Osttiroler Heilräucherwerk: Vom uralten Brauch des „Räucherns”
Insbesondere in der Zeit der 12 Raunächte wird im Alpenraum auch heute noch geräuchert. Christine Wallensteiner erzählt uns vom uralten Ritual des Räucherns von „Haus und Hof”.
Das Verräuchern von Harzen und Kräutern ist eine uralte Kunst, deren Ursprung so alt ist wie die Menschheit und die Nutzung des Feuers. Insbesondere in der Zeit rund um Heiligabend, Silvester und das Fest der Heiligen Drei Könige wird bei uns auch heute noch geräuchert. „Räuchern ist eine der ältesten Formen der Aromatherapie und spielte in allen Kulturkreisen eine wesentliche Rolle. Schon lange beschäftige ich mich mit diesem alten Wissen, und irgendwann reifte in mir der Wunsch, es bewusst einzusetzen und weiterzugeben“, berichtet Christine Wallensteiner.

In einem Räucherseminar der Dölsacher Bäuerin Karin Halbfurter kam der Lienzerin die Idee, die von Karin gepflückten Kräuter mit hochwertigen Harzen zu kombinieren und diese „Kostbarkeiten“ im Familienbetrieb Wassermann in der Lienzer Rosengasse ihren Kundinnen und Kunden anzubieten. „Mit dem Sammeln von Kräutern und Blüten haben Karin und ich im Sommer 2019 begonnen, im Mai 2020 gründete ich dann das ,Osttiroler Heilräucherwerk‘, über welches ich inzwischen auch selbst Räucherseminare anbiete.“

Durch das Verräuchern von Kräutern, Blüten und Harzen entstehe ein Duft, der auf das limbische System im menschlichen Körper wirkt und das sogenannte „Duftgedächtnis“ berührt, meint Christine und streicht die wohltuende Wirkung des Rauches heraus. „Viele von uns erinnern sich sicher gerne an ihre Kindheit, an schöne Erlebnisse, an bestimmte Menschen oder an besondere Plätze. Wenn wir dies tun, dann entspannen wir. Der Stress des Alltages fällt von uns ab. Ähnlich ist auch die Wirkung des Räucherns, die ich als eine Art ,energetische Hausreinigung‘ das ganze Jahr über empfehle. Es bietet eine ideale Gelegenheit, den Kreislauf des Jahres mit dem eigenen Leben zu spiegeln und sich mit der Natur zu verbinden. Zunächst räuchert man das Haus oder die Wohnung durch, lässt den Rauch wirken und lüftet anschließend ordentlich aus. Im Anschluss kann man das so entstandene ,Vakuum‘ mit einer passenden Räuchermischung oder auch mit Räucherstäbchen sprichwörtlich wiederauffüllen.“

Die 12 Raunächte
Nach alter Überlieferung beginnen die 12 Raunächte mit dem 21. Dezember, der Wintersonnwende, auch „Julfest“ oder „Thomasnacht“ genannt. „In diesen 12 Nächten spiegelt sich das gesamte kommende Jahr wider. Für unsere Ahnen hatten die Raunächte eine besondere Bedeutung, sie wurden in früheren Zeiten auch für eine Art ,Innenschau‘ genützt. Inzwischen hat sich vieles verändert – und die Wochen im Dezember sind, ganz im Widerspruch zum Bild von der ,ruhigsten Zeit im Jahr‘, längst schon von viel Stress und Unruhe geprägt. Genau deshalb empfehle ich, immer wieder einmal eine Auszeit zu nehmen, und mit kurzen Räucherritualen für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen“, rät die Räucher-Expertin.
Christine und Karin haben nicht nur für die 12 Raunächte, sondern auch für Räucherungen übers Jahr verschiedene Mischungen aus Rose, Holunder, Salbei, Lavendel, Wacholder, Copal, Myrrhe, Mistel, Fichtenharz, Weihrauch und vielem mehr zusammengestellt. „Beim Räuchern werden die feinen Duftkomponenten der Kräuter und Harze frei. Durch unsere Atmung gelangen sie tief in unser System. Das Räuchern wirkt nicht nur positiv auf Körper und Geist, sondern berührt auch unsere Seelen und die feinstofflichen Bereiche“, ist Christine Wallensteiner überzeugt.
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Elias Bachmann


