Naturkundlicher Führer „Gletscherweg Pasterze“ neu aufgelegt
Damals wie heute ermöglicht der Gletscherweg Pasterze einen Blick in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft. Nach 40 Jahren ist der Naturkundliche Führer neu erschienen.
Der Gletscherweg Pasterze, wie man ihn heute vorfindet, führt durch eine faszinierende Hochgebirgslandschaft, entlang stummer Zeugen früherer Gletscherausdehnungen und durch das Umfeld des einst so mächtigen Eisriesen im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern. Kaum eine Landschaft ist einem rascheren Wandel unterworfen. Dort, wo das Eis schwindet, entstehen faszinierende und ökologisch wertvolle Sukzessionsflächen, die nach und nach von Pionierpflanzen besiedelt werden.
Damit führt der Gletscherweg Pasterze gleichzeitig die Schönheit, aber auch die Vergänglichkeit der alpinen Umwelt vor Augen. Er schärft also einerseits das Bewusstsein für den Klimawandel und seine Auswirkungen, andererseits den Blick für Prozesse, die vom Menschen unbeeinflusst ablaufen dürfen. An das Eis der Pasterze selbst reicht der neue Gletscherweg allerdings nicht mehr heran, diese „Verfolgungsjagd“ wurde aufgegeben.

Natur erleben, Natur greifbar machen
In den letzten 150 Jahren ist die Pasterze zu einem Schwerpunkt der Gletscherforschung geworden. Den Gletscher und das Gebiet rundherum kennt kaum jemand so gut wie die Autoren Gerhard Karl Lieb und Andreas Kellerer-Pirklbauer, denn die beiden beobachten, vermessen und forschen hier seit Jahrzehnten. Zusammen mit vielen weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen hat man heute ein sehr gutes Bild über die Vergangenheit, die Gegenwart und die zukünftige Entwicklung der Pasterze.
Der Gletscherweg Pasterze versteht sich nicht bloß als Themenweg, der naturkundliche Informationen darbietet, sondern es geht um viel mehr. „Die Grundidee ist die Zeitreise, die dem Gang des Gletscherrückzugs seit Mitte des 19. Jahrhunderts folgt und am Zielpunkt des Weges mit einem Blick in die Zukunft endet“, erklären die Autoren Gerhard Karl Lieb und Andreas Kellerer-Pirklbauer. Sie gehen davon aus, „dass dieses Bergerlebnis mit ganzheitlichem Blick auf das Hochgebirge die Besucherinnen und Besucher zur Reflexion eigener Handlungsweisen und Einstellungen anregen kann, da die landschaftlichen Veränderungen, die der Gletscher vor Augen führt, bewusst wahrgenommen werden können“.
Vier Jahrzehnte Gletscherweg Pasterze
Der Gletscherweg Pasterze existiert schon seit 1983 als vom Österreichischen Alpenverein initiierter und betreuter Themenwanderweg durch das Gletschervorfeld des – zumindest im Jahr 2024 – immer noch größten Gletschers Österreichs. Bereits 2004 folgte eine erste umfassende Überarbeitung des naturkundlichen Führers und zeigte einmal mehr, dass der Klimawandel das Bild der Alpen markant verändert.

„Die aktuelle Neuauflage von 2024 erscheint in einer Zeit, in der der Klimawandel ein bedrohendes Ausmaß erreicht, ein wirkliches Umdenken aber noch immer nicht erkennbar ist“, konstatiert Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im Österreichischen Alpenverein. Die Pasterze ist nicht nur im Rückzug, sondern in Zerfall begriffen und wird längst mehr als trauriges Relikt ihrer selbst denn als imposante Eislandschaft wahrgenommen.
„Der Gletscherweg Pasterze ist durchgehend sehr gut markiert, ausgebaut und vom Österreichischen Alpenverein instandgehalten. Dennoch handelt es sich um einen hochalpinen Steig mit der Schwierigkeit rot. Dies bedeutet, dass zu seiner Begehung gute gesundheitliche Konstitution und Kondition sowie passende Bergwanderausrüstung unabdingbar sind“, informiert Bergführer Ernst Rieger, Vorsitzender der Sektion Großkirchheim-Heiligenblut-Mörtschach des Alpenvereins.
Die Gehzeit zwischen den einzelnen Haltepunkten beträgt zwischen 10 und 25 Minuten, für den gesamten Weg ist (ohne Verweilzeiten an den Haltepunkten und individuelle Stopps) mit rund 2,5 Stunden zu rechnen.
Das Buch ist ab sofort im Haus der Steinböcke in Heiligenblut, im BIOS Nationalparkzentrum Mallnitz und bei der Nationalparkverwaltung in Großkirchheim erhältlich. Bestellungen werden gerne auch telefonisch unter 4825/6161 oder per Mail unter nationalpark@ktn.gv.at entgegengenommen.
Text: Redaktion, Fotos: ÖAV/Veronika Raich, Gerald Zagler