Nußdorf-Debant: Simon Lugger und das „königliche Spiel”
Der 15-jährige Simon Lugger gehört zu den größten Schachtalenten Österreichs. Der Kärntner Landesmeistertitel U16 im heurigen Jänner war sein bisher größter Erfolg.
Ich bin zu Besuch bei Familie Lugger in Nußdorf-Debant und unterhalte mich mit Simon und seinen Eltern Helene und Jürgen über das „königliche Spiel”. Der 15-Jährige strahlt viel Ruhe aus, wirkt aber trotzdem hochkonzentriert. „Ich war acht Jahre alt, als ich begonnen habe, mit meinem Opa Anton und später auch mit meinem Papa Schach zu spielen. Inzwischen hat die Begeisterung für dieses Brettspiel auch schon meine Schwester Jana erfasst”, erzählt er. Von 2009 bis 2016 trainierte Simon beim Schachverein Nußdorf-Debant, seit drei Jahren ist er Mitglied beim Schachklub DolomitenBank Lienz, dessen Obmann Georg Weiler alle Jugendspieler stark fördert.

Simon betont, dass beim Schachspiel Konzentration, Kombinationsfähigkeit und mentale Stärke besonders gefragt seien. „Ich war eigentlich immer schon ein Kopfmensch. Zusammenhänge zu erfassen und Strategien zu entwickeln – das gefällt mir!“ Erste Erfolge bei Schülercups stellten sich bei dem jungen Debantner im Jahr 2015 ein. 2016 holte Simon mit der Mannschaft der NMS Nußdorf-Debant den vierten Platz bei den Schulschach-Bundesmeisterschaften. Als 14-Jähriger schaffte er im Vorjahr den 14. Platz bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften U18, seit heuer nimmt er auch an international besetzten Turnieren teil. Bei den Kärntner U16 Landesmeisterschaften im Jänner 2019 erspielte sich das Osttiroler Schachtalent sensationell den Titel, beim 21. Internationalen Lienz Open erreichte Simon im B-Turnier den 5. Platz und bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften U16 in St. Veit an der Glan den 11. Rang.

Der Schüler spielt inzwischen nicht nur wöchentlich beim Schachklub Lienz, sondern fährt auch ein bis zwei Mal im Monat zu Gert Schnider nach Villach. „Gert ist einer der besten Schachspieler Österreichs. Das Training mit ihm erstreckt sich meist über neun Stunden. Zusätzlich übe ich zuhause an meinem Computer oder spiele über Skype mit Manuel Unterreiner aus dem Mölltal.” An Samstagen steht meist die Teilnahme an Turnieren der Kärntner Landesliga auf dem Programm. „Zehn Minuten bis sieben Stunden dauert eine Partie, mein bislang längstes Spiel ging über fünf Stunden und 45 Minuten. Nach etwa vier Stunden lässt die Konzentration nach. Dann mache ich gerne eine Pause, gehe an die frische Luft und lasse den Spielverlauf Revue passieren. Beim Schachspiel sollte man immer vier bis fünf Züge vorausdenken und versuchen, die Strategie des Gegners zu erkennen.”

Taktik und Strategie spielen, wie Simon festhält, eine enorm wichtige Rolle. „Durch Taktik gewinnt man kurzfristig einen Nutzen, durch Strategie einen Vorteil, der über mehrere Züge oder sogar bis zum Ende der Partie wirkt. Entscheidend ist die so genannte ,Eröffnung‘ des Spiels. Durch diese erste Entscheidung wird alles Weitere beeinflusst”, erklärt er, der sich immer individuell auf seine Gegner vorbereitet. „Jeder professionelle Schachspieler ist auf der Internetseite des Weltschachbundes gelistet. Im Vorfeld eines Turniers versuche ich mir ein Bild von den Eröffnungssystemen meiner Gegner zu machen bzw. deren letzte Partien anzuschauen. Auch meine Daten sind auf dieser Webseite gelistet”, so der begeisterte Schachspieler, dessen ELO aktuell bei 1823 liegt.

Seit Herbst 2018 besucht Simon die erste Klasse der Handelsakademie Lienz und ist laut Aussage seiner Eltern vor allem in Mathematik eine Koryphäe. Sein Interesse gilt, wie er selbst meint, aber auch geschichtlichen Zusammenhängen. Die beiden Weltkriege, der Kalte Krieg, Waffen, Panzer und politische Hintergründe faszinieren ihn. Seit Kurzem hat der junge Osttiroler in seiner Freizeit außerdem mit dem Klettern begonnen. Was seine nächsten Ziele in Sachen Schach sind, will ich zum Abschluss unseres Gespräches noch von ihm wissen. „Ich möchte am Wien Open teilnehmen und bei den Staatsmeisterschaften punkten”, erläutert Simon das, was er sich für die nahe Zukunft vorgenommen hat.

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Martin Lugger