Römerstadt Aguntum: Handel mit Bergkristallen war wichtiger Geschäftszweig

Das Team um Grabungsleiter Martin Auer hat in den letzten Wochen rund 200 Fragmente von Bergkristallen in der Römerstadt in Dölsach zutage gefördert.

Bei einem Medientermin am Dienstag, 8. August, berichteten Grabungsleiter Martin Auer von der Universität Innsbruck gemeinsam mit Vertretern des Curatoriums pro Agunto von der nun zu Ende gehenden Grabungssaison in Aguntum, der einzigen Römerstadt auf heutigem Tiroler Boden.

„16 Studierende der Universität Innsbruck und drei internationale Studenten aus England, Frankreich und der Ukraine haben in den letzten Wochen hier gearbeitet. Wir haben die Arbeiten am Händlerforum fortgeführt und heuer vor allem in den tiefen Schichten dieses Bereiches gegraben“, erklärte Martin Auer.

Im Jahr 2021 wurde ein Wasserbecken entdeckt. Im Vorjahr und heuer haben die Archäologen die Grabungsarbeiten in diesem Bereich fortgesetzt. „Welche Verwendung das ca. 8 mal 7 Meter große und rund 1,5 Meter tiefe Becken hatte, wissen wir bis jetzt noch nicht. Wir haben heuer rund 200 Fragmente von Bergkristallen und sonstigen unreinen Kristallen in diesem Bereich gefunden. Insbesondere in den ersten zwei Jahrhunderten nach Christus dürfte der Handel mit Bergkristallen ein wichtiger Geschäftszweig in Aguntum gewesen sein. Später hat man im Händlerforum von Agtuntum auch Glas geschmolzen und Bronze eingeschmolzen“, berichtete der Grabungsleiter.

 

 

Aguntum sei mit diesen Funden die bisher einzige Römerstadt, in der in großem Umfang mit Bergkristallen gehandelt worden sein dürfte. Bis dato habe es in der Römerstadt in Dölsach lediglich „archäologische Vermutungen“ gegeben, die sich laut Martin Auer mit den Funden im heurigen Sommer erhärtet hätten.

Durch die Funde sei nun wissenschaftlich belegt, dass Bergkristalle zweifellos ein wichtiger Geschäftszweig in der Region gewesen sind. „Die Bergkristalle wurden hier bearbeitet und dann in ihrer reinen Form gehandelt. Abgesehen von den Kristall-Fragmenten gab es in der heurigen Grabungssaion, die wir am 10. August abschließen, relativ wenig Fundmaterial. So haben wir in den bearbeiteten Bereichen von Aguntum nur eine einzige Münze gefunden“, so Martin Auer abschließend.

 

Text: Raimund Mühlburger, Fotos: Osttirol heute/Mühlburger

09. August 2023 um