorschriften von den österreichischen unterscheiden, hatte das durch einen Spezialisten des Hochgebirgsjägerbataillons 26 aus Spittal an der Drau verstärkte Team Neuland zu betreten.

In Zusammenarbeit mit der montenegrinischen Luftfahrttechnik, den Piloten und dem nationalen Ausbildungszentrum mussten durch die sechs Spezialisten des entsandten MTT sämtliche Verfahren in Eigenverantwortung dem NATO Standard entsprechend neu erstellt, erprobt, als SOP (Standard Operating Procedure) formuliert, verifiziert und testgeflogen sowie national autorisiert werden. Auf dieser Grundlage konnten das Erstellen des Ausbildungscurriculums sowie die didaktische und organisatorische Durchführungsplanung erfolgen. Sämtliche Unterrichte und Ausbildungsunterlagen waren in Englischer Sprache zu erstellen und über eine durchaus gegebene Sprachbarriere hinweg umzusetzen.

 

 

Sicherheit und Erfolg in extremen Ausbildungssituationen

In der praktischen Durchführung kam neben der Ausbildung der Flugretter der Schulung der Windenoperatoren und Piloten erhöhte Bedeutung zu. Das Gewährleisten der Ausbildungssicherheit im exponierten Umfeld war eine der prioritären Aufgaben der österreichischen Ausbilder und verlangte kontinuierliches gewissenhaftes und konzentriertes Handeln. Die im Rahmen der Ausbildung eingesetzten 24er und 26er Unteroffiziere konnten durch ihre Erfahrung und Umsicht, ihr selbständiges Handeln und hohes Engagement Sicherheit und Erfolg im täglichen Handeln sicherstellen.

Im Rahmen des zweiwöchigen Lehrganges wurden theoretische Grundlagen im Lehrsaal und grundlegende Techniken an einem Kran ausgebildet. In der praktischen Ausbildung konnte in etwa 80 Flugstunden mit zwei Hubschraubern und 707 Windenfahrten eine solide Grundlage für zukünftiges Einsatzhandeln gelegt werden. Nach einem theoretischen und drei praktischen Prüfungsdurchgängen konnten die angehenden Flugretter ihre Fähigkeiten im Rahmen einer Leistungsschau erfolgreich demonstrieren und durch den Kommandanten des 24er Teams, Oberst Bernd Rott, ruhigen Gewissens „mission ready“ zum weiteren „on-the job“ Training zugelassen werden.

 

Traditionsgemäß überreichte Kommandant Oberst Bernd Rott Edelweiß an die montenegrinische Verteidigungsministerin Olivera Injac.

 

„Als Kommandant der 24er Hochgebirgsjäger bin ich auf die spezialisierten Fähigkeiten und den außerordentlichen Leistungswillen meiner Unteroffiziere stolz. Zusammen konnten wir im Rahmen des Mobile Training Teams-SAR für die Nation Montenegro die Voraussetzung für die zukünftige Rettung von Leib und Leben aus der Luft schaffen und somit einen persönlichen und nachhaltigen Beitrag für die Fähigkeitsentwicklung der Streitkräfte leisten“, betonte Bernd Rott, Kommandant des HGJgB 24, nach seiner Rückkehr vor angetretenem Bataillon.

 

Text: Redaktion, Fotos: Redaktion Gebirgsjäger

29. November 2021 um