Gelebte Tradition rund um den Virgentaler Opferwidder

Mit einem prächtig geschmückten weißen Steinschafwidder pilgerten am 27.4. wieder Gläubige aus Virgen und Prägraten zur Wallfahrtskirche Maria Schnee.

Heuer zeichnete der Ortsteil Bichl in Prägraten für die Vorbereitung des Festes verantwortlich. Familie Berger, vlg. Oberbichler, hielt und fütterte den Widder, der für den großen Tag besonders gepflegt werden musste. Prächtig mit Blumen geschmückt, wurde er dann von den Wallfahrern von Prägraten nach Obermauern begleitet. Dort stieß die Prozession mit den Pilgern aus Virgen zusammen. Gemeinsam zogen die Gläubigen in die Wallfahrtskirche Maria Schnee und feierten dort den Gottesdienst. Anschließend erfolgte die Verlosung des Widders auf dem Kirchplatz. Neben dem Hauptpreis konnten auch heuer wieder viele gespendete Sachpreise bereitgestellt werden.

 

Interessiert verfolgten die ProzessionsteilnehmerInnen die Verlosung auf dem Kirchenvorplatz.

 

Der gutmütige Steinschafwidder stand an diesem Tag im Mittelpunkt.

 

Das Losglück war in diesem Jahr der 11-jährigen Sarah Mariner aus Virgen hold. Da sie selbst nicht bei der Verlosung dabei sein konnte, nahm ihr Bruder Florian den Widder in Empfang. Der dreizehnjährige passionierte Jungbauer aus Göriach-Marin freute sich riesig über den Gewinn und führte den Widder stolz nach Hause.

 

Im Bild Sarah Mariner, die glückliche Gewinnerin

 

Das Verlöbnis
Das Virgentaler Opferwidder-Brauchtum gründet sich auf ein Verlöbnis aus dem 17. Jahrhundert. Damals herrschte in der Region eine verheerende Pestepidemie. Laut Überlieferungen hätten die Virger und Prägratner in ärgster Not Zuflucht zu Gott gesucht und eine jährliche Prozession mit einem weißen Widder nach Lavant verlobt, um von der Pest erlöst zu werden. Während viele ähnliche Traditionen in anderen Orten im Laufe der Zeit verschwunden sind, hat jene des Virger Opferwidders die Jahrhunderte überlebt und wird Jahr für Jahr von den Gläubigen fortgeführt. Seit 1920 wird der „Lauantwidder“, wie er umgangssprachlich noch immer bezeichnet wird, nicht mehr nach Lavant, sondern nach Obermauern geführt. Wurde das Tier in früherer Zeit nach der Messe versteigert, so ist man jetzt zum Losverkauf übergegangen. Der Gewinn daraus kommt den Pfarrgemeinden von Virgen und Prägraten zu Gute.

 

Text: Redaktion, Fotos: Sonja Mariner, Ingrid Wibmer

28. April 2019 um