Osttirol für Mondikolok: Neue Hoffnung für das Health Care Center im Südsudan
Nach vier Jahren war ein Team aus Osttirol erstmals wieder zu Besuch im Südsudan und besichtigte neben dem verwaisten Krankenhaus auch das Flüchtlingscamp in Norduganda.
Der Sozialverein „Osttirol für Mondikolok” (früher Jalimo) wurde 2012 auf Initiative des Lienzer Kinderarztes Dr. Franz Krösslhuber gegründet. Dank der großzügigen Unterstützung der Osttiroler und Oberkärntner Bevölkerung sowie zahlreicher Gönner konnte eine attraktive Krankenstation aufgebaut werden. In den Jahren 2015/2016 wurde der medizinische Betrieb sukzessive auf- und ausgebaut. In diesen zwei Jahren hat das Team um Obmann Franz Krösslhuber mit bis zu zwölf Mitarbeitern vielen Menschen in Mondikolok und in der gesamten grenznahen Region Kajo-Keji helfen können.

2017 wurde diese positive Entwicklung jäh unterbrochen, weil sich der Bürgerkrieg bis in den Süden ausdehnte und damit auch die bis dahin relativ friedliche Region um Mondikolok mit aller Dramatik erfasste. Das Gesundheitszentrum Mondikolok Health Care Center (MHCC) musste geschlossen werden, da fast die gesamte Bevölkerung und damit auch die Mitarbeiter vor dem Krieg fliehen mussten und seither in riesigen Flüchtlingslagern im benachbarten Norduganda leben.

Nach 2019 reiste Franz Krösslhuber nun wieder nach Afrika – diesmal begleitet von seinem Sohn Dr. Jakob Krösslhuber, Obmann-Stv. Andreas Stotter und dem Filmemacher Alexander Vittorio Papsch-Musikar. „Wir waren jetzt mehrere Jahre nicht in Mondikolok. Ziel der Reise war es einerseits, die Situation vor Ort – im Health Care Center und im Flüchtlingslager – zu erkunden, und andererseits der Bevölkerung eine grundlegende Gesundheitskompetenz in Form von Erste-Hilfe-Kursen zu vermitteln“, berichtete Krösslhuber bei einem Medientermin in Lienz.

2017 wurde das Krankenhaus geplündert und teilweise mutwillig zerstört. „Sie haben alles mitgenommen, was sie brauchen konnten – die Kabel wurden aus den Wänden gerissen und auch die chirurgischen Instrumente mitgenommen. Seit unserem letzten Besuch 2019 ist wenigstens nichts an Schaden hinzugekommen. Der Lehmbau hat sich bewährt, und auch die Gebäudekonstruktion ist stabil. Hier muss man wirklich die Architekten loben – auch das Konzept in Sachen Termitenschutz hat sich als effektiv herausgestellt. Derzeit leben zurückgekehrte Flüchtlinge im Krankenhaus. Ich schätze, dass wir unser Health Care Center in drei bis vier Wochen wieder einsatzbereit hätten“, berichtete Krösslhuber.

In der Region arbeitet der Verein „Osttirol für Mondikolok“ eng mit den Comboni-Missionaren aus Südtirol zusammen. „Die Comboni-Missionare unterstützen uns vor Ort vor allem auch im handwerklichen Bereich und in der Lehrlingsausbildung. Sie wären genauso wie die Bevölkerung und die regionale Verwaltung für eine Rückkehr der Menschen nach Mondikolok und in die Region. Es stellt sich aber vor allem die Frage der Sicherheit, und da kann ich lediglich sagen: Sicher ist nur, dass es unsicher ist“, so der Obmann.

Andreas Stotter, ehemaliger Geschäftsführer des Roten Kreuzes Osttirol, berichtete von den Erste-Hilfe-Kursen vor Ort. „Das muss man sich gänzlich anders vorstellen als hierzulande. Wir mussten Kompetenzen in Erste Hilfe von Grund auf vermitteln, und es stehen natürlich auch kaum Hilfsmittel zur Verfügung. Trotzdem kann ich sagen, dass wir mit wenig Mitteln viel erreicht haben. Alex hat 30 Anleitungsvideos mit lokalen Kursteilnehmern angefertigt, die in Zukunft vor Ort bei Notfällen zur Verfügung stehen“, so Stotter. Rund 220 großteils junge Menschen wurden in Erste Hilfe unterrichtet.
Dr. Franz Krösslhuber behandelte Josephine 2015 mit einer schweren Beinverletzung …
Abschließend berichtete Franz Krösslhuber noch vom emotionalsten Moment der Reise: „Vor acht Jahren behandelte ich die 15-jährige Josephine mit einer schweren Beinverletzung. Es war unsicher, ob die Behandlung erfolgreich war oder ob Josephine diese Verletzung überhaupt überlebt hat. Nun trafen wir die junge Dame wieder. Sie ist gesund und studiert jetzt an der Universität in Gulu.“
… und traf sie acht Jahre später als gesunde junge Studentin wieder.
Hier ein Video von Alexander V. Papsch-Musikar, der die Osttiroler Delegation drei Wochen lang begleitet hat:
Spendenkonto: DolomitenBank Osttirol-Westkärnten, IBAN: AT55 4073 0000 0001 7523
Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol für Mondikolok








